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StartseiteSport am Wochenende"Wie will man das nachweisen?"20.04.2019

Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp"Wie will man das nachweisen?"

In den kommenden Wochen wird es reihenweise Prozesse um Schmähgesänge geben. Geklagt hat Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Fanaktivistin Helen Breit sagte im Dlf, Hopp halte das Thema durch die Strafverfahren selbst aktiv. Sie äußerte auch Skepsis, wie ein Gericht einzelne Fans in der Masse identifizieren wolle.

Helen Breit im Gespräch mit Marina Schweizer

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Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. (picture alliance / dpa - Uwe Anspach)
Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp setzt sich gegen Schmähgesänge gegen seine Person zur Wehr - juristisch. (picture alliance / dpa - Uwe Anspach)
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Jahrzehntelang blieb es folgenlos, wenn sich Fans - oft im tausendstimmigen Chor - ihre Abneigung gegenüber Reizfiguren des Gegners auch mit unflätigen Beleidigungen von der Seele brüllten. Eine Zielscheibe der Schmähgesänge: Dietmar Hopp, Mäzen der TSG Hoffenheim. Laut Staatsanwaltschaft Heidelberg sind aus Fankurven rund 80 Fußballfans ermittelt worden, die Hopp in Gesängen als "Hurensohn" oder "Sohn einer Hure" tituliert haben.

Es gehe dabei um zwei Spiele von Dortmund und ein Spiel von Köln in Hoffenheim. Es gibt Strafbefehle und Verhandlungen gegen Fans, die Strafbefehle nicht akzeptieren. Der Kölner Fan-Anwalt Tobias Westkamp berichtet von Verfahren gegen 21 Köln-Fans bei einem Spiel im März 2018, der Dortmunder Fan-Anwalt Stefan Witte von 32 ermittelten Dortmund-Fans nach dem Spiel am 12. Mai. Am 22. September 2018 gab es beim Dortmunder Auswärtsspiel wieder die Rufe.

Fantribüne beim Bundesligaspiel 1. FC Köln gegen 1899 Hoffenheim am 21.4.2017. (imago / Revierfoto)Fans des 1. FC Köln zeigten beim Spiel gegen 1899 Hoffenheim Schmähplakate. (imago / Revierfoto)

"Vieles im Fußball geschieht aus der Emotion heraus"

Am Gründonnerstag saßen die ersten fünf Dortmund-Fans vor Gericht. Gegen zwei, die sich entschuldigten und beim Fußball noch nicht straffällig geworden sind, wurde der Prozess nach fast sieben Stunden gegen Geldauflagen eingestellt. Gegen die anderen drei geht er am 10. Mai weiter. "Es ist das erste Verfahren, davon geht eine gewisse Signalwirkung aus", sagte der Staatsanwalt dazu. Bis Ende Juni sind eine Reihe weiterer Prozesse angesetzt.

"Man müsse sehen, dass die Regeln im Fußball vielleicht etwas anderes sind, als bei einer Diskussion im Klassenzimmer", sagte Helen Breit, Fanaktivistin im Dlf. "Vieles geschieht aus der Emotion heraus." 

Hopp hält Thema am Leben

Im Fußball sei der Ton anders und rauer. Sie frage sich aber auch, ob sich Hopp auch als Individuum getroffen fühle. Davon habe sie bisher noch nichts gelesen. Durch die Strafverfahren und die Berichterstattung sorge der Unternehmer auch dafür, dass die hochumstrittenen Themen, wie 50+1 und Investoren im Fußball, ständig weiter in der Diskussion blieben und nicht langsam abnähmen. 

Sie sei auch sehr skeptisch, wie man nachweisen wolle, welcher einzelne Fan die Schmähgesänge gesungen hat. Es würde ja auch nur laut, weil viele Menschen gleichzeitig singen. Da werde die Gemengelage sehr schwierig, da es einzelne Fans treffe und andere nicht.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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