
Von den rund 5.600 befragten Personen an 44 medizinischen Fakultäten in Deutschland haben 42 Prozent angegeben, dass sie mindestens einmal im Laufe ihres Studiums betroffen waren, sagte die Studienautorin Sabine Drossard im Deutschlandfunk. 15 Prozent der Teilnehmer hätten zudem angegeben, dass sie sich nicht sicher seien - also möglicherweise Probleme mit der Einordnung eines möglichen Vorfalls hatten. Besonders hoch sei die Gefahr im praktischen Jahr (PJ). Dabei hätten 66 Prozent der Studenten angegeben, sexuelle Belästigung erfahren zu haben, so Drossard.
Belästigung sehr häufig durch Patienten
Frauen waren deutlich häufiger betroffen. Im praktischen Jahr waren es 74 Prozent, bei Männern aber auch 29 Prozent. An der Studie hätten auch deutlich mehr Frauen teilgenommen, sagte Drossard.
Die sexuelle Belästigung gehe dabei fast immer von Patienten aus, fast 94 Prozent der Opfer bezögen sich darauf, sagte die Studienautorin. Danach folgten Fach- und Oberärzte mit 64 Prozent sowie Mitstudierende mit 69 Prozent.
Gefragt wurde nur generell, ob die Studierenden eine solche Erfahrung gemacht haben - nicht konkret, welche. Grundsätzlich seien anzügliche Kommentare von Patienten "ein Dauerbrenner", zum Beispiel bei der körperlichen Untersuchung.
"Nicht jeder Fall strafrechtlich relevant, aber so gut wie immer herabwürdigend"
Nicht jeder Fall sei strafrechtlich relevant, aber so gut wie jeder durchaus herabwürdigend, sagte Drossard. Wichtig für die angehenden Ärzte seien daher niederschwellige Beratungsangebote und die Möglichkeit, eine vertrauliche Meldung an unabhängiger Stelle zu hinterlegen.
Mit dem Studium ende das Problem derweil keineswegs, fügte Drossard hinzu. Eine Mitgliederbefragung des Ärzteverbandes Marburger Bund habe dazu ebenfalls ein hohes Ausmaß von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung gezeigt.
Diese Nachricht wurde am 13.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
