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StartseiteCampus & KarriereFleisch ist das neue Gemüse25.11.2014

SchulessenFleisch ist das neue Gemüse

Fleisch ist oft günstiger als Gemüse. Wenn Großküchen und Caterer für gerade mal zwei Euro eine warme Mahlzeit kochen müssen, verwundert nicht, was Schulkinder öfter zu essen bekommen. Eine Studie, die beim Bundeskongress Schulverpflegung vorgestellt wurde, kritisiert die Qualität von Schulessen.

Von Claudia van Laak

Die siebenjährige Isabelle isst am 15.11.2011 in der Mensa der Regionalen Schule in Zingst ihr Mittagessen. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
Ein Mädchen beim Mittagessen in der Mensa der Regionalen Schule in Zingst. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
Weiterführende Information

Studie zum Schulessen - Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse
(Deutschlandfunk, Aktuell, 25.11.2014)

Schulessen - "Wir brauchen einen Ernährungs-TÜV"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 25.11.2014)

"Eltern fordern immer wieder, jeden Tag Fleisch muss sein"
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 24.09.2013)

"Was ist uns die Gesundheit der Kinder wert?"
(Deutschlandfunk, Interview, 11.10.2012)

Es geht auch gesund
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 09.10.2012)

Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes frites. Das sind die vier Lieblingsgerichte der Schülerinnen und Schüler. Spaghetti bolognese – natürlich auf Platz Eins:

"Spaghetti, Spagehtti bolognese, mit Salat, weil das gesund ist."

Salat, sagen diese Berliner Schülerinnen. Durchaus ungewöhnlich, diese Antwort. Doch sie haben an ihrer Schule an einem Projekt Gesunde Ernährung teilgenommen und für die Teilnehmer des ersten bundesweiten Kongresses Schulverpflegung gekocht, gebacken und Brote geschmiert.

Nudeln, Pizza und Pommes - das muss nicht immer sein, sagt Julia Lessmeister von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau.

"Es gibt viele Alternativen, die man machen kann, heute für den Kongress haben wir Fingerfood vorbereitet. Das ist eine Gemüsequiche, sehr lecker. Oder auch statt herkömmliche Bouletten Dinkeltaler mit Feta gefüllt, Paprika rein. Also, es gibt viele Alternativen."

Viel zu einseitig

Solche Ideen werden dringend gebraucht - ist das Schulessen doch viel zu einseitig. Zuviel Zucker, zu viel Fleisch, zu wenig Obst und Gemüse - das Ergebnis der neuen Studie überrascht nicht. Wenn es ausnahmsweise Gemüse gibt, dann oft stundenlang gekocht. Kein Wunder, dass die Kinder Blumenkohl und Spinat ablehnen, sagt Studienleiterin Ulrike Arens-Azevedo.

"Wenn ich beide Gemüsesorten über vier Stunden transportiere, dann verändert sich die Farbe, es gibt auch einen seltsamen Geruch, wenn ich das dann präsentiere. Und der ein oder andere hat dann danebengeschrieben: Ist einfach nur eklig."

Nicht nur eklig, sondern manchmal sogar gesundheitsschädlich. Deshalb fordert Ernährungsminister Schmidt einen TÜV für die Anbieter von Schulessen. Die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung müssten flächendeckend angewandt und auch kontrolliert werden. Jeden Tag entweder Gemüse, Salat oder Rohkost, zweimal in der Woche Obst und Milchprodukte, einmal Fisch, maximal zweimal in der Woche Fleisch. Christian Schmidt:

"Wir müssen sowohl im Bereich der Ernährung, der Zusammensetzung, aber auch des Transports Standards einhalten. Und da muss ich sagen, dass wir nicht zufrieden sind, was wir im Bereich des Transports von vorbereiteter Nahrung haben."

Die befragten Schülerinnen und Schüler klagten auch darüber, zu wenig Zeit für das Mittagessen zu haben. Dabei ist ihnen diese gemeinsam verbrachte Zeit wichtig - Ulrike Arens-Azevedo.

"Das warme Mittagessen ist nach wie vor für Schülerinnen und Schüler zentral. Und zwar unabhängig vom Alter. Natürlich, je älter sie werden, umso weniger wichtig wird es ihnen. Aber quer durch alle Klassen spielt es eine zentrale Rolle."

Es hapert bei der Umsetzung

Jedes Kind sollte – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern - in der Schule ein warmes Mittagessen bekommen. So hat es die Bundesregierung versprochen und auf Initiative der damaligen Bundesfamilienministern Ursula von der Leyen das Bildungs- und Teilhabepaket beschlossen. Doch bei der Umsetzung hapert es gewaltig – auch das ein Ergebnis der Schulverpflegungsstudie.

"Hier ist es so, dass die Schulleitungen zum Teil gar nicht wissen, wer einen Anspruch hat und dass die Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabepaketes sehr viel niedriger ist, als wir gedacht haben."

Schulverpflegung muss Chefsache werden - sollte also in der Verantwortung des Schulleiters liegen - so der Wunsch des Ernährungsministers. Und: an jeder Schule wird ein Gremium gebraucht, bei dem Lehrer, Eltern, Schüler und Catererer an einem Tisch sitzen. Am besten bei einem leckeren Essen.

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