Donnerstag, 18. April 2024

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Sexueller Missbrauch im Sport
"Kinderschutz geht vor"

Zwei Männer sind in dieser Woche in Prozessen zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten als Trainer die ihnen anvertrauten Kinder sexuell missbraucht. Im Sport kommen Täter oft leicht an Kinder heran. Andrea Schültke erklärt, warum Vereine und Eltern aufmerksamer werden müssen.

Andrea Schültke im Gespräch mit Astrid Rawohl | 22.09.2018
    Ein kleines Mädchen mit einem blonden Zopf, von hinten aufgenommen, lauscht den Erklärungen ihres Karate Trainers.
    Sport als perfektes Umfeld für potenzielle Täter. (dpa-Zentralbild)
    Gewalt und sexueller Missbrauch kämen im Sport genauso häufig vor, wie in andren Kontexten, sagt Andrea Schültke im Deutschlandfunk. "Doch der Sport ist natürlich das perfekte Umfeld für potenzielle Täter". Eltern seien oft sorglos und dächten, dass ihre Kinder gut aufgehoben seien.
    Um Fälle von sexuellem Missbrauch zu verhindern, müsse erstmal die Basis - also die kleinen Vereine - erkennen: 'ja, auch der Sport hat ein Problem mit sexuellem Missbrauch, genau wie die Kirche und Internate'. Daran würde es allerdings meist hapern. Die Vereinsverantwortlichen müssten viel in ihrer Freizeit leisten und könnten sich nicht um alles kümmern. "Aber sie müssen natürlich erkennen: Kinderschutz geht vor", so Schültke.
    Die Vereine müssten sich fragen, wie sie die Kinder schützen können, aber auch die Eltern müssten aufpassen: "Ihr Eltern müsst gucken, wo bringt ihr eure Kinder hin. Fragt nach, was haben die Trainer überhaupt für Qualifikationen", fordert Andrea Schültke. Finanzielle Förderung müsse ganz klar an überprüfbare Schutzkonzepte gekoppelt sein. Ohne umfassenden Kinderschutz dürfe es kein Geld geben – ob im Leistungs- oder Breitensport.