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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Sehr stark gefährdet"23.10.2017

Schutz für wandernde Arten"Sehr stark gefährdet"

"Wenn ein gefährdetes Tier von Land A über B nach C wandert, ist es ist vielleicht in A geschützt und in B und C wird es gejagt", so der Biologe Ralf Sonntag im Dlf. Schutzregeln für wandernde Tierarten seien daher besonders wichtig. Die internationale Gemeinschaft müsse besser zusammenarbeiten, betonte er mit Blick auf eine in Manila stattfindende Konferenz.

Ralf Sonntag im Gespräch mit Georg Ehring

EIkn Walhai (Rhincodon typus) (imago / Ocean Photo)
Begehrt für Haifischflossensuppe: Die Walhai-Bestände sind drastisch gesunken (imago / Ocean Photo)
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Georg Ehring: Die Natur befindet sich in vielerlei Hinsicht auf dem Rückzug. In der vergangenen Woche wurde das Verschwinden vieler Insektenarten zum Thema. In dieser Woche tagt in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, die Konvention zum Schutz wandernder Tierarten. Dabei geht es unter anderem um große Tiere wie Löwen, Gorillas oder Giraffen, aber auch um manche Fischarten.

Für den Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) verfolgt Dr. Ralf Sonntag die Tagung und ich habe ihn kurz vor der Sendung gefragt, um welche Arten es vor allem geht.

Ralf Sonntag: Es geht um eine ganze Reihe Arten. Wir haben uns sehr stark für den größeren Schutz beispielsweise von Haien, aber auch von Löwen, Giraffen und so weiter eingesetzt. Auch Schimpansen spielen eine wichtige Rolle. Die Konvention überhaupt ist sehr, sehr wichtig, um den Schutz voranzubringen.

Haie - gejagt für die Suppe

Ehring: Sie kümmern sich unter anderem um Haie. Warum sind die Ihnen so wichtig und was bedroht die?

Sonntag: Haie sind inzwischen sehr, sehr stark gefährdet. Sie werden massiv überfischt. Es geht darum, Haifischflossen zu bekommen, um die Haifischflossen-Suppe anzubieten in Asien, und das hat dazu geführt, dass viele Haiarten um bis zu 80, 90 Prozent in ihren Beständen zusammengebrochen sind, was sich natürlich auch sehr, sehr negativ auf das Ökosystem insgesamt auswirkt.

Ehring: Wie steht es um die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, die jetzt stärker unter Schutz stellen? Was wollen Sie da konkret erreichen?

Sonntag: Es gibt hier natürlich sehr viel Diskussionen darum. Wir hoffen aber, dass hier die Anträge durchgehen. Es geht zum einen um einige Tiere, da geht es vor allem darum, dass international besser zusammengearbeitet wird, dass tatsächlich ein richtiges Management gemacht wird und Tiere nicht nur einfach ziellos gefangen werden, jeder wie er will. Es gibt aber auch einige Arten, die müssen jetzt ganz massiv unter Schutz gestellt werden. Die dürfen überhaupt nicht mehr gejagt werden, wie beispielsweise den Walhai oder auch den Engelshai, und dafür gibt es hier auch Anträge.

Tiere müssen "überall gleich gut geschützt werden"

Ehring: Warum brauchen denn wandernde Arten den besonderen Schutz der internationalen Gemeinschaft? Arten, die nicht wandern, bekommen den ja nicht.

Sonntag: Wandernde Arten brauchen eigentlich genauso viel Schutz wie nicht wandernde Arten. Es ist aber so, nicht wandernde Arten können den Schutz national bekommen. Da können nationale Gesetze gegeben werden, während bei wandernden Arten, die über Ländergrenzen hinwegziehen, da ist es natürlich viel schwieriger und viel komplexer. Dazu braucht man eben diese Konvention. Wenn beispielsweise ein gefährdetes Tier von Land A über B nach C wandert, es ist vielleicht in A geschützt und in B und C wird es gejagt, dann hat das Tier natürlich ein Problem. Es muss überall gleich gut geschützt werden und da braucht man die internationale Zusammenarbeit, und dazu ist die Bonner Konvention für wandernde Arten da.

Ehring: Auf welche Weise schützt sie diese Arten dann?

Sonntag: Zum einen: Die Arten werden in unterschiedliche Anhänge eingegliedert. Wenn Tiere auf Anhang zwei landen, dann geht es tatsächlich darum, dass hier eine internationale Zusammenarbeit gefördert wird durch die Bonner Konvention, aber auch tatsächlich gefordert wird. Die Länder müssen und sollen zusammenarbeiten, um hier mehr Schutz zu erreichen. Wenn Tiere auf den Anhang eins gestellt werden für hoch gefährdete Arten, dann darf überhaupt keine Jagd oder Nutzung dieser Tiere mehr vorgenommen werden, und das ist ein internationales Agreement. Das ist eine UN-Konvention und da sollten sich dann alle 124 Staaten dran halten, die im Moment Mitglied sind.

"Konventionen besser durchsetzen"

Ehring: Das heißt, verpflichtende Mittel sind nicht vorgesehen?

Sonntag: Es wird bei dieser Konvention auch darüber diskutiert werden, wie man das besser durchsetzen kann, und da sind wir auch sehr gespannt. Da gibt es unterschiedliche Meinungen und wir hoffen natürlich, dass die stärkste Version durchkommt, dass hier tatsächlich auch eventuell mal Sanktionen oder so ausgerufen werden können. Es ist natürlich ganz unterschiedlich: In manchen Ländern wird das sehr gut durchgesetzt, in anderen Ländern kümmert sich kaum jemand darum.

Ehring: Wie verhält sich denn Deutschland beim Schutz wandernder Tierarten?

Sonntag: Man muss sagen, dass Deutschland hier eher zu den Guten gehört. Deutschland hat schon im Vorfeld sich stark dafür eingesetzt innerhalb der EU, dass die Anträge befürwortet werden, und fördert auch hier finanziell diese Konvention sehr gut und sehr stark, und das halte ich für eine gute Sache. Hier muss man ein Lob aussprechen.

Ehring: Wenn Sie zum Ende der Woche Manila wieder verlassen, haben Sie die Erwartung, dass sich dann für den Schutz wandernder Tierarten wirklich was getan hat?

Sonntag: Ich glaube schon. Ich hoffe, dass die Anträge durchgehen. Dann hat man eine Basis, auf der man weitermachen kann. Für einige Arten, die auf Anhang eins kommen, da hat man auf jeden Fall bessere Schutzregeln. Bei den anderen muss man dann pushen, dass in der internationalen Zusammenarbeit hier tatsächlich auch was passiert. Da sind wir dran und das werden wir natürlich auch weiter verfolgen.

Ehring: Soweit Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds. Das Interview haben wir kurz vor der Sendung aufgezeichnet. Ein paar Störungen gab es in der Leitung nach Manila. Wir bitten das zu entschuldigen.

//Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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