Freitag, 20. Mai 2022

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Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker
Barenboim als Showmaster

Simon Rattle hat sich schon verabschiedet, sein Nachfolger Kirill Petrenko ist noch nicht da: Also dirigiert Daniel Barenboim das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker, wie schon 2001. Doch das ist nicht seine einzige Aufgabe. Konzertbesucher erleben ihn auch noch in einer weiteren Rolle.

Julia Spinola im Gespräch mit Michael Köhler | 30.12.2018

Daniel Barenboim
Daniel Barenboim wird das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker dirigieren (Staatsoper Berlin / Holger Kettner)
In diesem Jahr übernimmt Daniel Barenboim das traditionelle Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker. Dabei wird er auch in 250 Kinos, in der Digital Concert Hall und im Fernsehen zu sehen sein - dort wird das Konzert am Silvesterabend übertragen.
Die Berliner Philharmoniker und den Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden verbindet eine langjährige künstlerische Freundschaft: 1964 war Barenboim zum ersten Mal als Solist bei den Berliner Philharmonikern zu Gast.
Barenboim als Solist und als Dirigent
Eigentlich seien Silvesterkonzerte "Chefsache", erklärte Julia Spinola im Dlf. Chefdirigent Simon Rattle aber habe sich verabschiedet und sein Nachfolger Kirill Petrenko sei noch nicht da. Auch 2001 hatte Barenboim schon das Silvesterkonzert geleitet - und auch damals stand Mozart auf dem Programm. In diesem Jahr ist es Mozarts Klavierkonzert Nr. 26 in D-Dur, das sogenannte "Krönungskonzert".
Daniel Barenboim hat in diesem Konzert auch wieder eine Doppelaufgabe: Als Solist und als Dirigent der Berliner Philharmoniker im ersten Satz aus Mozarts "Krönungskonzert". Er habe einen starken Gestaltungswillen, so Spinola, und sei hoch beschäftigt mit dieser Doppelaufgabe, zum Teil dirigiere er mit einer Hand. Es sei aber nicht nur spannend, ihm zuzuhören, sondern auch unterhaltsam, ihm zuzusehen - Barenboim ist laut Spinola eben auch ein Entertainer und Shomaster.
"Spanische Sommernachtsträume"
Für das Silvesterkonzert komponierte Barenboim außerdem aus Einzelstücken von Ravel eine Art spanische Symphonie. Die Stücke sind laut Julia Spinola aber nicht die eigentlichen "Silvesterknaller", sondern eher "spanische Sommernachtsträume", die sich am Ende schließlich in den Schlusstakten des Boleros entladen.
Der Bolero sei brillant, was die raffinierten Klangmischungen angehe und an keiner Stelle monoton - was angesichts des begrenzten thematischen Materials dieses Stückes keine Selbstverständlichkeit sei.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.