
Für den Bericht "Antiziganismus und Wohnen" wurden insgesamt 903 Fallmeldungen im Bereich Wohnen ausgewertet. Diese waren in den Jahren 2022 bis 2025 von der MIA-Bundesgeschäftsstelle und den sechs regionalen Meldestellen registriert worden.
Diskriminierung, Beleidigungen, Bedrohungen
Bei den meisten antiziganistischen Vorfällen habe es sich um Diskriminierung gehandelt (50 Prozent), gefolgt von Beleidigungen, Stereotypisierungen oder Herabwürdigungen (35 Prozent) sowie Bedrohungen (6 Prozent) und Gewalt (4 Prozent).
Laut Bericht ereigneten sich 43 Prozent der gemeldeten Vorfälle im privaten Wohnumfeld, ausgehend überwiegend von Nachbarn, Vermietern, Hausverwaltungen oder Behördenvertretern. Frauen seien dabei stärker betroffen als Männer. Besonders häufig würden Minderheitenangehörige und andere von Antiziganismus betroffenen Menschen von ihrer Nachbarschaft für Müll- und Lärmprobleme verantwortlich gemacht, erklärte Studienautor Eberl vom Verein Amaro Drom.
In insgesamt 58 gemeldeten Fällen sei mit dem sogenannten Z-Wort dabei die antiziganistische und als rassistisch empfundene Fremdbezeichnung genutzt worden, häufig in Verbindung mit anderen herabwürdigenden Ausdrücken.
"Sinti und Roma haben mit strukturellen Problemen zu kämpfen"
Die Studie mache deutlich, dass Sinti und Roma nicht mit individuellen Vorurteilen zu kämpfen hätten, sondern mit strukturellen Problemen, betonte der stellvertretender Leiter von MIA, Jakubov. MIA empfiehlt unter anderem die Abschaffung diskriminierender Ausnahmeregelungen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). So werde etwa die Ausnahmeregelung zur "sozialen Mischung" in der Praxis dazu genutzt, "Sinti und Roma vom Wohnungsmarkt auszuschließen". Zudem brauche es eine staatlich abgesicherte Rechtsberatung, damit Betroffene ihre Rechte effektiver wahrnehmen könnten.
Diese Nachricht wurde am 16.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
