Freitagsgebet in der großen Moschee von Tetuán im Norden Madrids: Gläubige strömen in den großen Gebetsraum. Der syrische Arzt Riay Tatary ist Imam der Moschee und Vorsitzender der Union der Islamischen Gemeinschaften Spaniens. Schon vor den Anschlägen vom 11. März 2004 wurde den Moscheen zu große Toleranz gegenüber Radikalen vorgeworfen. Heute sagt der Imam:
"Im Freitagsgebet nimmt die Selbstkritik einen breiten Raum ein. Dabei appellieren wir an die Gläubigen: Wir müssen unsere Mitverantwortung für das, was in unserer Gesellschaft geschieht, anerkennen. Wir sind auch für die Sicherheit verantwortlich - wie alle anderen Bürger dieses Landes. Die Spanier wissen das. Das hat nicht nur Übergriffe gegen Muslime vermieden, sondern wir bewegen uns wieder aufeinander zu."
Auch die kleine Moschee im Madrider Stadtteil Vallecas gehört zu Tartarys Dachverband und wurde kurz nach den Anschlägen 2004 eröffnet. Die Tür steht nach dem Freitagsgebet offen, einige Spanier blicken neugierig ins Innere. Dort sitzen einige Gläubige auf dem Boden. Achmed, der mit seiner Metzgerei im Viertel nicht nur bei Muslimen Erfolg hat, erinnert sich:
"Wir hatten mit der Moschee überhaupt keine Probleme. Wir haben uns als religiöse Gemeinschaft beim Justizministerium registrieren lassen. Dann musste die Stadtverwaltung den Gebetsraum genehmigen. Das hat sechs Wochen gedauert, es ging wirklich schnell."
Der fröhliche, etwas untersetzte Metzger strahlt puren Optimismus aus. Er fühlt sich mit seiner Gemeinde im Viertel integriert. Misstrauen gibt es für ihn nicht, höchstens mangelnde Kenntnis über den Islam. Nachdenklich und skeptisch wirkt hingegen Kunsthistoriker Abdelkader aus Ägypten. Er wirft den Medien vor:
"Sie machen aus einem Sandkorn einen ganzen Berg. Da verübt eine kleine Gruppe von Terroristen einen Anschlag, und schon sprechen sie von islamischem Terrorismus. Hier in Spanien verübt die ETA seit Jahrzehnten Anschläge. Dennoch werden nicht alle Basken zu Terroristen vorverurteilt. Warum wird der Islam nicht genauso behandelt? Der Islam hat damit nichts zu tun."
Dennoch beriefen sich auch die mutmaßlichen Attentäter vom 11. März 2004 in ihrem Bekennervideo auf den Islam. Warum viele von ihnen nicht etwa in ihren Heimatländern, sondern in Spanien zu religiösen Fanatikern wurden, darauf weiß auch in der Stadtteilmoschee niemand eine Antwort. "Wer so etwas macht, ist kein Muslim", sagt Metzger Achmed trotzig. Viele Muslime in Madrid bezweifeln die Mitwirkung von allen 28 Angeklagten im Madrider Prozess. Er meint:
"Nach den Anschlägen kamen viele Polizisten in meinen Laden, auch Leute vom Geheimdienst. Ich denke, das ist normal. Ob nun alle Angeklagten wirklich schuldig sind, kann ich nicht beurteilen. Ich verurteile niemanden und spreche auch niemanden frei. Aber wer so etwas gemacht hat, soll auch dafür bezahlen."
Kunsthistoriker Abdelkader ist Experte in der Kultur des Al Andalus. 800 Jahre lang gab es in Spanien muslimische Königreiche, eine kulturelle Blütezeit, die in der arabischen Welt eine besondere Faszination auslöst - und Fanatismus. Im Bekennervideo sprechen die vermummten Attentäter von der Rückeroberung von Al Andalus. Die Muslime aus Madrid sagen dazu:
Abdelkader: "Statt vom 'verlorenen Paradies' spreche ich lieber vom 'anerkannten Paradies'. Das arabische Erbe in Spanien ist überall präsent, nicht nur in der Architektur jener Zeit, sondern auch noch heute im Neomudejar-Stil, in der Sprache. Niemand leugnet diese Blütezeit. Von einer Rückeroberung von Al Andalus zu sprechen, macht also gar keinen Sinn. Al Andalus ist Teil der Geschichte. Aber es ist nicht verloren."
