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Schiller und die ästhetische Erziehung
Unter der Hülle aller Religionen liegt das Göttliche

Friedrich von Schiller (1759-1805) gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter. Aufgewachsen in einem pietistischen Milieu in Marbach am Neckar distanzierte er sich früh vom christlichen Glauben und beschäftigte sich mit religionsphilosophischen Fragen. Ergebnisse dieser Überlegungen hat er in seinen Schriften zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts festgehalten.

Von Astrid Nettling | 16.12.2015
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    Eine Statue des Dichters, Philosophen und Historikers Friedrich Schiller in Marbach (picture alliance / dpa / Inga Kjer)
    "Was hast Du aus mir gemacht, Raphael? Selige paradiesische Zeit, da ich noch mit verbundenen Augen durch das Leben taumelte, da ich noch vor einem Teufel bebte und desto herzlicher an der Gottheit hing. Ich empfand und war glücklich. Raphael hat mich denken gelehrt, und ich bin auf dem Wege, meine Erschaffung zu beweinen."
    Im Sommer 1785 fasst Friedrich Schiller den Plan zu einem philosophischen Roman in Form eines Briefwechsels zweier Freunde – Julius und Raphael. Julius ist der Jüngere von beiden, Raphael, der Ältere, fungiert als sein philosophischer Mentor.
    "Die Vernunft hat ihre Epochen, ihre Schicksale wie das Herz."
    Schreibt Schiller in seiner Vorbemerkung. Von diesen Schicksalen sollte der Roman, die Fragment gebliebenen "Philosophischen Briefe", handeln. Der Schriftsteller Rüdiger Safranski:
    "Julius ist ein junger Mann, der drei Entwicklungsstufen durchläuft. Da gab es eine Zeit, als ein Glaube alles mit Sinn erfüllte. Dann kam Raphael, er lehrte ihn das Kantische: habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Julius war bereit, sich auf seine Vernunft zu verlassen, sie verführt ihn zu enthusiastischer Spekulation. Als dritte Stufe folgt eine Ernüchterung."
    Auch Schiller ist noch ein junger Mann, als er die Gestalt des Julius entwirft. Diesen vom Wechselbad zwischen Enthusiasmus und Desillusionierung erschütterten Jüngling, dessen Geistesverfassung dem fünfundzwanzigjährigen Dichter nicht unbekannt war. Doch er hatte bereits ebenso erfahren, dass –
    "... die Wahrheit nichts verliert, wenn ein heftiger Jüngling sie verfehlt, ebenso wenig als die Tugend und die Religion, wenn ein Lasterhafter sie verleugnet. Je blendender, je verführender der Irrtum, desto mehr Triumph für die Wahrheit, je quälender der Zweifel, desto größer die Aufforderung zu Überzeugung und fester Gewissheit."
    Am 10. November 1759 wird Friedrich Schiller als zweites Kind des Wundarztes und späteren Offiziers Johann Kasper Schiller und seiner Ehefrau Elisabeth in Marbach geboren. Der Vater ist ein strenger, zum Jähzorn neigender Mann, die Mutter eine pietistisch fromme Frau, die ganz in ihren häuslichen Angelegenheiten aufgeht. Seinen ersten Lateinunterricht erhält der Knabe von einem Dorfpfarrer, einem gebildeten Mann, der in ihm den Wunsch erweckt, Geistlicher zu werden.Im Alter von dreizehn wird er auf Anordnung des Herzogs Karl Eugen in dessen "militärische Pflanzschule" bei Stuttgart, der späteren Hohen Karlsschule, aufgenommen. Ein Studium der Theologie war dort nicht möglich. Acht Jahre später, im Dezember 1780, verlässt er sie nach hartem Schuldrill und ungeliebtem Medizinstudium – sowie mit einer massiven Glaubens- und Weltanschauungskrise. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Riedel:
    "Newton war allenthalben das große Vorbild, die Trias 'Beobachtung – Feststellung von Regelmäßigkeiten – Festhalten dieser Regelmäßigkeiten in möglichst mathematisch beschreibbaren Gesetzen' sollte für alle Wissensgebiete gelten. Spekulationen über die 'hinter' den empirischen Sachverhalten liegenden Kräfte waren verpönt."
