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StartseiteCorsoRock'n Roll für alte Knochen 20.10.2014

Senioren-DiskoRock'n Roll für alte Knochen

Schmerzen im Knie, im Rücken oder den Schultern sind vergessen: Etwa 80 Menschen tanzen - manche zu zweit, andere auch allein. Zum fünften Mal fand in Bremen die Disko für Menschen über 50 statt. Entstanden ist das Projekt im Rahmen eines Seminars für Sportwissenschaftsstudierende an der Uni Bremen.

Von Franziska Rattei

Eine Discokugel, aufgenommen am 04.12.2012 in München (Bayern) (dpa picture alliance / Tobias Hase)
Die Sportwissenschaftsdozentin Monika Thiele und eine Handvoll Studenten haben das Projekt erarbeitet. (dpa picture alliance / Tobias Hase)

Früher Sonntagabend im "Alten Fundamt" in Bremen. Es sitzen erst ein paar vereinzelte Besucher an den umherstehenden Tischen. Die Band "Never too late" bereitet sich auf ihren späteren Auftritt vor. Herwig Lueken, Gitarrist, Sänger und selber Rentner, ahnt, was da heute wieder auf ihn zukommen wird. Es ist die zweite Ü50-Disko, bei der er und seine Bandkollegen spielen:

"Ich meine, ich habe ja auch früher Musik gemacht. Aber das, was ich hier erlebt habe, das habe ich noch nicht erlebt, muss ich ganz ehrlich sagen. Also so viel Power, so viel Lust, so viel Spaß, der dabei gewesen ist - das war unglaublich. Unglaublich. Und ich spiele seit 20 oder 30 Jahren, ne."

Olaf Dinné grinst. Der Bremer ist fast 80 Jahre alt und war einer der ersten, die beim Tanz-Projekt mitgemacht haben:

"Letztes Mal, als die Band gespielt hat hier, da war ja so ne Stimmung, da standen die über 80-jährigen Damen plötzlich hinten auf den Stühlen und warfen die Arme hoch, keine Sau wusste, wie die da eigentlich raufgekommen waren. Also, in diesem Sinne, ne."

Dinné spielt regelmäßig Fußball am Werdersee. Bei der Gelegenheit hat er Monika Thiele getroffen, Dozentin am Institut für Sportwissenschaften an der Uni Bremen. Die beiden kamen ins Gespräch, und schon war die Idee für die Senioren-Disko geboren.

Seniorensport und Seniorentanz jenseits der Naturwissenschaft

Monika Thiele: "Meine Idee war, dass man Seniorensport und Seniorentanz jenseits der Naturwissenschaft denkt, sozusagen eher aus einer sozialwissenschaftlichen Position, dass man guckt: Wen hat man vor sich, was haben die Menschen erlebt und da ich nun auch eine Frau über 50 bin, nämlich 60, bin und nicht wüsste, wo ich zum Tanzen hingehen könnte, habe ich gedacht: Mensch, eine Disko wärs doch. Und dann haben wir uns da lang gehangelt an der Idee."

"Wir" heißt: die Dozentin plus eine Handvoll Studierende. Die sollten sich mit der Geschichte von vor 40 oder 50 Jahren beschäftigen und dann ein Konzept erarbeiten: PR, Organisation, Musik. Die erste Disko im Juni floppte gründlich - sieben Leute waren da. Aber selbst das war schon ein Erfolg, sagt Student Dominik Lübbe. Die Leute hatten einfach Lust zu tanzen:

"Da war das erste Lied und gleich Stimmung. Mal gucken, wie es heute ist."

"Genauso wie geplant. Um kurz vor sieben läuft der erste Song vom Band, und beim dritten ist die Tanzfläche voll."

"Ich such ein bisschen die Lieder aus - was gerade passt. Und dann war's das. Ich brauch jetzt hier keinen Einheizer spielen, kein nichts. Funktioniert ohne irgendwas. Einfach nur die Musik."

Elvis geht immer

Elvis geht immer, genauso wie die Stones oder die Beatles. Rund 80 Menschen tanzen, manche gekonnt zu zweit - die Erinnerung an Petticoat und spitze Schuhe ist ganz nah. Manche hüpfen hemmungslos alleine herum. Schmerzende Knie, Rücken, Schultern sind vergessen. Monika Thiele, die Sportwissenschaftsdozentin, steht an der Bar. Sie beobachtet die Menge und wippt mit:

"Die Stimmung ist schon gut, die wird aber noch besser. In dem Moment, wo die Band auftritt - da werden sie staunen. Wenn 70-Jährige auf Tische kriechen, um zu tanzen - das hatten wir alles schon. Sie werden es sehen. Es geht jetzt langsam hoch."

Sehen? Staunen? Dazu habe ich keine Lust mehr seit Viertel nach sieben. Ich tanze lieber mit. Ist mir doch egal, dass ich noch nicht Ü50 bin.

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