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Schlangenplage
Tödliche Mäuseköder helfen auf Guam

Ökologie. - Im Zweiten Weltkrieg schleppten US-Truppen die Braune Nachtbaumnatter auf der Pazifikinsel Guam ein. Die Schlange vermehrte sich rasant und fügte der Vogelpopulation großen Schaden zu. Jetzt wollen Ökologen die Reptilienplage eindämmen. Versuche mit Giftködern zeigten erste Resultate.

Von Michael Stang | 27.12.2013

    Die Insel Guam im Westpazifik bietet der Braunen Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) paradiesische Verhältnisse. Denn das im zweiten Weltkrieg eingeschleppte Reptil muss keine natürlichen Feinde fürchten, zudem gibt es reichlich Beute, vor allem schmackhafte Vogelarten. So kam es, dass auf der von den USA als Militärstützpunkt genutzten Insel mittlerweile fast alle Vögel verschwunden sind. Um der Plage Einhalt zu gebieten, startete das Team von William Pitt diesen Sommer eine Studie.
    "We dropped 1980 over 55 hectares."
    1980 Köder hätten sie über ein Gebiet von je 55 Hektar abgeworfen, so der Biologe vom National Wildlife Research Center auf Hawaii. Bei den Ködern handelt es sich um vergiftete Mäuse, die von Hubschraubern aus über den Wäldern von Guam abgeworfen wurden. Alle Giftpakete waren mit kleinen Papp-Fallschirmen ausgestattet, damit sie im Geäst hängen bleiben, also dort wo die Schlangen leben und fressen. Drei Versuchsflächen hatte William Pitt ausgewählt.
    "Die erste ist von einem Schlangen-Zaun umzäunt, der verhindert, dass Schlangen hinein oder herauskommen, das zweite Versuchsareal hat keinen Zaun, ebenso wenig umzäunt ist die dritte Fläche, die als Kontrolle dient. Über die ersten beiden Flächen wurden die Ködermäuse aus der Luft verstreut. Die dritte Fläche soll dazu dienen, um zu schauen, ob der Versuch mit den Mäusen überhaupt einen Effekt hat."
    Einige der Köder waren mit kleinen Sendern versehen, damit die Forscher nachprüfen konnten, ob die Köder tatsächlich verspeist wurden oder weiter im Wald hängen. Die ersten Daten stimmen sie optimistisch, so William Pitt.
    "Die Aktivität der Schlangen ist in den betroffenen Gebieten deutlich zurückgegangen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir also sagen, dass der Einsatz der giftige Mäuseköder einen großen Effekt zeigt."
    Insgesamt vier Mal flogen die Hubschrauber aus, um die Mäuse über beide Flächen zu verteilen. Der erste Flug war im September, zwei im Oktober, der letzte im Dezember.
    "Man kann nicht rausgehen und das nur einmal machen, denn manche Schlangen haben da vielleicht keinen Hunger, ruhen sich aus oder sie sind noch gar nicht geschlüpft, denn die Schlangen legen ja auch Eier. Um auch die Jungtiere zu erwischen, müssen wir das mehrfach wiederholen."
    Noch befindet sich das Projekt in der Testphase. Die erhoben Daten werden nun überprüft und ausgewertet. Zudem soll das Ganze optimiert werden.
    "Eine Idee, die wir gerade bei einem anderen Projekt entwickeln ist, das ganze System zu automatisieren. Wenn wir später die Mäuse regelmäßig automatisch abwerfen werden können, wird das Ganze nicht nur effizienter, sondern auch kostengünstiger."
    Die Kosten für das auf fünf Jahre angelegte Projekt, also Planung, Demonstration und Auswertung, belaufen sich zunächst auf eine Million US-Dollar. Danach werden die US-Behörden entscheiden müssen, ob die vergifteten Mäuseköder aus der Luft tatsächlich das Mittel der Wahl sind, um der Schlangenplage auf Guam Herr zu werden oder nicht.