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StartseiteWirtschaft am MittagVorstands-Umbau in schwieriger Phase01.08.2019

SiemensVorstands-Umbau in schwieriger Phase

Der Vorstand im Umbau, die Zahlen sahen schon besser aus, die Digital-Sparte schwächelt - aber Siemens-Chef Joe Kaeser macht sich bei der Präsentation des Quartalsberichts rar. Auch sonst sorgt er gelegentlich für Irritationen. Der Grund für den Abgang der Personalchefin?

Von Tobias Krone

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Ein Siemens-Mitarbeiter im Berliner Gasturbinenwerk montiert die Hightech-Turbinenschaufeln. Diese Neuentwicklung ist mit 375 Megawatt (MW) die leistungsstärkste und effektivste Gasturbine der Welt. (imago images / Rainer Weisflog)
Das Geschäft mit Gasturbinen ist das Sorgenkind des Konzerns. (imago images / Rainer Weisflog)
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Eine kleine Überraschung zuerst: Er ist nicht da auf der Pressekonferenz zu den Quartalszahlen. Kurzfristig habe Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser abreisen müssen - in Richtung Asien, so Technologie-Vorstand Roland Busch, der ihn vertritt.

"Ich bin froh, dass unser CEO die Chance hat, einem Kunden - ich sag mal - zu helfen, finale Entscheidungen zu treffen, die dann auch lesbar sind und in Papier gerinnen. Deshalb ist es meines Erachtens eine ausgezeichnete Investition fürs Unternehmen."

Trump kritisieren, in Guantanamo Geld machen

Joe Kaeser also in Asien bei Vertragsverhandlungen. Genaueres ist nicht bekannt. Gerne hätte man vom leutseligen Vorstandschef erfahren, wie er den moralischen Spagat meistert zwischen seiner öffentlichen Kritik an US-Präsident Donald Trump und dem jüngsten Siemens-Deal mit der amerikanischen Militärbasis Guantanamo Bay, die für ihr umstrittenes Gefangenenlager bekannt ist. Hier soll der deutsche Konzern für gut 800 Millionen US-Dollar für eine effizientere Energienutzung sorgen.

Doch statt politischer Fragen handelte Roland Busch heute nüchtern die Geschäftszahlen des dritten Siemens-Quartals ab:

 "Nach einem ersten überzeugenden Halbjahr konnte Siemens sein Wachstum bei Auftragseingang und Umsatz fortsetzen - trotz eines zunehmend von Unsicherheit geprägten geopolitischen Umfelds."

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

In anderen Worten: Siemens bleibt stabil - und das sei das Beste, was man bei den gegenwärtigen Märkten erwarten könne. Der Umsatz steigt um zwei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr, ebenso wie beispielsweise bei der Konkurrenz von ABB aus der Schweiz. Der Gewinn nach Steuern geht leicht zurück.

Besonders wichtig aber bei Siemens: Das operative Ergebnis im Industriegeschäft. Den starken Rückgang von 12 Prozentpunkten hatten nur wenige Analysten erwartet. Finanzvorstand Ralf Thomas:

"Insbesondere im Maschinenbau und der Automobilindustrie halten sich Kunden bei größeren Investitionen aktuell zunehmend zurück. Sichtbar wurde dies in einem deutlich gesunkenen Auftragseingang und rückläufigen Umsatz in der Industrieautomatisierung."

Diese Schwäche in der bisher hochprofitablen Digital-Sparte werde anhalten - man wolle sparen, etwa bei den Reisekosten, so Thomas.

Warum geht Janina Kugel?

Sorgen bereitet Siemens weiterhin die Gaskraftwerkssparte. Hier sank der Gewinn erneut - ebenso wie auf dem hoch umkämpften Markt für Windkraftanlagen. Immerhin, Großaufträge aus Taiwan sorgen für volle Auftragsbücher bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa.

Ein Punkt, über den in den vergangenen Tagen viel geredet wurde: Personalchefin Janina Kugel verlässt Siemens - nach vier Jahren. Die 49-Jährige leitete das Personalressort und trat auch öffentlich auf Konferenzen für mehr Diversität ein. Den Stellenabbau in der Kraftwerkssparte managte sie so geräuschlos wie möglich. Kugels Vertrag sei nun "in beiderseitigem Einvernehmen" nicht verlängert worden, heißt es bei Siemens.

Beobachter sehen darin ein Zeichen dafür, wie schwer es gerade jüngere, selbstbewusste Vorstände im Schatten des Alphatiers Joe Kaeser haben. Kaesers Vertrag läuft in zwei Jahren aus. Wer dann den Konzern leitet, steht noch nicht fest.

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