Ende Oktober 1898 stürmte die Münchner Polizei die Redaktion der illustrierten Wochenschrift "Simplicissimus". Drei Personen wollte sie verhaften: den verantwortlichen Redakteur der aktuellen Nummer, den anonymen Dichter "Hieronymus" und den Zeichner Thomas Theodor Heine. Der Grund: Anklage wegen Majestätsbeleidigung.
Die sogenannte "Palästina-Ausgabe" des "Simplicissimus" hatte die Reise Kaiser Wilhelms II. nach Jerusalem aufs Korn genommen. Frank Wedekind, der "Hieronymus", hatte in Versen darüber gespottet. Heine hatte auf dem Titelbild Kaiser Wilhelm und Friedrich Barbarossa karikiert. Barbarossa krümmt sich vor Lachen, während der neben ihm stehende Kreuzzügler Gottfried von Boullion sagt:
"Lach nicht so dreckig, Barbarossa. Unsere Kreuzzüge hatten doch eigentlich auch keinen Sinn."
Wedekind musste sieben, Heine sechs Monate in Festungshaft. Nur der verantwortliche Redakteur konnte sich der drohenden zweijährigen Gefängnisstrafe durch Flucht nach Frankreich entziehen: der 28-jährige Albert Langen, der die Zeitschrift zwei Jahre zuvor gegründet hatte. Sie war Herzstück und Aushängeschild seines immer erfolgreicher werdenden Verlags. Langen war es gelungen, in München die dem Jugendstil verpflichtete künstlerische Avantgarde für den "Simplicissimus" zu gewinnen: Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny, Bruno Paul und Olaf Gulbranson prägten das Gesicht der Zeitschrift mit der von der Kette losgerissenen roten Dogge als Markenzeichen. Sogar der königliche Hofschauspieler Alois Wohlmuth notierte:
"Wer damals erfahren wollte, was »die Moderne« leistet, brauchte sich nur für 10 Pfennig den »Simpl« zu kaufen."
Langen gehörte wie Samuel Fischer oder Eugen Diederichs zu jenen "literarischen" Verlegern am Ende des 19. Jahrhunderts, die ihren Beruf mit einem ästhetischen Programm verbanden. Er brachte die modernen skandinavischen und französischen Autoren: Neben Björnstjerne Björnson, seinem Schwiegervater, hatte er die Schwedin Selma Lagerlöf, die Franzosen Anatole France, Guy de Maupassant und zeitweise Emile Zola unter Vertrag. Erster deutscher Autor im Albert-Langen-Verlag war Frank Wedekind, dessen Drama "Der Erdgeist" er 1895 herausbrachte; es kamen so bedeutende Schriftsteller wie Heinrich Mann, Gustav Meyrink und Jakob Wassermann dazu. Auch Hermann Hesse, der über Langen sagte:
"Albert Langen (...) war frisch und beweglich, fast kindlich vergnügt (...) Er betrieb seine Angelegenheiten mit dem launigen Eifer des Sportsmannes, hartnäckig oder lässig, interessiert und spielend (...) jedenfalls aber ehrlich und mit persönlicher Hingabe"
Dass er Verleger werden würde, war dem 1868 in Antwerpen geborenen Spross einer reichen rheinischen Kaufmannsfamilie nicht in die Wiege gelegt worden. Der gerade volljährige Fabrikantensohn warf seine kaufmännische Ausbildung hin. Dank des Erbes seiner früh verstorbenen Mutter lebte er bis zum 26. Lebensjahr als Bohemien unter Literaten und Künstlern in Paris. Bis ihn seine Begeisterung für die Werke des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun zum Verleger werden ließ.
Wie der "Simplicissimus" durch seine grelle Aufmachung - das große Format mit dem seitenfüllenden Titelbild - Aufsehen erregte, so auch die Bücher des Verlags. Langen ließ die broschierten Bände mit von Künstlern plakativ illustrierten Umschlägen versehen. Damit setzte er in der Buchgestaltung am Ende des 19. Jahrhunderts neue, moderne Maßstäbe.
1903, nach fünf Jahren Exil, wurde Albert Langen in der Majestätsbeleidigungsaffäre begnadigt und konnte nach München zurückkehren. In den wenigen Jahren, die ihm bis zu seinem frühen Tod am 30. April 1909 verblieben, engagierte er sich vorwiegend für die Gründung der liberalen, europäisch orientierten, später von Theodor Heuß geleiteten Kulturzeitschrift "März". In einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Figaro" nannte er seine Ziele:
"Wir bekämpfen den übertriebenen deutschen Chauvinismus, den maßlosen Militarismus, den Spießbürger, (...) die preußischen Konservativen und das protestantische Muckertum. (...) wir plädieren für die Annäherung an Frankreich."
