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StartseiteCampus & KarriereAStA Frankfurt macht mobil17.01.2018

Sexismus an der UniAStA Frankfurt macht mobil

Ein aktueller Fall an der Goethe-Uni Frankfurt am Main dokumentiert: Nicht nur in der Filmbranche, sondern auch an Hochschulen nutzen Männer ihre Machtposition aus. Mehrere Hunderte Studierende wollen deshalb demonstrieren. Sie kritisieren Fehler bei der Beratung von Sexismus-Opfern durch Dozenten.

Von Ludger Fittkau

Studenten gehen auf dem Campus Westend der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main (Hessen) durch die glasumfasste Rotunde, die auch als Café dient. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Vor Kurzem war bekannt geworden, dass an der Uni Frankfurt/ Main zwei Studentinnen von einem Dozenten sexuell belästigt wurden - nun folgen Demonstrationen (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Clara Mißbach organisiert für den AStA der Frankfurter Goethe-Uni die heutige Demo auf dem Campus. Anlass ist ein konkreter Fall sexueller Belästigung zweier Studentinnen durch einen Dozenten, den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unlängst öffentlich gemacht hatte:

"Die Demo findet statt, weil es einen Vorfall an der Uni gab, wo zwei Studierende sich an die "FAZ" gewendet haben und über einen Fall von sexueller Belästigung berichtet haben, wo sie sich im Gleichstellungsbüro der Goethe-Uni nicht richtig aufgefangen gefühlt haben und das eben an die Zeitung getragen haben. Und das hat große Wellen geschlagen."

Demonstriert werden soll deswegen heute vor allem für eine bessere Beratung und Hilfe bei sexuellen Übergriffen auf dem Uni-Campus, so Clara Mißbach vom Asta: "Uns ist es vor allem wichtig, dass die Beratungsstelle unabhängig ist das es dort zu keiner Überschneidung mit anderen Institutionen der Uni gibt. Und außerdem fordern wir mehr Stellen für Ressourcen und Beratung."

Schwierige Rolle der Gleichstellungsbeauftragten

Anja Wolde, die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Uni Frankfurt am Main räumt ein, dass sie bei Fällen sexueller Übergriffe von Dozenten auf Studierende nicht völlig unabhängig agieren kann: "Ich verstehe mich durchaus als parteilich in der Funktion der Gleichstellungsbeauftragten in der Beratung, habe allerdings die Besonderheit, die andere Beratungsstellen nicht unbedingt haben, dass ich ja gleichzeitig angehalten bin, auch die Institutionen dazu zu bewegen, tätig zu werden. Das heißt, ich muss mich auch gleichzeitig immer in die Perspektive der anderen institutionellen Akteure mit hinein versetzen. Das kann manchmal bei den Betroffenen so ankommen, als würde ich diese parteiliche Haltung nicht immer haben, weil ich natürlich auch überlegen muss, wie spreche ich jetzt mit dem Täter."

Der Täter hat im aktuellen Fall inzwischen seinen Lehrauftrag verloren. Doch die Gleichstellungsbeauftragte Anja Wolde gibt zu, dass die Sanktionen von Uni-Seite für die Betroffenen erst spät sichtbar wurden: "Es war in der Tat so, dass es da am Anfang eine kleine zeitliche Verzögerung gegeben hat, weil ich selber gerade nicht so zur Verfügung gestanden habe, wie ich das eigentlich gedacht habe."

Die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Uni in Frankfurt am Main hätte ihre Sicht des Falles gerne heute während der Demo in einem Redebeitrag dargestellt. Doch das lässt der AStA nicht zu. Studierendenvertreterin Clara Mißbach:

"Nein. Uns ist es wichtig, dass wir unsere Position auf die Straße beziehungsweise auf den Campus bringen und unsere Forderungen gehört werden. Wir wollen uns da auf keine Aussage gegen Aussage einlassen, sondern dass sich da endlich an der Uni etwas ändert an den Strukturen."

Studierenden finden das Thema wichtig

Die Studierenden auf dem Campus der Goethe-Uni finden es gut, dass sich der AStA dieses Themas heute auch mit einem Demo-Aufruf annimmt:

"Absolut. Definitiv. Dafür ist er da. Frauen sind 50 Prozent und dementsprechend müssen Frauen auch eine Rolle spielen in der ganzen AStA-Politik, in der Hochschulpolitik. Und eben auch das Machtgefälle gilt es da zu hinterfragen und zu kritisieren."

"Wenn so was vorfällt, dann muss das auf jeden Fall auch öffentlich diskutiert werden, das muss besprochen werden, aber dennoch glaube ich, dass das ein Ausnahmefall ist. Das ist jetzt nicht der Regelfall, aber trotzdem muss man darüber informieren und sich damit auseinandersetzen. Und vielleicht auch, um darüber aufzuklären, wie man mit so einer Situation umgeht. Denn gerade an der Uni, wenn so etwas passiert, hat man ja schon auch so das Gefälle zwischen einem Dozenten, der einen bewertet und Studentin, die von der Bewertung natürlich auch abhängt."

"Ich denke schon, jetzt vor allem im Zuge der 'Me too'-Debatte jetzt, wie hieß der Schauspieler noch mal, Kevin Spacey oder der Regisseur, Weinstein, klar – man unterhält sich schon darüber und vor allem als Frau beschäftigt man sich schon damit."

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