Donnerstag, 11. August 2022

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Schwarzwild
Wildschweine im Maisfeld

Der Wald hat ausgedient: Das moderne Wildschwein bevorzugt die Stadt. Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben untersucht, in welchen Lebensräumen sich Wildschweine am liebsten aufhalten. Danach werden vom Menschen geprägte Kulturlandschaften und Städte beim Schwarzwild immer beliebter.

Von Jochen Steiner | 29.10.2014

    "Wilde Tiere sind ja eigentlich immer eher im Fokus im Sinne von, dass sie gerade am aussterben sind, dass sie bedroht sind. Und hier haben wir es mit einer Tierart zu tun, die sich eigentlich darüber freut, dass der Mensch so lebt wie er jetzt lebt."
    Der Mensch baut im großen Stil Getreide und Mais an, pflegt Wiesen und produziert jede Menge verwertbare Abfälle - alles ganz nach dem Geschmack des Wildschweins. Dem Schwarzwild geht es gut in unserer Kulturlandschaft. Immer häufiger hält es sich nicht mehr nur in seinem ursprünglichen Lebensraum auf, dem Wald, sondern auch auf Feldern und Grünflächen.
    Biologen verfolgen Wildschwein-Wanderungen mit Peilsendern
    Coralie Herbst von der Tierärztliche Hochschule Hannover wollte wissen, wie sich Wildschweine in der heutigen stark fragmentierten Landschaft verhalten. Dazu hat sie die Wanderungen einer Schwarzwild-Population im nördlichen Niedersachsen untersucht:
    "Wir haben die Tiere gefangen, besendert und ich bin dann hinterher gegangen und habe mir angeschaut, wo sie sich denn überall aufgehalten haben."
    Über einen Zeitraum von drei Jahren gingen den Biologen in drei Landkreisen 30 Tiere in die Falle. Diese Wildschweine wurden mit einem Sender am Ohr ausgestattet. Coralie Herbst und ihr Team konnten dann mit Hilfe einer großen Peilantenne die Wildschweine orten:
    "Das haben wir dann eigentlich einmal täglich mindestens gemacht, um zumindest den Tageseinstand dieser Tiere bestimmen zu können, und dann auch nachts, um eigentlich dann, wenn sie wirklich aktiv werden und auch wirklich Strecken zurücklegen, dass wir dann das auch verfolgen können."
    Wald im Winter, Maisfelder im Sommer
    Das Ergebnis: Im Winter hielten sich die Wildschweine vor allem im Wald auf, tagsüber und auch nachts. Im Sommer aber war das anders, so Coralie Herbst. Dann waren vor allem Maisfelder ihr Lebensraum.
    "Sobald die Felder eine Höhe hatten, dass die Wildschweine Deckung hatten, das war eigentlich so der Zeitpunkt, wenn die den Wald auch verlassen haben und dann zum Teil auch wirklich nicht mehr zurückgekehrt sind, also den kompletten Sommer haben sie in den Feldern verbracht."
    Dass sich Wildschweine gerne in Maisfeldern aufhalten, ist bekannt. Aber dass sie über Monate fast nur dort leben, hat die Forscher überrascht. Maisfelder gelten aber nicht nur als ideale Rückzugsräume, in denen Wildschweine vor einer Bejagung sicher sind, sondern sind auch eine beliebte Nahrungsquelle. Der Schaden hielt sich dabei im Untersuchungsgebiet in Grenzen.
    Ungebetene Gäste sind kaum abzuhalten
    Doch so mancher Bauer wollte trotzdem die ungebetenen Gäste von seinen Feldern fernhalten und stellte Elektrozäune auf. Nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, sagt Herbst:
    "Wir haben auch schon den Fall gehabt, dass die Sauen das teilweise ignorieren, das heißt, die rennen einfach unter dem Zaun durch, kriegen zwar einen Schlag, schreien einmal auf, sind dann aber trotzdem im Feld drin. Gehen dann allerdings nicht mehr raus, weil sie ja wissen, dass es weh tut. Also dann hat man sogar den gegenteiligen Effekt."
    Und die Jäger müssen dann oftmals bis zur Mais-Ernte im Herbst warten, bis sie dem Schwarzwild beikommen können. Die Wildschweine haben sich also schnell an eine sich verändernde Kulturlandschaft angepasst und kommen gut mit ihr klar.