    Für Schiller war es ein Schock. Noch während seines Studiums antwortet der Medizinstudent auf diesen "Angriff des Materialismus", der sich auf die bloße Erkenntnis kausal-mechanischer Naturzusammenhänge beschränkt, mit einer Philosophie allumfassender Liebe, einer "Theosophie", die auf ein göttliches Prinzip 'dahinter' spekuliert:
    "Das Universum ist ein Gedanke Gottes. Nachdem dieses idealische Geistesbild in die Wirklichkeit hinübertrat, ist der Beruf aller denkenden Wesen, in dem vorhandenen Ganzen die erste Zeichnung wiederzufinden. Liebe – das schönste Phänomen in der beseelten Schöpfung, der allmächtige Magnet in der Geisterwelt – ist der Widerschein dieser einzigen Urkraft."
    Dazu der Literaturwissenschaftler Benno von Wiese:
    "Das Schema seines philosophischen Denkens ist eine aufgeklärte Theodizee, die ihre Wurzel in Leibniz hat. Die Welt – das Universum – ist von Gott, dem höchsten denkenden Wesen, nach einem Plan entworfen. Einsicht in diesen Plan bedeutet für den Menschen Glückseligkeit. Es ist das gleiche geistige Gesetz, das in der Natur und in der Menschenwelt herrscht, Schiller nennt es – die Liebe".
    "Möglich, dass das ganze Gerüste meiner Schlüsse ein bestandloses Traumbild gewesen. Aber eine Wahrheit ist es, die gleich einer festen Achse, durch alle Religionen und alle Systeme geht! – Nähert Euch dem Gott, den ihr meinet!"
    Welchen Gott aber meint Schiller, wenn es weder der Gott seines ersten naiven Glaubens, noch der Gott seiner pietistischen Herkunft ist, aber ebenso wenig der Gott, den die Metaphysik mit den Mitteln spekulativer Vernunft zu erfassen suchte. Immanuel Kants Kritik dieser Vernunft, die den Höhenflügen metaphysischer Spekulation klare Erkenntnisgrenzen gesetzt hatte, hatte auch Schillers Enthusiasmus gestutzt, ihn aber zugleich jenen Fragen ausgeliefert, von denen die Vernunft dennoch bedrängt wird. Nach Kant sind dies die unabschließbaren Fragen nach: "Gott, Freiheit und Unsterblichkeit".
    Diese Fragen lassen auch den Dichter in der Folge nicht unberührt. In seinem Gedicht "Resignation" räumt Schiller ganz im Geiste Kants mit dem Gedanken der Erlösung "als philosophischer Mythe" auf – wie er es später nennt – sowie mit dem 'Fieberwahn Unsterblichkeit', das heißt mit dem Glauben, "in einem anderen Leben" für weltliche Entsagung und diesseitiges Leid Entschädigung zu finden. Der Literaturwissenschaftler Peter-André Alt:
    "Seine Botschaft ist illusionslos: das nach dem Tod auf der 'Schauerbrücke' zum Jenseits stehende Subjekt des Textes muss erfahren, dass die Hoffnung auf eine im Paradies erfolgende Belohnung seines weltlichen Verzichts trügerisch war."
    Dass der Tod die Grenze allen Lebens bedeutet, war dem Dichter seit seinem Medizinstudium Gewissheit. Wohl steht es den Menschen frei zu hoffen, wie es ihnen genauso freisteht, die Güter dieser Welt zu genießen. Stets aber entscheidet ihre Wahl für ein Leben, das sie hier und jetzt, ohne Jenseitserwartung zu führen haben. Am Schluss des Gedichts wendet sich ein unsichtbarer Genius an die Menschen:
    "Zwei Blumen, hört es, Menschenkinder,
    Zwei Blumen blühen für den weisen Finder,
    Sie heißen Hoffnung und Genuss.
