Seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Donnerstag, 04.06.2020
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteSport am WochenendeVereinsschwimmer dürfen wieder ins Becken23.05.2020

Schwimmsport in HessenVereinsschwimmer dürfen wieder ins Becken

Strenge Abstands- und Hygieneregeln, geschlossene Umkleidekabinen: Nach den Kaderschwimmern dürfen in Hessen ab dem 1. Juni auch die Vereinsschwimmer wieder ins Becken. Die Freizeitschwimmer folgen später. Derweil trainieren die Leistungsschwimmer "ins Blaue hinein".

Von Ludger Fittkau

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Männer schwimmen in einem Schwimmbecken die Stilrichtung Delfin (imago / Panthermedia)
Vereinsschwimmer in Hessen können den Trainingsbetrieb ab dem 1. Juni aufnehmen (imago / Panthermedia)
Mehr zum Thema

Schwimmverband-Vize Brinkmann "DSV erschöpft sich im Leistungssport"

Deutscher Schwimmverband Leidenschaft und Teamwork

John von Düffel über das Soziotop Freibad Von Meditierern, Wettkämpfern und Planschern

Die Umwälzpumpen am Freibad-Becken im Leistungszentrum des Darmstädter Schwimm- und Wassersportclub 1912 (DSW) arbeiten auf Hochtouren. Bisher durften hier in der Coronakrise nur Kaderathletinnen und Athleten aus den Bereichen Schwimmen und Triathlon trainieren. Davon hatte der Verein in den vergangenen Jahren allerdings einige aufzubieten:

"Das ist Marco Koch, der es neben einigen Europameistertiteln auch zum Weltmeister gebracht hat, über zehn Jahre das Brustschwimmen in Deutschland jetzt schon dominiert auf der 200-Meter-Strecke. Wir haben den Patrick Lange, der zweimal den Ironman auf Hawaii gewonnen hat, vorher einmal dort Dritter war. Das startet für den DSW weiterhin. Wir haben die Reva Foos, die mit der Staffel Europameisterin geworden ist, mit der 4x200- Freistilstaffel und auch mit einer Mixed-Staffel dort erfolgreich war."

Corona: Boxen fällt aus. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Wie Sportvereine Corona überstehen
Der Spielbetrieb ist unterbrochen, die Sportanlagen gesperrt, das Vereinsleben eingeschränkt. Das Coronavirus hat große Auswirkungen auf den Sport in Deutschland.

Trainiert wird "ins Blaue hinein"

Der Vereinsvorsitzende Thomas Kipp könnte noch weitere Spitzensportlerinnen und Sportler aufzählen. Die Absage der Olympischen Spiele oder die Verschiebung diverser anderer Meisterschaften im Schwimmen und im Triathlon sei für diese besondere Gruppe seines Vereins sehr hart gewesen. Insbesondere bei den Triathleten auch die lange Unklarheit darüber, was mit dem "Ironman" –Wettbewerb auf Hawaii wird:

"Jetzt wieder anfangen zu können, mit welchem Ziel, ist für die Spitzenathleten schwer. Es ist aber auch für jeden anderen schwer, jetzt nach zehn Wochen ohne Wasser wieder ein Wassergefühl zu entwickeln und überhaupt eine Grundfitness wieder zu erlangen, dass das Schwimmen auch Spaß macht, weil so ganz von alleine kommt das erst mal nicht. Was es an internationalen Wettkämpfen Höhepunkt geben wird, das wissen wir im Moment überhaupt nicht. Da wird im Moment ins Blaue hinein trainiert. Hawaii ist die neueste Entwicklung dieser Woche. Was ich gehört habe, dass es verschoben wird von diesem Herbst auf nächsten Februar. Und so wird es bei anderen Veranstaltungen auch gehen. Das führt auch hier bei uns im Verein zu neuen Situationen ab nächstes Jahr."

