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StartseiteEuropa heuteSchweizer Banken starten Imagekampagne30.03.2012

Schweizer Banken starten Imagekampagne

Ein Versuch in Sachen Transparenz

Nummernkonten, Schwarzgeld, Steuerhinterziehung - nicht erst seit der Finanzkrise haben Schweizer Banken ein Imageproblem. Um das zu ändern, hat sich der Schweizerische Bankierverband "swissbanking” zu seinem 100-jährigen Bestehen eine Werbekampagne einfallen lassen.

Von Kirstin Hausen

Das Logo der Schweizer Großbank UBS an einer Filliale in Aarau, Schweiz (AP)
Das Logo der Schweizer Großbank UBS an einer Filliale in Aarau, Schweiz (AP)

"Also es wird live auf die Hompage von wissbanking publiziert und Sie erhalte Link, wo Sie können an Lütt schicke..."

Für alle, die kein Schweizerdeutsch verstehen, erklärt Sindy Schmiegel aus der Kommunikationsabteilung der Schweizerischen Bankiervereinigung, wo die aufgenommene Videobotschaft später zu sehen sein wird:

"Die wird im Internet veröffentlicht. Auf www.merci-danke-grazie.ch. jeder bekommt einen persönlichen Code. Mit diesem Code kann man die Videobotschaft abrufen und so seinen Lieben mitteilen, wo seine eigene Botschaft zu finden ist.”"

Die kann an Mutter, Vater oder den hilfsbereiten Nachbarn gerichtet sein. An die Arbeitskollegen oder die Freunde vom Sportverein. Natürlich darf man auch seiner Bank danken, betont Sindy Schmiegel, nur: Das macht niemand. Das Ansehen der Banken hat auch bei den Schweizern stark gelitten.

""Mit dem Schwarzgeld und so, ich weiß nicht. Das ist nicht gut.”"
""Wir können nicht mehr so weiter machen, wir müssen bisschen 'ne andere Schwingung reinbringen, denk ich."

Die andere Schwingung heißt "Weißgeld-Strategie". Unter diesem Oberbegriff hat der Bundesrat, die Schweizer Regierung, eine Reihe von gesetzlichen Maßnahmen vorgeschlagen, die verhindern sollen, dass Steuersünder ihr hinterzogenes Geld in der Schweiz verstecken können. An erster Stelle steht eine "Selbstdeklarationspflicht". Der vermögende Kunde aus dem Ausland muss eine Erklärung abgeben, dass er seine Geldanlage in der Schweiz im Heimatland versteuert hat.

Die Parteien links der Mitte verlangen mehr. Sie wollen einen offiziellen Steuernachweis aus dem Herkunftsland. Doch damit stehen sie allein. Die Banken würden sich am liebsten mit einer anonymen Abgeltungssteuer aus der Affäre ziehen. Ein entsprechendes Abkommen mit Deutschland könnte allerdings am Widerstand der von SPD und Grünen regierten Bundesländer im Bundesrat scheitern. Grund ist die Benachteiligung von Vermögenden, die das Geld, das sie in der Schweiz anlegen wollen, versteuert haben.

Die Schweiz bietet Nachbesserungen an, und braucht bis Ende dieser Woche grünes Licht aus Berlin. Sonst wird das Abkommen nicht wie geplant 2013 in Kraft treten, und der Steuerstreit geht weiter.

"Es ist jetzt ne gewisse Umbruchsphase. Der Bankenplatz ist in Veränderung","

formuliert es Sindy Schmiegel von swissbanking diplomatisch. Aber könnten die Banken in der Schweiz auch ohne Steuerflucht-Geld gute Geschäfte machen?

""Was man nicht vergessen darf: Die Schweiz ist ein sehr sehr stabiles Land, und heute suchen Investoren Sicherheit, und die werden sie in der Schweiz finden."

Das klingt weniger nach kreativ-akrobatischen Finanzlösungen als nach konservativer Kontoführung und ist Teil der Imagekampagne, die swissbanking betreibt. In einem historischen Jubiläumsband wird die vitale Funktion der Banken für unternehmerische Leistungen herausgestrichen, ein historisches Beispiel dafür sei der Bau des Gotthardtunnels und die dafür nötigen Bankkredite.

Von der neuen Weißgeld-Strategie sind die Bankiers aber nicht begeistert. Der frühere UBS-Chef Oswald Grübel sagte, es sei gefährlich, von einer Weißgeld-Strategie zu sprechen, weil das ja impliziere, dass es vorher hauptsächlich um Schwarzgeld ging. Und dennoch, die Weißgeld –Strategie wird teilweise bereits umgesetzt.

Erfahren musste das ein überaus prominenter Italiener, der Berlusconi-Freund und Fernsehchef Emilio Fede. Er war mit zweieinhalb Millionen Euro in bar in einer Bank in Lugano aufgetaucht. Der Bankangestellte hatte das Geld nicht nur zurückgewiesen, sondern auch noch gleich der italienischen Finanzpolizei Bescheid gesagt. Dem Image der Schweizer Banken dürfte damit wohl mehr geholfen sein als mit dem Dankomat.

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