    Wer dieser Blumen eine brach, begehre
    Die andre Schwester nicht.
    Genieße, wer nicht glauben kann.
    Wer glauben kann, entbehre.
    Die Weltgeschichte ist das Weltgericht."
    Dazu Wolfgang Riedel:
    "Unmissverständlich verweist der Genius das Ich in die Immanenz zurück. Auch der Glaube an ein ewiges Leben ist nur eine innerweltliche Haltung, die sich im irdischen Leben erfüllt, und nicht danach. Dies meint der Titelbegriff 'Resignation': Verzicht auf jede Unsterblichkeitshoffnung, Resignation in die Immanenz der Weltgeschichte. Sie bedeutet Schillers vollständigen Übergang von der Theologie zu einer rein innerweltlichen Lehre vom Menschen."
    So bleibt es nicht aus, dass diese Hinwendung zur Diesseitigkeit ebenso zu einem Bruch mit der christlichen Gottesvorstellung führt. Benno von Wiese:
    "In der Konsequenz dieses Ansatzes lag es, dass der richtende, nach abstrakten Gesetzen handelnde Gott in zunehmendem Maße zu einem falschen Gott wurde, dem gegenüber die Instanz des wahrhaft Göttlichen im konkret Diesseitigen selbst gesucht werden musste. Hier setzt die Abwendung Schillers vom Christentum ein, die wenige Jahre später in dem Gedicht 'Die Götter Griechenlands' gipfelte. "
    "Da ihr noch die schöne Welt regiertet,
    An der Freude leichtem Gängelband
    Glücklichere Menschenalter führtet,
    Schöne Wesen aus dem Fabelland!"
    Im März 1788 erscheint das Gedicht in Wielands "Teutschen Merkur". Seinem Freund Gottfried Körner teilt Schiller voller Freude mit, dass es wohl das Beste sei, was er in letzter Zeit hervorgebracht habe.
    "Da der Dichtkunst malerische Hülle
    Sich noch lieblich um die Wahrheit wand! –
    Durch die Schöpfung floss da Lebensfülle,
    Und, was nie empfunden wird, empfand.
    Schöne Welt, wo bist du? – Kehre wieder,
    Holdes Blütenalter der Natur!
    Ach, nur in dem Feenland der Lieder
    lebt noch deine fabelhafte Spur.
    Alle jene Blüten sind gefallen
    Von den Nordes schauerlichem Wehn,
    Einen zu bereichern unter allen,
    Musste diese Götterwelt vergehn."
    Unmittelbar nach Erscheinen bricht ein Sturm der Empörung los. Man wirft dem Dichter antichristliche Tendenzen und atheistische Gotteslästerung vor, er falle hinter die Errungenschaften aufgeklärter Theologie zurück und verrate eine bedenkliche Nähe zu heidnischer "Abgötterei". Schiller bleibt gelassen. "Die Götter Griechenlands" sei schließlich ein dichterischer Entwurf und kein Pamphlet für oder gegen eine bestimmte religiöse Weltsicht. Im Dezember heißt es in einem Brief an Körner:
    "Der Dichter behandelt nie die Moral, nie die Religion, sondern nur diejenigen Eigenschaften von einer jeden, die er sich zusammen denken will. Wenn ich aus den Gebrechen der Religion oder der Moral ein schönes übereinstimmendes Ganze zusammenstelle, so ist mein Kunstwerk gut, und es ist auch nicht unmoralisch oder gottlos, eben weil ich beyde Gegenstände nicht nahm, wie sie sind, sondern erst wie sie nach neuer Zusammenfügung wurden."
