
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) will die Regierung mit ihrem Vorschlag zwingen, gegen die angebliche "Massenimmigration" vorzugehen. Das Land mit seinen derzeit 9,1 Millionen Einwohnern werde bedroht von Wohnungsnot, hohen Mieten und steigender Kriminalität. Außerdem sei das Gesundheitswesen überlastet und das Bildungsniveau sinke. Deshalb müsse die Einwanderung "auf ein vernünftiges Maß" beschränkt werden, fordern die Initiatoren der Volksabstimmung.
Sollte die Wohnbevölkerung bis 2050 die 9,5-Millionen-Marke überschreiten, müsse die Regierung einschreiten und weniger Geflüchtete aufnehmen sowie den Familiennachzug begrenzen. Ab einer Bevölkerungszahl von zehn Millionen solle die Schweiz ihr Abkommen mit der EU zur Personenfreizügigkeit kündigen. Laut offiziellen Prognosen werden in der Schweiz im Jahr 2050 nach derzeitigem Stand rund 10,5 Millionen Menschen leben.
Kritik von anderen Parteien
Abgelehnt wird die Initiative von den Grünen, den Zentrumsparteien, den Sozialdemokraten und der liberalen Freisinnigen Partei. Sie bezeichneten das Vorhaben im Vorfeld der Abstimmung am Sonntag als "ausländerfeindlich", "oberflächlich" und "kontraproduktiv". Nach Ansicht der Kritiker könnte ein Erfolg der Initiative dazu führen, dass die Schweiz zu wenige Arbeitskräfte haben und den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren könnte.
Knappes Ergebnis erwartet
Der Ausgang der Abstimmung am Sonntag ist nach Ansicht von Beobachtern offen. Die SVP-Wählerschaft kann vermutlich rund 30 Prozent der Stimmen generieren. Entscheidend sei, ob es genügend Unterstützung aus anderen Gruppen gebe, um mehr als die erforderlichen 50 Prozent zu bekommen, sagte der Politikwissenschaftler Fabio Wasserfallen von der Universität Bern im Deutschlandfunk. Seiner Ansicht nach geht es bei der Abstimmung nicht grundsätzlich gegen Migration und Vielfalt. Aber offenbar hätten viele Schweizerinnen und Schweizer das Gefühl, vom wachsenden Wohlstand nicht profitieren zu können und gäben die Schuld den Einwanderern.
Bei einer Zustimmung rechnet Wasserfallen mit einer jahrelangen Phase der Unsicherheit für die Schweiz, weil unter anderem alle Verträge mit der EU neu verhandelt werden müssten.
Diese Nachricht wurde am 10.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
