Anthropologie
Seit wann die Menschen Kriege führen: Re-Analyse deutet auf Sesshaftigkeit als Ursache hin

Ist es im Menschen innerlich veranlagt, Kriege zu führen - oder kamen Kriege erst mit der Sesshaftigkeit auf? Diese zwei Thesen werden in der Forschung diskutiert. Eine mathematische Re-Analyse einer alten Studie deutet nun auf die Sesshaftigkeit als Ursache hin.

    Der Schädel eines etwa 35- bis 40-jährigen Mannes mit einem Pfeil im Gesicht aus der Zeit um 3499 v. Chr. ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale zu sehen.
    Der Schädel eines etwa 35- bis 40-jährigen Mannes mit einem Pfeil im Gesicht aus der Zeit um 3500 vor Christus. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
    Die archäologische Studie ist bereits älter. Sie hatte gezeigt, dass Menschen in der Mittelsteinzeit plötzlich öfter an schweren Verletzungen gestorben sind. Vor 12.000 bis 7.000 Jahren wurden die Jagenden und Sammelnden langsam sesshaft und damit offenbar feindlicher.
    Dieses Ergebnis bestätigt jetzt eine mathematische Re-Analyse der Universität Koblenz. Sie hat auch statistisch einen Anstieg zum Beispiel an tödlichen Verletzungen durch Klingen und Pfeile in dieser Zeit nachgewiesen. Das passt zur These, dass kriegerische Auseinandersetzungen mit der Sesshaftigkeit aufgekommen sind.
    Die Forscher gehen davon aus, dass Jäger und Sammler Gewalt gegeneinander vermieden haben, weil es kaum Eigentum oder Landbesitz gab. Konflikten seien sie ausgewichen, indem sie in andere Gebiete weitergezogen seien statt im Kampf den Tod zu riskieren. Damals habe es auch keine Untertanen gegeben, die Herrschende in einen Krieg zwingen konnten. Das änderte sich laut Studie erst mit der Sesshaftigkeit, der Landwirtschaft und dem, was wir Zivilisation nennen.
    Diese Nachricht wurde am 16.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.