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StartseiteForschung aktuellFingerzeig zum Futterversteck 21.01.2014

Schimpansen Fingerzeig zum Futterversteck

Schimpansen können Gesten nutzen, um andere Primaten auf Nahrungsverstecke hinzuweisen. Das haben britische und US-amerikanische Forscher nun untersucht. Offenbar sind die Gesten derart universell, dass sie auch Menschen verstehen können.

Von Michael Stang

Weiterführende Information

Schimpansenkinder als Puppenmütter 
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 22.12.2010)

Zu Besuch bei Verwandten 
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 26.06.2013)

Panzee, 19 Jahre alt, und Sherman, 31 Jahre alt, leben seit vielen Jahren im Language Research Center der George State University in den USA. Für die beiden Schimpansen ist tägliches Training Routine, sagt Anna Roberts.

"Sie haben an dem Programm teilgenommen, bei dem es um das Erlernen der Zeichensprache mithilfe von Symbolen, dem Lexigramm, ging. Sie können also Wünsche mitteilen und mit Menschen kommunizieren."

Die Psychologin der Universität von Chester wollte herausfinden, ob die Schimpansen gemeinsam mit einem menschlichen Experimentator nur mithilfe von Gesten kommunizieren können und zwar so, dass sie verschiedene Handlungen koordinieren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das Experiment fand in einem 350 Quadratmeter großen Freilandgehege statt. Dabei versteckte zunächst ein Experimentator im Beisein einer der Affen ein Stück Obst. Diesen Leckerbissen konnten die Schimpansen aber nicht selbst aus dem Versteck holen. Sie mussten einen zweiten menschlichen Versuchsteilnehmer, der das Versteck nicht kannte, zum Ziel lotsen.

"Der Schimpanse musste sich also daran erinnern, wo das Futter versteckt ist und dann dem Experimentator Zeichen geben, wo sich dieses befindet und ihm permanent Rückmeldung geben, damit der Suchende sich auch wirklich in Richtung Versteck bewegt."

Beim Suchen sollte der Experimentator in mehrere Richtungen zeigen. Denn die Forscher wollten sehen, ob und wie eine avisierte Richtung gegebenenfalls korrigiert wird.

"Beide Schimpansen haben bestimme Gesten immer wiederholt und wedelten mit den Armen umso stärker und häufiger, je näher der Experimentator am Ziel war. Dieser wusste also allein durch die Art der Gesten, auch weil die Affen kurz vor dem Ziel sehr aufgeregt waren und sich freuten, wo das Futter versteckt war."

Auf das menschliche Verhalten übertragen, ist dies mit dem Kinderspiel Topfschlagen vergleichbar, wo sich der Suchende durch Tipps wie "wärmer" oder "kälter" Stück für Stück zum Ziel vortastet. Dies führte dazu, dass der Experimentator das gesuchte Stück Obst stets sehr schnell fand.

"Wenn ich ein Ziel erreichen muss, es aber nicht allein schaffe, brauche ich Hilfe. Wenn jemand das versteht und mir mit Gesten hilft, dieses Ziel zu erreichen, dann ist unserer Meinung nach diese Koordination rund um dieses Verstehen und Lösen des Problems eine sehr komplexe Leistung, die bei der Evolution der Sprache vermutlich hilfreich war."

Zumindest trainierte Schimpansen sind demnach zu solch vielschichtigen Gedankengängen in der Lage. Allerdings:

"Bei den Experimenten hat es ja einen Einfluss des Menschen auf das Verhalten der Schimpansen gegeben. Von daher wissen wir nicht, ob auch wildlebende Affen zu diesem Verhalten fähig sind."

Solche Beobachtungen wurden im Freiland jedenfalls noch nicht gemacht. Generelle Aussagen zum koordinativen Gestikulieren von Schimpansen sind deshalb nur bedingt möglich.

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