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StartseiteCampus & KarriereAkademisches Formulieren will gelernt sein 21.07.2014

SchreibzentrenAkademisches Formulieren will gelernt sein

Schreibzentren unterstützen Studierende und Promovierende bei der Entwicklung ihrer akademischen Kompetenz. Über 200 Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern erörtern zurzeit auf einer Fachkonferenz in Frankfurt (Oder), vor welchen Herausforderungen diese Zentren stehen.

Von Axel Flemming

Zwei Laptops stehen sich gegenüber. Hände tippen darauf. (picture alliance / dpa - Aliisa Piirla)
Die Teilnehmer der Tagung untersuchen, was Schreibende in ihrer Entwicklung fördert, welche Hindernisse sich in Schreibprozessen stellen und welche Besonderheiten das Schreiben in Fremdsprachen prägen. (picture alliance / dpa - Aliisa Piirla)
Weiterführende Information

Wege aus der Schreibblockade (Deutschlandfunk, Campus und Karriere, 07.03.2014) 

Der Hörsaal im Gräfin-Dönhoff-Gebäude füllt sich trotz vorlesungsfreier Zeit. Unter dem Motto: "Let's Peer Across Borders – Writing Centers in Motion" treffen sich die Mitglieder der "European Writing Center Association".

"Die größte Herausforderung für Schreibzentren ist, sichtbar zu werden, von der Universität anerkannt zu werden",

sagt die Leiterin des Schreibzentrums an der Viadrina, Franziska Liebetanz. Sie hat die Konferenz zu Schreibforschung, Schreibdidaktik und Schreibzentrumsarbeit organisiert.

"Es ist natürlich toll, dass es so was gibt und es ist eine wunderschöne Arbeit. Und es ist eine sehr sinnvolle Arbeit und eine sehr wichtige Arbeit, aber es ist natürlich gerade in Deutschland ein sehr junges Fach."

Gemeinsames Lernen befördern

An der Viadrina gibt es neben der individuellen Schreibberatung mit den sogenannten "Lunchtime Lessons" in der Mittagspause auch Kurzworkshops rund ums Schreiben. Zudem erfand sie die inzwischen bundesweit einmal im Jahr stattfindende "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten".

Die Leiterin des Zentrums für Schlüsselkompetenzen an der Viadrina, Katrin Girgensohn:

"Es geht ganz stark darum, ein Lernen untereinander, der Studierenden zu befördern. Also wir arbeiten mit Peer-Tutorinnen und Peer-Tutoren, das sind Studierende, die wir sehr sorgfältig ausbilden, damit sie wissen, wie man das macht. Und die werden dann eingesetzt in Schreibzentren, um mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen zu arbeiten, gemeinsam."

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung untersuchen, was Schreibende in ihrer Entwicklung fördert, welche Hindernisse sich in Schreibprozessen stellen und welche Besonderheiten das Schreiben in Fremdsprachen prägen.

Harvey Kail, Englisch-Professor und Direktor des Schreibzentrums an der University of Maine, gehörte zu den ersten amerikanischen Wissenschaftlern, der sich mit Schreibforschung beschäftigte und mit den ersten systematischen Versuchen, Studierende als Tutoren für ihre Altersgenossen auszubilden. Die Kernkompetenz für ihn: aktives Zuhören!

"Diese Kommunikationsfähigkeit führt nicht allein zu besseren Gesprächen, zu besseren Beziehungen und einem besserem Verständnis unter Freunden, es führt auch zu einem besseren Selbstverständnis. Ein ehemaliger Tutor schrieb: ich habe bemerkt, dass ich einer von denen war, die immer schon an den nächsten Schritt gedacht haben, anstatt zuzuhören, was die anderen gesagt haben."

Mancherorts muss noch eine Ebene tiefer angesetzt werden. So berichtet etwa Mirela al Hasani, die Leiterin des Schreibzentrums an der albanischen Universität Epoka, dass sie gegen das Erbe der Propaganda Studierende erst anleiten muss, sich überhaupt kritisch mit wissenschaftlichen Texten auseinanderzusetzen und sich eigenständig zu Forschungsergebnissen zu positionieren.

"Albanien ist immer noch spät dran, was produktives Lernen der Studierenden angeht, nicht nur bei den Akademikern der alten Generation, die zur Post-Sowjet-Ära gehören, die die kommunistische Indoktrination noch genossen haben, als danach alles unter der ökonomischen Furcht stand, sogar die Freiheit von Rede und Denken beeinflusste diese Indoktrination."

Schreibzentren boomen, allein in Deutschland ist ihre Anzahl und die von Schreibprogrammen an Universitäten von knapp 15 im Jahr 2007 auf über 60 im Jahr 2014 gestiegen.

Aber eins können die Zentren den Studierenden nicht abnehmen: die Arbeiten selbst zu schreiben.

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