    Dazu meint Rüdiger Safranski:
    "Selbstverständlich weiß Schiller, dass die Wirklichkeit der griechischen Antike sich nicht mit dem Phantombild des ästhetischen Weltzustandes deckt. Es geht ihm um den Grundtypus eines alternativen Weltverständnisses. Er imaginiert das Fabelland der griechischen Antike, um den Denkraum zu erweitern. Es geht um Freiheit gegenüber den Zwängen der eigenen Epoche. Und dazu war es erforderlich, eine Alternative, eine andere Option des Menschenmöglichen, zu entwerfen."
    "Da die Götter menschlicher noch waren,
    waren Menschen göttlicher."
    Lautet der Befund Schillers. In einer Epoche, die durch nüchternen Rationalismus sowie den unsinnlichen Purismus aufgeklärter Vernunftreligion geprägt ist, kann sich – davon ist der Dichter überzeugt – nur ein Menschentum entwickeln, das in seinen Möglichkeiten beschnitten ist. Denn was bleibt, wenn sich das Göttliche aus der Natur und der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit in die Unsichtbarkeit eines "deus absconditus", eines dem Menschen verborgenen Gottes, zurückgezogen hat.
    "Ausgestorben trauern die Gefilde,
    Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick,
    Ach! von jenem lebenswarmen Bilde
    Blieb nur das Gerippe mir zurück."
    In den folgenden Jahren arbeitet Schiller an seiner Theorie des Schönen. Sie soll die durch den Dualismus von Geist und Natur, Vernunft und Sinnlichkeit, Pflicht und Neigung unselig entzweite Menschennatur durch die Idee eines ganzen Menschen – "einig mit sich selbst" – versöhnen. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Riedel:
    "Mit allem Nachdruck verschreibt sich Schiller dem Programm der 'Rehabilitation der Sinnlichkeit'. Der 'ästhetische Zustand', in den das Ich bei der Erfahrung des Schönen der Natur oder der Kunst gerät, wird von Schiller begriffen als eine Balance, ein Ausgleich zwischen jenen beiden Naturen."
    "Dadurch schon, dass die Natur ihn zum vernünftig sinnlichen Wesen, d.h. zum Menschen machte, kündigte sie ihm die Verpflichtung an, nicht zu trennen, was sie verbunden hat, auch in den reinsten Äußerungen seines göttlichen Teils den sinnlichen nicht hinter sich zu lassen und den Triumph des einen nicht auf Unterdrückung des anderen zu gründen. In einer schönen Seele ist es, wo Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmonieren."
    Erklärt Schiller in seiner 1793 veröffentlichten Schrift "Über Anmut und Würde". Eigentlich ein Bewunderer Kants, spricht er sich darin gegen dessen rigorosen Pflichtbegriff aus, wie er ihn in seiner praktischen Vernunft entworfen hat.
    "In der Kantischen Moralphilosophie ist die Idee der Pflicht mit einer Härte vorgetragen, die alle Grazien davon zurückschreckt und einen schwachen Verstand leicht versuchen könnte, auf dem Weg einer finstern und mönchischen Asketik die moralische Vollkommenheit zu suchen."
    Denn für den Dichter ist ein kategorisches Sollen ohne ein geneigtes Wollen, ist Pflicht ohne Neigung, vernunftmäßige Tugend ohne sinnliche Anmut ein bloßes Zerrbild sittlichen Tuns. In den "Xenien", der Sammlung von polemischen Kurzgedichten, die er kurze Zeit später zusammen mit Goethe verfasst, macht sich Schiller darüber lustig.
    "Gerne dien ich den Freunden, doch tu ich es leider mit Neigung,
    Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin.
    Da ist kein anderer Rat, du musst suchen sie zu verachten,
    Und mit Abscheu alsdann tun, was die Pflicht dir beut."
    Der Literaturwissenschaftler Peter-André Alt:
    "Hier treten die Gegensätze ins Licht, die Schillers Schönheitsidee von Kants System trennen. Schillers kunsttheoretischer Entwurf beruht auf dem Gedanken, ästhetische Erfahrung ermögliche verfeinerte moralische Empfindung. Damit sucht Schiller den Weg zu einer Synthese zwischen Ästhetik und Moral zu bahnen, die für Kant undenkbar schien."
