Donnerstag, 18. August 2022

Sylvain Arend vor 120 Jahren geboren
Der skeptische Astronom mit dem Kometen

Vor 120 Jahren kam Sylvain Arend zur Welt. Am königlichen belgischen Observatorium beschäftigte er sich vor allem mit der Vermessung des Himmels. Bekannt ist er als Co-Entdecker des Kometen Arend-Roland.

Von Dirk Lorenzen | 06.08.2022

Der Große Komet des Sylvain Arend: Arend-Roland Ende April 1957 (Mendoza/Krebs/McDonald Obs.)
Der Große Komet des Sylvain Arend: Arend-Roland Ende April 1957 (Mendoza/Krebs/McDonald Obs.) (Mendoza/Krebs/McDonald Obs)
Diesen Kometen hatte er gemeinsam mit seinem Kollegen Georges Roland entdeckt, als der Komet im Frühjahr 1957 mit imposantem Schweif am Himmel strahlte.
Es war der erste „Große Komet“ für die Nordhalbkugel nach fast einem halben Jahrhundert Durststrecke, und mitten im Wirtschaftswunder für viele Menschen hierzulande der erste Komet, den sie zu Gesicht bekamen.
Arend-Roland zog auch den Schweizer Autor Max Frisch in seinen Bann. Der änderte noch das bereits fertig gestellte Manuskript zu „Homo Faber“: „Ich zeigte ihr den Komet, der in jenen Tagen sichtbar war, im Norden.“

Verschwunden in den Weiten des Sonnensystems

Neben diesem berühmten Kometen entdeckte Sylvain Arend noch zwei weitere, die allerdings viel schwächer strahlten. Er berechnete zudem die Bahnen von Asteroiden und Doppelsternen.
Arend war einer der Gründer des „Comité Para“, einer Gruppe von Skeptikern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, parawissenschaftliche Behauptungen zu widerlegen – etwa die Existenz vermeintlicher Erdstrahlen oder astrologische Vorhersagen. Er stritt schon Mitte des letzten Jahrhunderts vehement gegen „Fake News“.
Später war er einige Jahre Gastprofessor an Universitäten der früheren belgischen Kolonie Kongo. Sylvain Arend starb 1992. Sein berühmter Komet ist in den Weiten des Sonnensystems verschwunden und wird nicht wiederkehren.