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StartseiteSport am WochenendeSchlammschlacht im asiatischen Fußball18.04.2009

Schlammschlacht im asiatischen Fußball

Das Kandidaten-Karussell um die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 dreht sich

Zum ersten Mal lässt der Fußball-Weltverband FIFA ein gemeinsames Bewerbungsverfahren für gleich zwei Weltmeisterschaften zu. Im Dezember 2010 entscheidet die FIFA-Exekutive, wo die Titelkämpfe 2018 und 2022 ausgetragen werden. Insgesamt 13 Länder haben sich beworben. Die asiatischen Kandidaten könnten aber auch Opfer eines internen Machtkampfs werden.

Von Heinz Peter Kreuzer

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist für das Gastgeber-Land ein großer Image-Faktor - wie sich zuletzt 2006 in Deutschland zeigte. (AP)
Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist für das Gastgeber-Land ein großer Image-Faktor - wie sich zuletzt 2006 in Deutschland zeigte. (AP)

Die Chancen der USA als Ausrichter einer Fußball-Weltmeisterschaft sind gestiegen. US-Präsident Barack Obama hat die Bewerbung seines Landes mit einem Brief an Fifa-Chef Joseph Blatter unterstützt. Die Vereinigten Staaten gelten als aussichtsreicher Kandidat für die Ausrichtung der WM 2022, Mexiko hat nur Außenseiterchancen. Für 2018 werden England, Russland sowie die gemeinsame Bewerbung von Spanien und Portugal favorisiert. Dagegen gilt die zweite Doppelbewerbung aus den Niederlanden und Belgien als aussichtslos.

Wenig Chancen haben die fünf Kandidaten aus Asien, sie drohen Opfer der Schlammschlacht zwischen Mohammed bin Hammam und Shaik Salman zu werden. Die beiden Funktionäre streiten um den Sitz als Vertreter Asiens in die Fifa-Exekutive. Nachdem der Wahlkampf von Drohungen gegen Funktionäre und angeblich gekauften Stimmen überschattet wird, beschäftigt sich die Ethikkommission des Weltverbandes mit den Wahlen, die am 8. Mai stattfinden sollen.
Ein Nachteil für die fünf Bewerber ist, dass die Vielzahl der Bewerber die Stimmen Asiens aufsplitten. Dazu kommt, dass die einzelnen Verbände Parteigänger der beiden Kandidaten sind.

Der amtierende Präsident des asiatischen Fußball-Verbandes AFC, Bin Hammam, unterstützt für die Bewerbung 2022 sein Heimatland Katar. Für die WM 2018 hat der als Diktator verschriene AFC-Chef, Australien seine Unterstützung zugesagt. Australien war nach der WM 2006 in den asiatischen Kontinentalverband gewechselt, weil es sich dort größere Chancen in der WM-Qualifikation ausrechnet. Da verwundert es nicht, dass ausgerechnet der Australier Les Murray behauptet, dass die Unterstützer von Shaik Salman Stimmen kaufen würden. Murray ist Mitglied der Ethikkommission und schießt mit seinen Vorwürfen gegen den koreanischen Fußball-Verband KFA. Mit dem ist Bin Hammam schon seit Jahren verfeindet. Denn KFA-Ehrenpräsident Chung Mong-joon ist auch Fifa-Vize, ein Amt, das Bin Hammam für sich fordert. Als AFC-Chef stünde das Amt ihm zu, nicht dem Vertreter eines anderen asiatischen Verbandes.

So ist es kein Wunder, dass sein Gegenspieler Shaik Salman, der Präsident des Fußball-Verbandes von Bahrain, vom WM-Bewerber Südkorea unterstützt wird. Zwar sind auch die beiden anderen Bewerber Japan und Indonesien auf seiner Seite, aber Südkorea gilt als Drahtzieher und Finanzier von Shaik Salmans Bewerbung. Schließlich verliert Bin Hammam auch international an Einfluss. Der Katari ist zwar schon seit 13 Jahren Mitglied der Fifa-Exekutive und war in der Vergangenheit ein enger Verbündeter von Fifa-Präsident Joseph Blatter. Das Verhältnis zwischen den beiden ist aber abgekühlt, seit der AFC-Chef im vergangenen Jahr forderte, dass Blatter nach seiner dritten Amtszeit nicht noch einmal antreten sollte. Denn er befürwortet eine Beschränkung der Amtszeit für alle Verbände einschließlich der FIFA. Wenn jemand zu lange Amt bleibe, dann behindere er die Entwicklung. Dann schaffe er Statuten, um seine Position zu retten.

So befürchtet Shaik Salman keine Intervention des Weltverbandes und ist von einer Mehrheit in Asien überzeugt, schließlich würden 30 von 46 Mitgliedsstaaten hinter seiner Kandidatur stehen. Seine Parteigänger würden mehr Demokratie und das Ende der Ein-Mann-Entscheidungen fordern.

Und jetzt wirft der koreanische Verband dem Katari vor, den KFA-Präsidenten Cho Chung-yeon bedroht zu haben. In einem Fernsehinterview soll er gesagt haben, er würde Chung-yeon den Kopf abschlagen. Bin Hammam entgegnet, er habe eine die Redewendung "es müssen Köpfe rollen" verwendet.

Die Wahrheit soll jetzt die Ethikkommission finden.

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