Eine modisch breite Brille, im braunen Haar blitzen helle Strähnen. Außenministerin Michelle Calmy-Rey kommt gerne unkonventionell und frech daher. Und so ist auch der Stempel, den sie der Schweizer Außenpolitik aufdrückt. Während des Libanon-Krieges kritisierte sie Israel so unmissverständlich, dass den konservativen Amtskollegen im Bundesrat die Luft wegblieb. Und nicht nur denen. Vorwürfe, Calmy-Rey setze leichtfertig die Schweizer Neutralität aufs Spiel, hört man auch auf den Straßen von Zürich.
"Ich denke, die Außenministerin hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt."
"Es ist völlig deplatziert. Ich glaube, von ihren anderen Amtskollegen ist sie zurückgepfiffen worden. Sie überschätzt ihre eigene, oder sagen wir das Weltinteresse daran, was die Schweiz zu sagen hat. Wir sollten uns lieber auf die Neutralität konzentrieren, wie sie ursprünglich gedacht worden ist."
Dafür muss man mindestens ein Jahrhundert zurückgehen. Im Haager Abkommen von 1907 sind Rechte und Pflichten neutraler Staaten festgeschrieben. Sie dürfen Krieg führenden Staaten keine Truppen, Waffen oder Operationsbasen zur Verfügung stellen, ihnen weder den Durchmarsch noch den Überflug gestatten und keine militärischen Nachrichten übermitteln. Was sie sagen dürfen und was nicht, ist nicht festgelegt. Und genau daran entzündet sich die aktuelle Debatte. "Wer schweigt, wenn unschuldige Zivilisten das Ziel unterschiedsloser Militäraktionen werden, ist nicht neutral", rechtfertigt die Außenministerin ihre Stellungnahme zum Libanon-Krieg. Der Versicherungsangestellte Matthias Äppli hat dafür Verständnis.
"Der Balanceakt wird immer schwieriger, wirklich neutral zu bleiben, wenn man sieht, was in der ganzen Welt passiert."
Die Fernsehbilder aus dem zerstörten Beirut lassen kaum jemanden kalt. Dabei heißt es gerade in dieser Situation, einen kühlen Kopf zu behalten, entgegnet Ulrich Schlüer, Nationalrat der konservativen Schweizer Volkspartei.
"Der Neutrale hat die Möglichkeit, zu sagen, wir richten unsere Hilfe ganz allein nach vorhandener Not aus. Und daraus sind dann auch Möglichkeiten entstanden, Vermittlungsdienste zu übernehmen. Das ist auch ein Streit, den wir jetzt haben. Wenn eine brüske Parteinahme gegen Israel ausgesprochen wird von unserer Außenministerin, dann ist klar, dann genießt die Schweiz das Vertrauen der Israeli nicht, um allenfalls in schwieriger Mission etwas zu unternehmen. Und das sind immer äußerst delikate Missionen."
Die Schweiz als Vermittler, die Schweiz als Helfer in der Not. Der Zürcher Studentin Julia Kern reicht diese kurze Formel als Richtschnur für die Schweizer Außenpolitik völlig.
"Im Zeitalter von Kriegen und politischer Unvernunft, die heute passiert, und Terrorismus ist es eine gute Sache, neutral zu sein und da Hilfe zu leisten, wo Hilfe gebraucht wird und sich aus den anderen Dingen herauszuhalten. Speziell die Schweiz, sie ist so klein. Mit den wenigen Einwohnern, die wir haben, das brächte nicht viel, wenn wir da jetzt auch noch politisieren würden, wie alle anderen es tun."
Aber nicht alle sind sich da so sicher. Vielleicht ist Neutralität, wie die Schweiz sie bisher praktiziert hat, heute nicht mehr zeitgemäß? Stefan Weilland, 38 Jahre alt, von Beruf Maschinenbauingenieur.
"Ich weiß auch nicht. Einerseits finde ich es gut, die Neutralität. Andererseits ist es auch nicht gut. Viele Chancen sind weg. Längerfristig werden wir wohl mitmachen müssen."
Die Angst, irgendwann im Abseits zu stehen, wenn man jede Parteinahme vermeidet, steckt tief in der Schweizer Seele, kann Nationalrat Ulrich Schlüer aber nicht von seiner engen Interpretation des Neutralitätsbegriffs abbringen.
"Die Aussagen hat es zu jedem Zeitpunkt gegeben. Es gab beim Ersten Weltkrieg Leute, die sagten, jetzt müssen wir Partei nehmen! Die Deutschschweizer für die Deutschen und die Welschschweizer für die Franzosen. Es hätte die Schweiz auseinander gerissen. Das wäre die einzige Folge gewesen, ohne das irgendjemand etwas Positives davon gehabt hätte."
Gemeinsam mit Parteifreunden versucht Schlüer jetzt, eine Volksinitiative auf den Weg zu bringen, die die Neutralität als Ziel der Außenpolitik in der Verfassung verankern will. Der vorlauten Außenministerin soll gewissermaßen ein Maulkorb angelegt werden. Keine Chancen gibt diesem Unternehmen der Inlandsredakteur der "Neuen Zürcher Zeitung", Christoph Wehrli.
