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Sie nannten mich "die Streunerin"

Eigentlich stand die 15-jährige Sonja als Zeugin vor Gericht: Angeklagt war der Freund ihrer Mutter, der mehrfach versucht hatte, sie zu vergewaltigen. Doch bestraft wurde - trotz eines positiven psychologischen Gutachtens - die Jugendliche:

Von Eva-Maria Götz | 15.07.2011

Mehr als drei Jahre verschwand sie hinter den Mauern eines Erziehungsheims - ohne jede Begründung eingesperrt und behandelt wie eine Kriminelle.

Da ihre Mutter geschieden und alleinerziehend war und der Vater staatenlos und ein ehemaliger russischer Zwangsarbeiter, stand die (ebenfalls staatenlose) Tochter unter dem Generalverdacht des "Sittenverfalls".

Sonja Djurovic war eines von fast 800000 Kindern, die in der Bundesrepublik der 50er- und 60er-Jahre in die Mühlen des staatlichen Fürsorgewesens gerieten, in ein System von Gewalt, Repression und Ausbeutung.

Heute engagiert sie sich für die Aufarbeitung dieses schwarzen Kapitels deutscher Nachkriegsgeschichte.

DLF 2011

Hinweis: Nach der Sendung können Sie in unserem Online-Angebot eine spezielle Online-Version des heutigen Dossiers nachhören. Die Originalproduktion, die im Programm ausgestrahlt wurde, enthält zusätzlich Musik.