Mittwoch, 06. Juli 2022

Sexueller Missbrauch
Haftstrafe für Handballtrainer

Jahrelang missbrauchte ein Handballtrainer aus Fellbach mehrere Kinder und Jugendliche. Das Landgericht Stuttgart hat den Mann nun wegen sexuellen Missbrauchs zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Betroffenen - acht Jungen - waren zur Tatzeit zwischen 13 und 18 Jahren alt.

Von Andrea Schültke | 19.05.2022

Der der ehemalige Handballtrainer musste sich vor dem Landgericht Stuttgart verantworten
Das Stuttgarter Landgericht hat den ehemaligen Handballtrainer aus Fellbach zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt (Deutschlandradio / Andrea Schültke)
Als das Urteil fällt, sind einige der Betroffenen und ihre Familien im Saal. Die Erleichterung ist ihnen anzumerken. Auch Nebenklageanwalt Jens Rabe. Vor allem darüber: "Dass es zu einem glasklaren Schuldspruch gekommen ist. Das heißt, das Gericht jetzt das, was passiert ist, juristisch gewürdigt und abgeurteilt hat."
Jens Rabe hat sechs der acht betroffenen Handballer vertreten. Nun könnten sie beginnen, das Geschehene zu verarbeiten, erklärten einige der jungen Männer anschließend. Und: Dass sie mit dem Verfahren auch ein Signal senden wollen. An andere Betroffene, dass man so ein Prozess durchstehen und den Angeklagten ins Gefängnis bringen kann.
Jens Rabe, Anwalt der Nebenklage
Jens Rabe, Anwalt der Nebenklage (Deutschlandradio / Andrea Schültke)

Öffentlicher Druck wird größer

Und an den organisierten Sport, sagt Anwalt Jens Rabe: „Das Thema sexueller Missbrauch im Vereinskontext kommt jetzt auf die Agenda in Sportvereinen. Und es kommt eben deswegen auf die Agenda, weil der öffentliche Druck größer wird, eben durch die Berichterstattung. Und das entspricht genau dem Wunsch meiner Mandanten."

Sexueller Missbrauch im Sport

Mit dem Verlauf des Prozesses insgesamt zeigt sich Rabe zufrieden. Die Polizei habe sorgfältig ermittelt und sei sehr gegenüber den Betroffenen sehr sensibel gewesen, das Verfahren sachlich geführt worden. Das Strafmaß sei für ihn weniger bedeutend als der klare Schuldspruch.
Den hat auch Christian Bauer im Saal verfolgt. Er ist Vorstandsmitglied des SV Fellbach: "Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, dass dieser Mensch, der als guter Trainer anerkannt war, zu solchen Dingen fähig ist. Und da sieht man mal, man kann in die Menschen nicht reingucken. Und ich bin immer noch fassungslos, weil ich mir das hätte nie vorstellen können."
Christian Bauer, Vorstandsmitglied des SV Fellbach
Christian Bauer, Vorstandsmitglied des SV Fellbach (Deutschlandradio / Andrea Schültke)

Kein Wort der Empathie

Wie viele Täter ist auch der Handballtrainer strategisch vorgegangen. Hat im Verein den Kümmerer gegeben, alleinerziehende Mütter unterstützt, war beliebt. Gleichzeitig hat er die Jungen psychisch unter Druck gesetzt, das Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt, etwa sie nicht aufzustellen, wenn sie seine sexuellen Wünsche nicht erfüllen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Urteilen in Missbrauchsprozessen im Sport hat sich der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung nicht an den Angeklagten gewendet, um ihm ins Gewissen zu reden. An die vielen Betroffenen im Saal hat er kein Wort der Empathie gerichtet.