Donnerstag, 11. August 2022

Erste Daten des Solar Orbiter
Der scharfe Blick auf die explosive Sonne

Ende März zog die ESA-Sonde Solar Orbiter in nur knapp 50 Millionen Kilometern Abstand an der Sonne vorbei. Nie zuvor hat eine Raumsonde aus so geringer Distanz hochaufgelöste Bilder unseres Sterns gemacht.

Von Dirk Lorenzen | 07.07.2022

UV-Aufnahme der Sonne aus nur 32 Millionen Kilometern Abstand – das leuchtende Gas ist eine Million Grad heiß.
UV-Aufnahme der Sonne aus nur 32 Millionen Kilometern Abstand – das leuchtende Gas ist eine Million Grad heiß. (ESA)
Damit kam der Solar Orbiter der Sonne auf weniger als ein Drittel des Abstands Erde-Sonne nahe. Während der Passage gab es gewaltige Materie- und Strahlungsausbrüche, von denen Solar Orbiter spektakuläre Bilder und Filme gemacht hat.
Die Instrumente des Solar Orbiter zeigen, wie Materie entlang der Magnetfeldschleifen durch die Korona, die extrem heiße Sonnenatmosphäre, fließt.
Zum Team des Solar Orbiter gehört auch eine Gruppe des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen. Der Traum ist, zu beobachten, wie die Vorgänge auf der Oberfläche der Sonne deren Atmosphäre beeinflussen. Vielleicht lässt sich dann endlich verstehen, wie die Korona Millionen Grad Celsius heiß sein kann, wo doch die Sonnenoberfläche unter ihr „nur“ 6000 Grad heiß ist.
Der Solar Orbiter entdeckte im März eine kuriose Struktur, von der strahlenförmig heißes Gas abströmt. Dieser Bereich ist etwa doppelt so groß wie die Erde – was genau dort abläuft, ist unklar.
Zudem gelangen erste Aufnahmen der Südpolregion der Sonne. Auch dort flammen immer wieder Strahlungsausbrüche auf und verlöschen schnell wieder. Alles ist in Bewegung – die ganze Sonne wirkt fast wie ein lebender Organismus.
Schon im Oktober gibt es noch bessere Bilder der Sonne: Dann kommt ihr der Solar Orbiter noch einmal sechs Millionen Kilometer näher als im März.