Krisenfall
So funktioniert Deutschlands eiserne Ölreserve

Als Reaktion auf die Preisanstiege am Ölmarkt infolge des Iran-Krieges kommt Deutschland der Bitte der Internationalen Energieagentur nach und gibt einen Teil seiner Ölreserve frei. Auch andere Länder wollen diesem Wunsch entsprechen. Wir erklären, was es mit der nationalen Ölreserve auf sich hat.

    Iranische Öl- und Frachtschiffe im Persischen Golf vor der vor der Straße von Hormus
    Der Iran blockiert die Straße von Hormus: Deutschland gibt einen Teil seiner Ölreserve frei. (picture alliance / dpa / Farshid-M. Bina)

    Warum steigen die Energiepreise?

    Als Grund gilt vor allem die Sorge vor Lieferengpässen aus dem Nahen Osten. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus. Über diese Schifffahrtsroute laufen nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) rund 20 Millionen Barrel pro Tag und damit etwa ⁠ein ⁠Viertel des weltweiten Ölhandels über den Seeweg. Schon kurzfristige Störungen ⁠auf dieser Route können die Weltmarktpreise deutlich nach oben treiben - derzeit steht die Schifffahrt dort quasi still.

    Was ist die strategische Ölreserve Deutschlands?

    Deutschland hält ⁠gesetzlich vorgeschriebene Vorräte an Erdöl und Erdölerzeugnissen, um schwere Versorgungsstörungen abfedern zu können. ⁠Träger des Systems ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), eine vom Bund beaufsichtigte ‌Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ziel ist, den nationalen Bedarf für 90 Tage zu sichern. Zuletzt beliefen sich die Vorräte laut EBV auf rund 19,9 Millionen Tonnen Rohöläquivalent, womit die Vorgabe um ​1,9 Prozent übererfüllt sei. Die Reserve setzt sich aus Rohöl und fertigen Mineralölprodukten wie Diesel, Ottokraftstoff, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff zusammen.

    Wo lagert die Reserve?

    Die Vorräte liegen in oberirdischen Tanklagern und unterirdischen Salzkavernen. Der größte Teil des Rohöls wird in großen Kavernenspeichern an Standorten wie Wilhelmshaven-Rüstringen, Bremen-Lesum, ​Sottorf und Heide gelagert, um im Krisenfall eine schnelle Verteilung sicherzustellen.

    Wer finanziert die Reserve?

    Das System wird nicht aus dem Bundeshaushalt, ‌sondern über Pflichtbeiträge der Mineralölwirtschaft finanziert. Für das Geschäftsjahr 2024/2025 summierten sich die Beiträge auf 248,5 Millionen Euro. Der EBV finanziert die Anschaffung der Vorräte auch über Anleihen und Schuldscheindarlehen am Kapitalmarkt.

    Wer verfügt über die Freigabe?

    Eine Freigabe erfolgt nicht durch den Bundestag, sondern per Rechtsverordnung des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Bundesrat muss zustimmen. Freigegebene Mengen werden zu Marktpreisen verkauft. Sie sollen zur Abwendung einer Versorgungskrise dienen, nicht zur Steuerung etwa von Benzinpreisen.

    Wurde die Reserve schon einmal freigegeben?

    Der EBV ‌nennt als Beispiele die ‌Golfkrise 1990/1991, die Folgen des Hurrikans Katrina 2005, die Libyen-Krise 2011 und das Rhein-Niedrigwasser 2018. Die bisher ​letzte große Freigabe erfolgte 2022. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beteiligte sich Deutschland an zwei koordinierten Aktionen der Internationalen Energieagentur. Bei der zweiten und größeren Freigabe im ‌April 2022 nach dem Start des umfänglichen russischen Krieges gegen die Ukraine sagte Deutschland einen Beitrag von ⁠rund 6,5 Millionen Barrel zu. Das entsprach nach damaligen Angaben des ‌Wirtschaftsministeriums einer Verringerung der Reserven ⁠um etwa 3,5 Tage. Die jetzige Freigabe dürfte deutlich größer ausfallen.
    (mit Material von Reuters)
    Diese Nachricht wurde am 11.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.