Thomas und Anja Kipp vor dem Becken (Deutschlandradio/ Ludger Fittkau)Thomas und Anja Kipp vor dem Becken (Deutschlandradio/ Ludger Fittkau)

Vereinsschwimmer dürfen ab Juni wieder ins Becken

Thomas Kipp ist selbst ein leidenschaftlicher Schwimmer. Doch genauso wie seine Frau Anja durfte er in den vergangenen zwei Monaten nicht ins Becken – wie die meisten der 1.800 Vereinsmitglieder auch nicht. Das wird sich nun ab 1. Juni wieder ändern. Anja Kipp ist erleichtert:

"Ich vermisse das Schwimmen wie alle meine weiteren Schwimmfreunde auch. Auch ganz besonders im Hinblick auf die Heil- und Gesundheitswirkung des Schwimmens. Wir sind da auch von heute auf morgen in eine Situation gebracht worden, die für uns zur Verzweiflung und Unerträglichkeit geführt hat. Was das Gesundheitsmäßige des Wassers, das unersetzlich ist, angeht. Und darum sind wir heilfroh, wenn es wieder losgehen kann."

Corona-Pläne werden für den Schwimmbetrieb erstellt

Der Darmstädter Schwimmverein hatte in den letzten Tagen einen intensiven Mailwechsel mit der hessischen Staatskanzlei sowie Gespräche mit der Stadt Darmstadt geführt, um zu erreichen, dass das zentrale Trainings-Becken wieder für die vielen Schwimmgruppen freigegeben wird. Das Ergebnis: Ab dem 1. Juni geht das Vereinsschwimmen wieder los, die Freizeitschwimmerinnen und Schwimmer folgen später. Gerade werden die Pläne erstellt, wie der Betrieb unter Beachtung der Corona-Abstands- und Hygieneregeln durchgeführt werden kann.

"Jeder einzelne Trainer muss letztendlich darauf achten, dass sich im Schwimmbetrieb die Schwimmer nicht zu nahe kommen. Da gibt es ja sehr maximale Forderungen, dass eben der Abstand von zwei Metern beim Sporttreiben eingehalten wird und beim Schwimmen. Die Empfehlung, dass zwischen den Schwimmern noch mal drei Meter einzuhalten sind. Das sind doch in der Summe fünf Meter, wenn man die Körperlänge dazu nimmt. Daraus ergibt sich eine gewisse Kapazität, die wir hier haben. Die werden wir nicht voll ausnutzen", sagt Thomas Kipp.

Umkleidekabinen bleiben geschlossen

Die Abstands- und Hygieneregeln gelten auch am Beckenrand. Damit von den Umkleidekabinen keine Infektionsgefahr ausgehen kann, bleiben sie kurzerhand geschlossen, so der Vereinsvorsitzende Thomas Kipp:

"Unsere vereinseigenen Kabinen hier in unserem Vereinsheim, das wird nicht gehen. Das ist aber auch nicht schlimm. Man kann sich hier überall am Beckenrand umziehen. Wir werden entsprechende Zonen dafür vorsehen. Wir haben auch im Sommer immer einige Zelte hier als Wetterschutz aufgestellt. Das werden wir auch dieses Jahr wieder machen, an etwas anderen Standorten. Und so behelfen wir uns da schon. Man muss auch sagen, für die Öffentlichkeit gab es hier sowieso nie Umkleiden im Sommer-Betrieb, sodass auch da alle es gewohnt sind, sich ja auch mit einem großen Handtuch umzuziehen."

Auch Freizeitschwimmer dürfen bald wieder ins Becken

Weil sich gerade im Sommer im Darmstädter Schwimm-Leistungszentrum alles rund um das gut gechlorte Freibadbecken dreht, sieht Anja Kipp mit Blick auch auf den Breitensport keine allzu große Ansteckungsgefahr mit COVID-19. Freizeitsportlerinnen und -sportler sollen nun im Laufe des Juni ebenfalls wieder ins Becken dürfen:

"Und wir hoffen ja, dass uns so eine Situation so schnell nicht wieder ereilt, weil eben wir auch der Meinung sind, Schwimmen an sich ist mit die hygienischste Sportart. Die Berührung ist relativ unwahrscheinlich und auch durch die Atemtechnik beim Sportschwimmen. Es geht uns wirklich vornehmlich um Sportschwimmen. Ja, denke ich, es ist relativ unwahrscheinlich, sich dort mit Virus zu infizieren."

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk