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StartseiteUmwelt und VerbraucherInventur im eigenen Garten03.01.2014

SingvögelInventur im eigenen Garten

Der Naturschutzbund Nabu ruft Hobbyornithologen in der ganzen Republik auf, eine Stunde lang Vögel zu beobachten und zu zählen. Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann erklärt, warum das eine sehr spannende Tätigkeit sein kann.

Lars Lachmann im Gespräch mit Stefan Römermann

Der Grünspecht: Vogel des Jahres 2014 (picture alliance / dpa / Paul van Gaalen)
Der Grünspecht: Vogel des Jahres 2014 (picture alliance / dpa / Paul van Gaalen)
Weiterführende Information

Brutparasiten - Kooperation gegen Kuckuck - (DLF, FORSCHUNG AKTUELL, 20.12.2013) 

Ornithologie - Der frühe Vogel fängt spät den Wurm - (DRadio Wissen, Natur, 11.10.2013)

Stefan Römermann: Wenn Sie diese Vogelstimme in Ihrem Garten hören, haben Sie Glück. Sie gehört dem Grünspecht, dem Vogel des Jahres 2014. Wie viele sich von diesen und anderen Vogelarten in deutschen Parks und Gärten finden, will ab heute der Naturschutzbund Nabu herausfinden. Der Verein ruft deshalb Vogelfreunde in der ganzen Republik auf, eine Stunde lang Vögel zu beobachten und zu zählen. Bei mir am Telefon ist jetzt Lars Lachmann vom Nabu. Hallo, Herr Lachmann! Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer nicht einschlafen kann, dem rät man ja gerne, Schäfchen zu zählen. Ist eine Stunde Vögel zählen nicht auch ganz schön anstrengend und ermüdend?

Lars Lachmann: Meine Erfahrung ist das nicht. Ich finde es normalerweise sehr spannend, und man wundert sich, wie viele Vögel man in einer Stunde tatsächlich entdecken kann in seinem eigenen Garten. Man merkt dann erst, wie selten man sich tatsächlich wirklich damit beschäftigt, was so eigentlich im eigenen Garten herumfliegt.

Römermann: Aber wie konzentriert muss ich denn gucken. Dabei Lesen geht ja wahrscheinlich nicht, aber es flattert bei mir auch immer nicht die ganze Zeit was im Garten herum.

Lachmann: Ja, ich denke mal, in der zweiten Hälfte der Stunde kann man notfalls auch mal kurz was lesen, solange man aber dann auch ein Auge noch draußen auf den Garten hat und sieht, wenn was vorbeifliegt.

Römermann: Und wie läuft das Ganze rein praktisch ab? Sollen die Teilnehmer irgendwie eine Strichliste machen oder wie muss ich mir das vorstellen? Wie funktioniert das?

Lachmann: Ja, im Prinzip wollen wir von jeder Vogelart, die in dieser einen Stunde gesehen wird, die höchste gleichzeitig beobachtete Anzahl wissen für jeden Garten. Das heißt, man macht sich eine Strichliste, und auf dieser Strichliste notiert man für jede Vogelart die eben bis dato höchste gleichzeitig beobachtete Anzahl. Gleichzeitig ist wichtig, denn wir wollen Doppeltzählungen vermeiden. Das heißt, wenn eine Kohlmeise 15 Mal am Fenster vorbei fliegt, ist es immer noch nur eine. Es wären dann aber zwei, wenn einmal zwei vorbeifliegen.

Römermann: Ja, das habe ich mich auch gefragt. Ich meine, das kriegt man ja nicht so richtig mit, wie viele Vögel das gleichzeitig sind. Also, ich zähle wirklich nur, wie viele gleichzeitig da sind. Also, ich muss die dann quasi gleichzeitig im Blick haben, oder wie läuft das?