Achmed: "Römer oder Griechen wollen ihre alten Imperien auch nicht zurückzuerobern. Das 21. Jahrhundert ist das Zeitalter für Verständnis und Dialog, nicht für Kriege. Nicht alle haben das begriffen. Wir leben im Jahr 2007, aber einige befinden sich noch im 14. oder 15. Jahrhundert."
"Im Freitagsgebet nimmt die Selbstkritik einen breiten Raum ein. Dabei appellieren wir an die Gläubigen: Wir müssen unsere Mitverantwortung für das, was in unserer Gesellschaft geschieht, anerkennen. Wir sind auch für die Sicherheit verantwortlich - wie alle anderen Bürger dieses Landes. Die Spanier wissen das. Das hat nicht nur Übergriffe gegen Muslime vermieden, sondern wir bewegen uns wieder aufeinander zu."
Auch die kleine Moschee im Madrider Stadtteil Vallecas gehört zu Tartarys Dachverband und wurde kurz nach den Anschlägen 2004 eröffnet. Die Tür steht nach dem Freitagsgebet offen, einige Spanier blicken neugierig ins Innere. Dort sitzen einige Gläubige auf dem Boden. Achmed, der mit seiner Metzgerei im Viertel nicht nur bei Muslimen Erfolg hat, erinnert sich:
"Wir hatten mit der Moschee überhaupt keine Probleme. Wir haben uns als religiöse Gemeinschaft beim Justizministerium registrieren lassen. Dann musste die Stadtverwaltung den Gebetsraum genehmigen. Das hat sechs Wochen gedauert, es ging wirklich schnell."
Der fröhliche, etwas untersetzte Metzger strahlt puren Optimismus aus. Er fühlt sich mit seiner Gemeinde im Viertel integriert. Misstrauen gibt es für ihn nicht, höchstens mangelnde Kenntnis über den Islam. Nachdenklich und skeptisch wirkt hingegen Kunsthistoriker Abdelkader aus Ägypten. Er wirft den Medien vor:
"Sie machen aus einem Sandkorn einen ganzen Berg. Da verübt eine kleine Gruppe von Terroristen einen Anschlag, und schon sprechen sie von islamischem Terrorismus. Hier in Spanien verübt die ETA seit Jahrzehnten Anschläge. Dennoch werden nicht alle Basken zu Terroristen vorverurteilt. Warum wird der Islam nicht genauso behandelt? Der Islam hat damit nichts zu tun."
Dennoch beriefen sich auch die mutmaßlichen Attentäter vom 11. März 2004 in ihrem Bekennervideo auf den Islam. Warum viele von ihnen nicht etwa in ihren Heimatländern, sondern in Spanien zu religiösen Fanatikern wurden, darauf weiß auch in der Stadtteilmoschee niemand eine Antwort. "Wer so etwas macht, ist kein Muslim", sagt Metzger Achmed trotzig. Viele Muslime in Madrid bezweifeln die Mitwirkung von allen 28 Angeklagten im Madrider Prozess. Er meint:
"Nach den Anschlägen kamen viele Polizisten in meinen Laden, auch Leute vom Geheimdienst. Ich denke, das ist normal. Ob nun alle Angeklagten wirklich schuldig sind, kann ich nicht beurteilen. Ich verurteile niemanden und spreche auch niemanden frei. Aber wer so etwas gemacht hat, soll auch dafür bezahlen."
Kunsthistoriker Abdelkader ist Experte in der Kultur des Al Andalus. 800 Jahre lang gab es in Spanien muslimische Königreiche, eine kulturelle Blütezeit, die in der arabischen Welt eine besondere Faszination auslöst - und Fanatismus. Im Bekennervideo sprechen die vermummten Attentäter von der Rückeroberung von Al Andalus. Die Muslime aus Madrid sagen dazu:
Abdelkader: "Statt vom 'verlorenen Paradies' spreche ich lieber vom 'anerkannten Paradies'. Das arabische Erbe in Spanien ist überall präsent, nicht nur in der Architektur jener Zeit, sondern auch noch heute im Neomudejar-Stil, in der Sprache. Niemand leugnet diese Blütezeit. Von einer Rückeroberung von Al Andalus zu sprechen, macht also gar keinen Sinn. Al Andalus ist Teil der Geschichte. Aber es ist nicht verloren."
Achmed: "Römer oder Griechen wollen ihre alten Imperien auch nicht zurückzuerobern. Das 21. Jahrhundert ist das Zeitalter für Verständnis und Dialog, nicht für Kriege. Nicht alle haben das begriffen. Wir leben im Jahr 2007, aber einige befinden sich noch im 14. oder 15. Jahrhundert."