Kommentar zur Schufa
Alte Daten gespeichert, Vertrauen verspielt

Die Schufa hat veraltete Daten von Millionen Menschen archiviert. Das ist beunruhigend und verstörend. Noch schlimmer aber ist die fehlende Transparenz der Schufa. Jeder sollte wissen, was über ihn gespeichert ist. Und dann muss gelöscht werden.

Von Peter Hornung |
Gebäude mit dem Schild Schufa
Keine Auskunft: Mit der Schattendatenbank beweist die Schufa das Gegenteil von Transparenz (imago / Jan Huebner / Sven Severing)
Was nun ans Licht gekommen ist, bestätigt alle Vorurteile, die es über die Schufa gibt. Manche Menschen stehen Deutschlands größter Wirtschaftsauskunft grundsätzlich misstrauisch bis ablehnend gegenüber, halten sie für eine Datenkrake, die im Auftrag von Unternehmen alles sammelt, was über unsere finanziellen Verhältnisse zu erfahren ist, die undurchsichtig ist und im Zweifelsfall uns Verbrauchern schadet.
Die Schufa hat zuletzt versucht, ihr Bild in der Öffentlichkeit aber zu verbessern. Im März hatte sich das Unternehmen feiern lassen für seinen neuen transparenten Score, hatte Offenheit demonstriert und Nahbarkeit. Die Botschaft? Ihr könnt uns vertrauen, wir sind für euch da. Und jetzt alles hin.

Einblicke in die finanzielle Vergangenheit von 68 Millionen Menschen

Wir erfahren, dass die Schufa ein deutlich längeres Gedächtnis hat, als wir bisher dachten. Die Schufa löscht eher nicht, sie archiviert vor allem. Veraltete Daten von 68 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern - alle noch vorhanden, von praktisch jedem erwachsenen Menschen in diesem Land. Längst Vergessenes und oft auch Verdrängtes. Tiefe Einblicke in die finanzielle Vergangenheit eines jeden von uns.
Dass es diese Daten noch gibt und dass damit auch Dinge gemacht werden, Stichwort Datentests, ist wirklich beunruhigend und verstörend. Aber wie die Schufa damit umgeht, ist noch viel schlimmer. Man darf zwar seine Schufa-Daten einmal jährlich kostenlos abrufen, aber in dieser Schufa-Auskunft steht nichts von den alten Daten, die es noch gibt.

Das genaue Gegenteil von Transparenz

Da ist die Botschaft der Schufa jetzt: Was wir an alten Daten über euch gespeichert haben, das sagen wir euch nicht. Das interessiert euch doch ohnehin nicht. Ihr wollt doch nur wissen, was aktuell eure Zahlungsfähigkeit beeinflusst. Und außerdem, wir müssen euch das gar nicht sagen. Das aber ist das genaue Gegenteil von Transparenz. Die jüngsten Wärmeversprechen der Schufa wirken hohl. Und noch mehr - sie klingen so, als wollte die Schufa uns alle verhöhnen. Das aber schadet zuallererst der Schufa.
Was also tun? Klar ist, ein Missbrauch dieser veralteten Daten zum Schaden von Verbrauchern ist keineswegs ausgeschlossen. Schließlich gibt die Schufa Informationen an Firmenkunden weiter. Sie lässt sich zwar zusichern, dass nichts gegen die Betroffenen verwendet wird und auch, dass alles nach den Datentests gelöscht werden muss. Aber wer bitteschön soll noch dieses Vertrauen haben?
Deshalb kann man eigentlich nur sagen: Schufa, gebt uns unsere alten Daten! Wir wollen wissen, was ihr noch gespeichert habt. Und danach löscht alles, was auch gelöscht werden muss.