    "Es gibt keinen anderen Weg, den sinnlichen Menschen vernünftig zu machen, als dass man denselben zuvor ästhetisch macht."
    Bekräftigt er in seinen Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen", die 1795 erscheinen. Dies aber ist die Aufgabe der Kunst.
    "...in deren Reich die höchste Philosophie, die höchste Moralität, die höchste Politik endigt. Allein in der Kunst, die allen dreien das Ideal vorzeichnet...".
    ... kann die verlorene Einheit des Menschen in den Blick genommen und wiedergewonnen werden.
    "Hier, in dem Reiche des ästhetischen Scheins, wird das Ideal erfüllt. Existiert ein solcher Staat des schönen Scheins? Dem Bedürfnis nach existiert er in jeder feingestimmten Seele."
    Der Literaturwissenschaftler Benno von Wiese:
    "Der Künstler zeichnet ein Bild vor, das zwar in der Wirklichkeit nie ganz erreicht werden kann, aber doch entworfen ist im Hinschauen auf diese Wirklichkeit und unter den vorausgegebenen Bedingungen dieser Wirklichkeit. Der volle harmonische Einklang von Geist und Sinnlichkeit, die ungetrübte Einigkeit des Menschen mit sich selbst, bleibt dabei eine regulative Idee."
    Hatte es in den "Göttern Griechenlands" gleichsam rückblickend auf eine verschwundene Zeit gelautet:
    "Da die Götter menschlicher noch waren,
    waren Menschen göttlicher."
    Wird nun eine solche Nähe zwischen dem Göttlichen und den Menschen, zwischen Ideal und Wirklichkeit, vorausblickend als der Prozess einer unabschließbaren Annäherung an dieses Ideal gedacht. Im elften Brief "Über die ästhetische Erziehung" heißt es:
    "Die Anlage zu der Gottheit trägt der Mensch unwidersprechlich in sich: der Weg zu der Gottheit, wenn man einen Weg nennen kann, was niemals zum Ziele führt, ist ihm aufgetan in den Sinnen."
    Und dabei wird es bleiben. Ende 1795 schließt der Dichter seine "philosophische Bude", wie er in einem Brief an Goethe schreibt. Ebenso bleibt es bei seiner Überzeugung, dass es für diesen Weg weder des Glaubens an eine herkömmliche Religion, noch einer bestimmten Gottesvorstellung bedarf. In seinem Distichon "Mein Glaube" von 1797 kleidet er dies in die Worte:
    "Welche Religion ich bekenne? Keine von allen,
    Die du mir nennst! "Und warum keine"? Aus Religion."
    Der Schriftsteller Rüdiger Safranski:
    "Diese Religion, die alle übrigen relativiert, ist die ästhetische. Die historischen, positiven Religionen waren für ihn Kulturleistungen vom schöpferischen Geist der Menschen hervorgebracht. Es war Schillers Bestreben in den manifesten Religionen die Spreu vom Weizen zu trennen. Der 'Weizen' – das war die zugrundeliegende schöpferische und freie Potenz. In dieser Macht lag für ihn die religiös-ästhetische Kraft."
    Daran hat Schiller bis zum Schluss festgehalten. Im Vorwort zu seinem Trauerspiel "Die Braut von Messina", das er 1803, zwei Jahre vor seinem Tod, beendet, kommt er noch einmal darauf zurück:
    "Ich halte es für das Recht der Poesie, die verschiedenen Religionen als ein kollektives Ganzes für die Einbildungskraft zu behandeln. Unter der Hülle aller Religionen liegt die Religion selbst, die Idee eines Göttlichen, und es muss dem Dichter erlaubt sein, dieses auszusprechen, in welcher Form er jedes Mal am bequemsten und am treffendsten findet."