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StartseiteCampus & KarriereHandyverbot als Mobbingschutz30.01.2015

SchulenHandyverbot als Mobbingschutz

An einer Realschule in Sodingen ist das Handy strikt verboten. Der Unterricht mit modernen Medien findet dort in drei speziell ausgerüsteten Computerräumen statt. Dort sind die Internetleitungen gegen die Nutzung von jugendgefährdenden Seiten und sozialen Netzwerke geschützt. Die Schulleitung will damit auch ein Zeichen gegen Mobbing setzen.

Von Kai Rüsberg

Auf dem Display eines Smartphones sind die App-Logos verschiedener Social Media Plattformen zu sehen  Derweil der Anbieter Facebook seit einiger Zeit Nutzer verliert, werden Dienste wie Snapchat, Tumblr, Twitter und Vine immer beliebter. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Die Realschule Sodingen will den Schülern helfen, wenigstens während der Schulzeit einen geschützten Raum vor sozialem Druck und Mobbing zu haben. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Weiterführende Information

Im Namen des Volkes
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 03.10.2012)

Heimliche Opfer
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 24.04.2006)

Taschengeld-Jobber
(Deutschlandfunk, Forum Pisa, 06.08.2004)

Direkt neben dem Haupteingang der Realschule Sodingen hängt gut sichtbar ein Münzfernsprecher. Ein deutlich sichtbares Zeichen, dass Schulleiter Uwe Scholle beim Thema Handynutzung eine klare Linie hat:

"Wir erwarten von unseren Schülern, dass die ihr Handy ausschalten. So verbergen, dass niemand verleitet wird, eines zu stehlen und es ausgeschaltet bleibt über den Schultag."

Diebstahl und Ablenkung

Doch es geht ihm um mehr als Diebstahl und Ablenkung im Unterricht: Schulleiter Scholle will den Schülern helfen, wenigstens während der Schulzeit einen geschützten Raum vor sozialem Druck und Mobbing zu haben.

"Wir haben Missbrauch erlebt. Wir haben immer Konflikte, die über soziale Netzwerke in die Schule kommen. Früher hat man sich einige böse Wörter gesagt, dann war es schnell vergessen. Wir erleben, dass dies heute geschrieben wird und aus Freundschaften werden Feindschaften und das geschriebene bleibt."

Auslöser für die strikte Haltung an der Herner Realschule war ein Zwischenfall, wo Nackt-Fotos einer Schülerin kursierten und sie damit unter psychischen Druck geriet. Seitdem gibt es hier ein striktes Verbot - mit vielen Vorteilen, meint Schulleiter Scholle.

"Wir erleben Pausen, in denen Kinder spielen und die direkte Kommunikation möglich ist. Das wollen wir fördern."

Nackt-Fotos einer Schülerin

Bei den Schülern gibt es dafür wenig Verständnis. Im Ganztagesbetrieb sind sie in der Schule bis Nachmittags von ihrem Smartphone getrennt. Vier 16-jährige Mädchen stehen in der Pausenhalle zusammen und unterhalten sich. Die ersten beiden Stunden sind ausgefallen. Darunter Schülersprecherin Maria Giankula. Sie hält nicht viel vom Verbot:

"Das ist doof. Im Unterricht verstehe ich das ja, aber jetzt finde ich das übertrieben. / Jetzt hätten Sie Zeit? / Ja, aber wenn ich das jetzt benutze, wird mit das weggenommen. Ich würde meinen Freunden schreiben und Musik hören."

Ihre Mitschülerin Jana Lindemann findet das Verbot auch nicht gut, andererseits kennt sie es gar nicht anders:

"Das Handy dient dazu mit Leuten zu schreiben, die nicht hier sind. Aber ich finde das nicht so schlimm, weil in der Freizeit ist man auch nicht nur am Handy."

Handy gehört zur Lebenswelt

Der Herner Schulausschuss schlägt nun für alle Schulen eine gemeinsame Regelung vor. Die Politiker wollen insbesondere Smartphones aus dem Schulbetrieb ganz heraus halten. Unsinn, meint der Student Manuel Konopczynski von den jungen Liberalen:

"Weil es zur Lebenswelt gehört. Mobbing gab es auch vorher und wird es weiter geben, wenn das Handy verboten ist.

In den Schulen in Herne gibt es bislang ganz unterschiedliche Regelungen. Insbesondere in der gymnasialen Oberstufe dürfen Handys zumeist nach gemeinsam erarbeiteten Hausregelungen genutzt werden, soweit damit nicht der Unterricht beeinträchtigt wird.


Lernforscher, wie Richard Heinen von der Uni Duisburg Essen, sehen es dagegen als Aufgabe von Schule an, Schülern zu erklären, wie Smartphones und Tablets in den täglichen Schulalltag integriert werden können:

"Das sozial Gerechte ist, wenn Schule Verantwortung wahrnimmt und sagt, wir bringen Schülern bei, wie sie damit arbeiten können, denn da gibt es Unterschiede, wo Eltern zu Hause begleiten und andere nicht."

An der Realschule Sodingen bleibt das Handy jedenfalls strikt verboten. Der Unterricht mit modernen Medien findet dort in drei speziell ausgerüsteten Computerräumen statt. Dort sind die Internetleitungen gegen die Nutzung von jugendgefährdenden Seiten und auch soziale Netzwerke geschützt.

 

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