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StartseiteEine WeltTrudeau kämpft gegen einen "Wexit"28.12.2019

Separatisten in West-KanadaTrudeau kämpft gegen einen "Wexit"

Kanadas Premier Justin Trudeau will nach seiner knappen Wiederwahl den Klimawandel aktiver bekämpfen. Separatisten im Westen des Landes, wo die Arbeitslosigkeit steigt, sehen diesen Fokus auf Ökologie kritisch - und fordern einen "Wexit".

Von Antje Passenheim

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Kanadische Flagge im Gegenlicht (picture alliance / Panimages)
Kanadische Flagge im Gegenlicht (picture alliance / Panimages)
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Das Ahornblatt steht Kopf. Auf einer verkehrt aufgehängten Flagge in einer Turnahalle in Calgary. In der größten Stadt der kanadischen Provinz Alberta haben sich Hunderte Menschen versammelt. Europa beschäftigt der Brexit. Sie wollen den Wexit – die Abspaltung West-Kanadas, erklärt ihr Anführer Peter Downing:

"Wir machen Alberta wieder groß. Und deshalb müssen wir uns lösen - von der Leine, die Ost-Kanada heißt."

Lösen von der Zentralregierung in Ottawa, die gerade ihre neue Mannschaft aufgestellt hat.

"Von Küste zu Küste zu Küste haben die Kanadier einer Spaltung und dem Negativen eine Absage erteilt" - Premierminister Justin Trudeau weiß, dass das nicht stimmt - als er im Oktober nach seiner knappen Wiederwahl triumphiert.

Mit hauchdünnem Vorsprung bekommt seine Liberale Partei das "Go Ahead" für eine zweite Amtszeit. Allerdings mit einer Minderheitsregierung.

Ich habe Euch verstanden, meine Freunde, sagt Trudeau. Ihr sendet unser liberales Team zurück an die Arbeit in Ottawa.

Stellt der Premier Ökologie über Arbeitsplätze?

Die Wähler hätten für eine fortschrittliche Agenda gestimmt und für den Kampf gegen den Klimawandel.

Doch genau das ist es, was den Wählern im Herzen der kanadischen Erdölindustrie zu eng gefasst scheint. Keinen einzigen Sitz holen die Liberalen in den westlichen Provinzen Alberta und Saskatchewan. Stunden nach der Wahl ging von dort aus ein Hashtag durchs Netz: Wexit. Immer mehr Menschen schließen sich der Separatistenbewegung an.

"Sollen wir uns zu Bettlern machen lassen? Sollen wir um Jobs betteln?"

Nein, schallt es lautstark in Richtung Ottawa. Durch den klimafreundlichen Kurs dort sehen die Bürger im Westen Zehntausende Arbeitsplätze bedroht. In Alberta etwa hat sich dort in der zweiten Jahreshälfte die Arbeitslosenrate verdoppelt. Einer von fünf jungen Männern hat keinen Job mehr. Tendenz steigend.

Trudeau werfen sie vor, dass er die CO2-Steuer durchgesetzt hat. Und zu langsam ist beim Bau neuer Ölpipelines. Dabei gehören die Zusagen für das Klima zu den wenigen, die Trudeau eingehalten hat, sagen seine Kritiker. Allen voran sein konservativer Herausforderer bei der Wahl - Andrew Scheer:

"Die Kanadier haben über ihn geurteilt. Über seine vier Jahre von Skandalen und Missmanagement. Während wir überall zugelegt haben, haben Trudeau und seine liberale Partei verloren. Die Kanadier haben ihn gewarnt."

"Trudeau hat es mit steigendem Nationalismus zu tun"

Und sie haben die Regionalpartei Bloc Québécois zur die drittstärksten Kraft im Parlament gemacht. Die Partei kämpft für die Anliegen des französischsprachigen Kanadas. Der politische CBC-Kommentator Rob Russo betont:

"Da droht zwar keine Abspaltung - aber Trudeau hat es schon mit einem steigenden Nationalismus zu tun."

Der Premier hat bereits reagiert. In seiner neuen Regierungsmannschaft wird ein Drittel der Ministerposten aus der französischsprachigen Provinz Quebec besetzt.

Seine ehemalige Außenministerin Chrystia Freeland bekam einen Schlüsselposten: Als Vize-Premier soll die Ministerin, die einst das Handelsabkommen mit der EU ausgehandelt hat, sich um die Verständigung zwischen der Zentralregierung und den einzelnen Regionalregierungen kümmern.

Die Abwendung des Wexit wird dabei eine Hauptaufgabe sein.

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