Lachmann: Gleichzeitig im Blick oder gleichzeitig im Garten, sodass man genau weiß, dass das jetzt nicht der gleiche Vogel ist. Also, wenn ich jetzt einen rechts im Garten sehe und fast gleichzeitig einen links im Garten und kein Vogel hin- und hergeflogen ist, weiß ich, dass das ein anderer ist. Da muss man sich jetzt auch nicht die großen Sorgen machen, wir sind da auch nicht päpstlicher als der Papst. Nur ist es eben wichtig, dass die Vögel nicht aufsummiert werden, sondern eben die gleichzeitig beobachteten Vögel aufgeschrieben werden.

Römermann: Und mache ich da einfach eine Strichliste oder haben Sie da irgendetwas vorbereitet? Wie muss ich mir das vorstellen?

Lachmann: Sie machen erst mal für sich eine Strichliste und melden das hinterher an uns. Am einfachsten geht das online auf der Webseite www.nabu.de. Es geht auch über www.stundederwintervoegel.de, da kommt man auf die gleiche Seite. Da ist dann ein Meldeformular. Dort sind auch noch mal die wichtigsten Wintervögel abgebildet, da kann man noch mal abgleichen, wenn man sich nicht ganz sicher war. Man kann sich auch vorher vorbereiten und auf dieser Seite eben die Steckbriefe der wichtigsten Wintervögel sich noch mal anzugucken. Dann ist man gut vorbereitet. Wer sich das zutraut, ohne Vorbereitung das zu machen, kann auch gleich loslegen und gibt dann eben die Vogelzahlen ein und muss dann natürlich dazu noch sagen, genau wo diese Vogelbeobachtung stattgefunden hat, damit wir dann zwischen verschiedenen Regionen, Bundesländern und Landkreisen vergleichen können. Und ganz wichtig ist für uns auch natürlich, dass wir zwischen den verschiedenen Jahren vergleichen können, welche Vogelarten zu- und welche Vogelarten abgenommen haben, denn um die Arten, die stark abnehmen, wollen wir uns natürlich besonders kümmern und besondere Naturschutzmaßnahmen für die entwickeln.

Römermann: Muss ich denn ein richtiger Vogelexperte sein, um da mitzumachen, also auch wirklich die seltsamsten Vögel erkennen? Oder reicht es, wenn ich vielleicht gerade so Amsel, Drossel, Fink und Star auseinanderhalten kann?

Lachmann: Auf jeden Fall Letzteres. Es geht in dieser Zählung hauptsächlich um die häufigen Vogelarten, also genau die Arten, die wirklich fast jeder kennt. Bestimmte Seltenheiten erfreuen wahrscheinlich den einzelnen Zähler und die sollen auf jeden Fall auch gemeldet werden. Allerdings werden die Arten so selten vorkommen, dass unsere Stichprobe für diese Arten so gering ist, dass wir über die seltenen Arten kaum was sagen können. Es geht also wirklich hauptsächlich um die häufigen Arten. Und jeder, der mitmacht, wird sich wundern, wie viele von diesen häufigen Arten er auch tatsächlich kennt. Es geht hier um Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, die Amsel, den Grünfink oder die Elster. Das sind Arten, die wirklich fast jeder kennt. Deswegen sagen wir, die Teilnehmer brauchen keine besondere Vorqualifikation.

Römermann: Und was erhoffen Sie sich von den Daten?

Lachmann: Wir können auf jeden Fall feststellen, welche Vogelarten zunehmen, welche Vogelarten abnehmen. Wir können auch Vergleiche zwischen verschiedenen Städten anstellen. Wir wissen zum Beispiel von den letzten Jahren, wir machen das ja jetzt schon zum vierten Mal, dass in Berlin die Haussperlinge noch relativ häufig sind, dass aber in Westdeutschland, warum auch immer, die Haussperlinge inzwischen sehr selten geworden sind. Vielleicht ist da einfach alles ein bisschen zu ordentlich geworden im Westen. Über die Jahre werden wir auch feststellen können, ob vielleicht bestimmte Vögel im Winter nicht mehr wegziehen, bestimmte Zugvögel vielleicht gerade in diesem Jahr bei besonders warmem Wetter hierbleiben.

Römermann: Lars Lachmann vom Naturschutzbund Nabu – vielen Dank für das Gespräch!

Lachmann: Herzlichen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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