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StartseiteWissenschaft im BrennpunktSeltsame Karten16.12.2012

Seltsame Karten

Ein Atlas kartographischer Kuriositäten

Frank Jacobs liebt Karten, schon seit seiner Kindheit. Die Karten in den Schulatlanten fand er allerdings langweilig. Fast hätte er seiner großen Leidenschaft abgeschworen, aber glücklicherweise entdeckte er eine sehr viel interessantere Karten: Die von Mittelerde, und darauf stand tatsächlich der Name der kleinen, belgischen Stadt, in der er geboren worden war.

Rezension: Dagmar Röhrlich

Frank Jacobs: Seltsame Karten. Ein Atlas kartographischer Kuriositäten (Liebeskind Verlag)
Frank Jacobs: Seltsame Karten. Ein Atlas kartographischer Kuriositäten (Liebeskind Verlag)

"Es war nicht Bree, sondern ein phantastischer Platz mit demselben Namen", erzählt Frank Jacobs. Seine Neugier war geweckt: Er sammelte Propaganda-Karten, kartographische Irrtümer, Karten der Zuneigung, seltsame Flusskarten… und er entschloss sich, seine Leidenschaft mit anderen zu teilen: Sein Blog "strange maps" war sofort ein Erfolg, und warum, das weiß man, wenn man dieses wunderbare Buch "Seltsame Karten - Ein Atlas der kartographischen Kuriositäten" in die Hand nimmt.

Mit ihrer Hilfe erzählt Frank Jacobs Geschichte und Geschichten: von einem Amerika im Jahr 1833, das noch keine Westküste hatte, weil sie noch nicht entdeckt war oder von dem Plan, im Sezessionskrieg die Südstaaten durch eine Wirtschaftsblockade niederzuringen - auf der Karte dargestellt als Würgeschlange. Eine andere Propagandakarte stammt aus dem Ersten Weltkrieg und illustriert "Frankreichs Ende": Der Feind ist verschwunden, zwischen Deutschland und Italien aufgeteilt.

Die Karten machen den Wissensstand ihrer Epoche deutlich, zeigen, was ihre Macher für wichtig hielten, wie sie dachten, was sie erreichen wollten. Das macht ihren besonderen Wert aus: Sie vermitteln den Zeitgeist auf unterhaltsame Art. Europas polyglotte Gebete werden kartographisch dargestellt, ebenso ein tropischen Schottland, in dem alles daneben ging. Der Blick geht aber nicht nur zurück, manche Karten sind aktuell. Etwa die der französischsprachigen belgischen Tageszeitung "Le Soir": Die Redakteure legten darin die "natürliche" Lösung des Sprachenstreits nahe: "Bald müssen wir nicht mehr über den Separatismus reden" steht da - und man rät zu warten, bis der Klimawandels den Meeresspiegel steigen ließe und den größten Teil Flanderns überflute. Die Wallonie siegt.
"Dies ist vermutlich der unmöglichste, unvollständigste und fehlerhafteste Atlas, den Sie jemals in Händen halten werden", warnt Autor Frank Jacobs in seinem Vorwort. Damit hat er wohl recht. Aber es ist auch das unterhaltsamste Kartenwerk, das man sich vorstellen kann - ein ideales Weihnachtsgeschenk: Sehr schön gemacht, kurios, spannend - und ein wunderbarer Ausgangspunkt für viele Gespräche...

Frank Jacobs: Seltsame Karten. Ein Atlas kartographischer Kuriositäten
ISBN: 978-3-935-89098-4
Liebeskind Verlag, 125 Seiten, 29,80 Euro

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