Die sogenannte "Palästina-Ausgabe" des "Simplicissimus" hatte die Reise Kaiser Wilhelms II. nach Jerusalem aufs Korn genommen. Frank Wedekind, der "Hieronymus", hatte in Versen darüber gespottet. Heine hatte auf dem Titelbild Kaiser Wilhelm und Friedrich Barbarossa karikiert. Barbarossa krümmt sich vor Lachen, während der neben ihm stehende Kreuzzügler Gottfried von Boullion sagt:
"Lach nicht so dreckig, Barbarossa. Unsere Kreuzzüge hatten doch eigentlich auch keinen Sinn."
Wedekind musste sieben, Heine sechs Monate in Festungshaft. Nur der verantwortliche Redakteur konnte sich der drohenden zweijährigen Gefängnisstrafe durch Flucht nach Frankreich entziehen: der 28-jährige Albert Langen, der die Zeitschrift zwei Jahre zuvor gegründet hatte. Sie war Herzstück und Aushängeschild seines immer erfolgreicher werdenden Verlags. Langen war es gelungen, in München die dem Jugendstil verpflichtete künstlerische Avantgarde für den "Simplicissimus" zu gewinnen: Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny, Bruno Paul und Olaf Gulbranson prägten das Gesicht der Zeitschrift mit der von der Kette losgerissenen roten Dogge als Markenzeichen. Sogar der königliche Hofschauspieler Alois Wohlmuth notierte:
"Wer damals erfahren wollte, was »die Moderne« leistet, brauchte sich nur für 10 Pfennig den »Simpl« zu kaufen."
Langen gehörte wie Samuel Fischer oder Eugen Diederichs zu jenen "literarischen" Verlegern am Ende des 19. Jahrhunderts, die ihren Beruf mit einem ästhetischen Programm verbanden. Er brachte die modernen skandinavischen und französischen Autoren: Neben Björnstjerne Björnson, seinem Schwiegervater, hatte er die Schwedin Selma Lagerlöf, die Franzosen Anatole France, Guy de Maupassant und zeitweise Emile Zola unter Vertrag. Erster deutscher Autor im Albert-Langen-Verlag war Frank Wedekind, dessen Drama "Der Erdgeist" er 1895 herausbrachte; es kamen so bedeutende Schriftsteller wie Heinrich Mann, Gustav Meyrink und Jakob Wassermann dazu. Auch Hermann Hesse, der über Langen sagte:
"Albert Langen (...) war frisch und beweglich, fast kindlich vergnügt (...) Er betrieb seine Angelegenheiten mit dem launigen Eifer des Sportsmannes, hartnäckig oder lässig, interessiert und spielend (...) jedenfalls aber ehrlich und mit persönlicher Hingabe"
Dass er Verleger werden würde, war dem 1868 in Antwerpen geborenen Spross einer reichen rheinischen Kaufmannsfamilie nicht in die Wiege gelegt worden. Der gerade volljährige Fabrikantensohn warf seine kaufmännische Ausbildung hin. Dank des Erbes seiner früh verstorbenen Mutter lebte er bis zum 26. Lebensjahr als Bohemien unter Literaten und Künstlern in Paris. Bis ihn seine Begeisterung für die Werke des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun zum Verleger werden ließ.
Wie der "Simplicissimus" durch seine grelle Aufmachung - das große Format mit dem seitenfüllenden Titelbild - Aufsehen erregte, so auch die Bücher des Verlags. Langen ließ die broschierten Bände mit von Künstlern plakativ illustrierten Umschlägen versehen. Damit setzte er in der Buchgestaltung am Ende des 19. Jahrhunderts neue, moderne Maßstäbe.
1903, nach fünf Jahren Exil, wurde Albert Langen in der Majestätsbeleidigungsaffäre begnadigt und konnte nach München zurückkehren. In den wenigen Jahren, die ihm bis zu seinem frühen Tod am 30. April 1909 verblieben, engagierte er sich vorwiegend für die Gründung der liberalen, europäisch orientierten, später von Theodor Heuß geleiteten Kulturzeitschrift "März". In einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Figaro" nannte er seine Ziele:
"Wir bekämpfen den übertriebenen deutschen Chauvinismus, den maßlosen Militarismus, den Spießbürger, (...) die preußischen Konservativen und das protestantische Muckertum. (...) wir plädieren für die Annäherung an Frankreich."