"Es ist auch ein Festklammern an einer Situation, die eigentlich nicht mehr besteht. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat die Neutralität nur noch eine sehr beschränkte Bedeutung. Ich denke, das ist eine Position, die ein bestimmtes nostalgisches Potenzial Wähler mäßig ausschöpfen möchte."
"Ich denke, die Außenministerin hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt."
"Es ist völlig deplatziert. Ich glaube, von ihren anderen Amtskollegen ist sie zurückgepfiffen worden. Sie überschätzt ihre eigene, oder sagen wir das Weltinteresse daran, was die Schweiz zu sagen hat. Wir sollten uns lieber auf die Neutralität konzentrieren, wie sie ursprünglich gedacht worden ist."
Dafür muss man mindestens ein Jahrhundert zurückgehen. Im Haager Abkommen von 1907 sind Rechte und Pflichten neutraler Staaten festgeschrieben. Sie dürfen Krieg führenden Staaten keine Truppen, Waffen oder Operationsbasen zur Verfügung stellen, ihnen weder den Durchmarsch noch den Überflug gestatten und keine militärischen Nachrichten übermitteln. Was sie sagen dürfen und was nicht, ist nicht festgelegt. Und genau daran entzündet sich die aktuelle Debatte. "Wer schweigt, wenn unschuldige Zivilisten das Ziel unterschiedsloser Militäraktionen werden, ist nicht neutral", rechtfertigt die Außenministerin ihre Stellungnahme zum Libanon-Krieg. Der Versicherungsangestellte Matthias Äppli hat dafür Verständnis.
"Der Balanceakt wird immer schwieriger, wirklich neutral zu bleiben, wenn man sieht, was in der ganzen Welt passiert."
Die Fernsehbilder aus dem zerstörten Beirut lassen kaum jemanden kalt. Dabei heißt es gerade in dieser Situation, einen kühlen Kopf zu behalten, entgegnet Ulrich Schlüer, Nationalrat der konservativen Schweizer Volkspartei.
"Der Neutrale hat die Möglichkeit, zu sagen, wir richten unsere Hilfe ganz allein nach vorhandener Not aus. Und daraus sind dann auch Möglichkeiten entstanden, Vermittlungsdienste zu übernehmen. Das ist auch ein Streit, den wir jetzt haben. Wenn eine brüske Parteinahme gegen Israel ausgesprochen wird von unserer Außenministerin, dann ist klar, dann genießt die Schweiz das Vertrauen der Israeli nicht, um allenfalls in schwieriger Mission etwas zu unternehmen. Und das sind immer äußerst delikate Missionen."
Die Schweiz als Vermittler, die Schweiz als Helfer in der Not. Der Zürcher Studentin Julia Kern reicht diese kurze Formel als Richtschnur für die Schweizer Außenpolitik völlig.
"Im Zeitalter von Kriegen und politischer Unvernunft, die heute passiert, und Terrorismus ist es eine gute Sache, neutral zu sein und da Hilfe zu leisten, wo Hilfe gebraucht wird und sich aus den anderen Dingen herauszuhalten. Speziell die Schweiz, sie ist so klein. Mit den wenigen Einwohnern, die wir haben, das brächte nicht viel, wenn wir da jetzt auch noch politisieren würden, wie alle anderen es tun."
Aber nicht alle sind sich da so sicher. Vielleicht ist Neutralität, wie die Schweiz sie bisher praktiziert hat, heute nicht mehr zeitgemäß? Stefan Weilland, 38 Jahre alt, von Beruf Maschinenbauingenieur.
"Ich weiß auch nicht. Einerseits finde ich es gut, die Neutralität. Andererseits ist es auch nicht gut. Viele Chancen sind weg. Längerfristig werden wir wohl mitmachen müssen."
Die Angst, irgendwann im Abseits zu stehen, wenn man jede Parteinahme vermeidet, steckt tief in der Schweizer Seele, kann Nationalrat Ulrich Schlüer aber nicht von seiner engen Interpretation des Neutralitätsbegriffs abbringen.
"Die Aussagen hat es zu jedem Zeitpunkt gegeben. Es gab beim Ersten Weltkrieg Leute, die sagten, jetzt müssen wir Partei nehmen! Die Deutschschweizer für die Deutschen und die Welschschweizer für die Franzosen. Es hätte die Schweiz auseinander gerissen. Das wäre die einzige Folge gewesen, ohne das irgendjemand etwas Positives davon gehabt hätte."
Gemeinsam mit Parteifreunden versucht Schlüer jetzt, eine Volksinitiative auf den Weg zu bringen, die die Neutralität als Ziel der Außenpolitik in der Verfassung verankern will. Der vorlauten Außenministerin soll gewissermaßen ein Maulkorb angelegt werden. Keine Chancen gibt diesem Unternehmen der Inlandsredakteur der "Neuen Zürcher Zeitung", Christoph Wehrli.
"Es ist auch ein Festklammern an einer Situation, die eigentlich nicht mehr besteht. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat die Neutralität nur noch eine sehr beschränkte Bedeutung. Ich denke, das ist eine Position, die ein bestimmtes nostalgisches Potenzial Wähler mäßig ausschöpfen möchte."