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StartseiteCampus & KarriereFerien in der virtuellen Realität08.01.2018

Schülerkurs Virtual RealityFerien in der virtuellen Realität

Nicht jeder kann sich eine Luxushütte in den Alpen leisten. Aber in der virtuellen Realität kann man sich eine bauen. In einem Ferienkurs an der Hochschule Kaiserslautern haben einige Schüler genau das gemacht.

Von Anke Petermann

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Virtual-Reality-Brillenträgerin vor VR-Landschaft (AFP / Jewel Samad)
In einem dretägigen Kurs werden Schüler an computergestütztes Design herangeführt (AFP / Jewel Samad)
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"Will jemand gescannt werden von euch? Du? Dann kommt mit. So, dann übergebe ich dir den Scanner."

Benjamin Allbach, Dozent und Kursinitiator, drückt Sandra Christmann den Scanner in die Hand. Die 18-Jährige umkreist eine jüngere Mitschülerin und beobachtet auf dem Laptop-Bildschirm, ob sie deren gesamten Oberkörper erfasst. Die Schülerinnen und Schüler lernen in drei Tagen, mit Computer-Aided, also computergestütztem Design, kurz CAD, zu arbeiten.

"Es ist interessant und spannend. Das sind ja ganz andere Geräte, die man so im Alltag nicht benutzt, und man lernt was Neues kennen und darf mal selbst Hand anlegen und sieht das nicht nur im Fernsehen und hört nicht nur davon. Man kann das selbst ausprobieren und seine Erfolge durch den 3D-Druck in der Hand halten."

Sandra Christmann steht mit Mathe als Leistungskurs kurz vorm Abitur. Gäbe es das praktische Tüfteln auch an der Schule, hätte sie das für den Unterricht noch mehr motiviert, glaubt sie.

"Man wird geführt, man muss nicht programmieren können"

Um die Lockenmähne ihrer sitzenden Mitschülerin zu scannen, steigt sie auf einen Stuhl. Der promovierte Informatiker Benjamin Allbach erklärt:

"Jetzt hat man das Modell. Es geht tatsächlich nur um das Volumenmodell von dem Körper."

Das Gittermodell auf dem Computerbildschirm besteht aus unzähligen kleinen Dreiecken.

"Jetzt kann man das zuschneiden, editieren und verfestigen, das dauert natürlich, bis der Computer das alles berechnet hat."

Doch bald beginnt ein 3D-Drucker, die Miniaturbüste aus Kunststoff aufzubauen. Schon 13-Jährige kriegen das hin, eine komplizierte Programmiersprache mussten die 15 Teilnehmer zwischen Klasse 8 und 13 nicht lernen.

"Man wird geführt", sagt Allbach. "Bei den CAD-Programmen, die wir benutzen, muss man nicht programmieren können, das ist so eine grafische Oberfläche, das erklären wir vorn am Beamer meistens. Und dann werden die Schüler immer selbständiger. Dann kommen immer mehr Rückfragen. Kann auch durchaus mal sein, dass wir eine Antwort nicht parat haben, dann versuchen wir, das zusammen zu lösen. Beziehungsweise ermutigen die Schüler, sich selbst schlau zu machen. Also, es ist nicht so, dass alles vorgekaut wird. Es ist auch immer so ein bisschen Zeit dabei, wo man sich selbst damit beschäftigen soll."

Schüler durchwandern später, was sie gebaut haben

Anna Maria Berninger und Christina Noglik ertüfteln ausdauernd eine virtuelle Gebirgslandschaft. Der Anreiz: Mit einer Virtual-Reality-, kurz VR-Brille, in die ein Smartphone eingesetzt wird, können die Achtklässlerinnen das am Laptop kreierte Felspanorama später selbst virtuell durchwandern. Steven Appel, Master-Student der Elektro- und Informationstechnik, schaut den beiden über die Schulter.

"Genau, jetzt müsst ihr nur das Haus ein bisschen weiter runter machen, und dann sollte das passen."

Christina Noglik klickt das Haus an.

"Wir haben eigentlich nur ein bisschen drauf losgemacht, aber - ja, wir sind da schon ein bisschen stolz drauf."

Auf ihr virtuelles Ferienhaus in den Bergen.

"Es steht herum und sieht schön aus." - "Es verschönert die Landschaft." - "Das ist ein Fortschritt".

Erst in drei Jahren müssen die beiden Leistungs- und Grundkurse wählen: zu weit weg, um schon zu wissen, ob sie sich dann für etwas Technisches entscheiden. Aber dass Informatik mit zum Angebot ihres Gymnasiums gehört, finden sie gut. Ihre Mathe- und Physiklehrerin hatte die beiden 13-Jährigen motiviert, den Kurs an der Hochschule Kaiserslautern mitzumachen.

"Es macht halt Spaß"

Fazit zu drei Tagen virtueller Realität:

"Es macht halt Spaß." - "Man hat dann einfach mal was anderes ausprobiert und hat seinen Horizont ein wenig erweitert."

Richtung Technik nämlich, für Mädchen immer noch untypisch. Benjamin Allbach, Initiator der Ferienworkshops an der Hochschule Kaiserslautern, legt Wert darauf, die ganze Bandbreite zu zeigen:

"Das fängt bei Elektrotechnik an, wie die Geräte funktionieren. Es gehören aber auch dazu: Bauen und Gestalten, also CAD-Systeme hat man eigentlich generell in jeder Disziplin. Man kann natürlich die Informatik sehr kreativ benutzen."

Damit ködert Allbach die Mädchen. Anna Maria Berninger und Christina Noglik fiebern jedenfalls darauf hin, sich die VR-Brille überzustreifen und die Nacht in ihrer kleinen Luxus-Alpenhütte zu verbringen. Ab in den virtuellen Urlaub.

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