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StartseiteUmwelt und VerbraucherSolarstrom aus der Wüste02.01.2009

Solarstrom aus der Wüste

Eine Alternative für Europas Energieversorgung

Ganz Europa deckt seinen Energiebedarf ausschließlich durch Sonnenenergie statt Öl, Gas oder Atomstrom zu nutzen - diese Vision erscheint heute utopisch. Doch Experten glauben, dass solarthermische Kraftwerke in der Sahara aus der Utopie Realität machen können: Nach Berechnungen würden die Kraftwerke ausreichen, um ganz Europa mit Strom zu versorgen.

Von Jutta Schwengsbier

Solaranlagen in Spanien könnten als Vorlage für Kraftwerke in der Sahara dienen. (Fraunhofer ISE)
Solaranlagen in Spanien könnten als Vorlage für Kraftwerke in der Sahara dienen. (Fraunhofer ISE)

Die Wüstengebiete der Sahara erstrecken sich über ein Drittel des afrikanischen Kontinents. Ein Gebiet von der Größe Hessens würde reichen, das entspricht 0,3 Prozent der Fläche der größten Wüste der Welt, um die Region und ganz Europa mit Strom zu versorgen. Gerhard Timm war bislang Bundesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland. Nun setzt er sich als Berater von DESERTEC für diese Zukunftsvision ein.

"Die meisten Menschen haben schon mal diese Parabolrinnen gesehen, die Sonnenlicht bündeln, dass sie ein Rohr erhitzen in dem sich eine Flüssigkeit befindet. Das kann Öl sein, das kann aber auch eine salzhaltige Lösung sein. Die wird erhitzt auf etwa 400 Grad. Mit dieser Hitze wird Dampf erzeugt und dieser Dampf treibt am Ende des Prozesses eine Turbine an, die Strom erzeugt."

Fast noch wichtiger für die Wüstenstaaten: Durch Kraft-Wärme-Kopplung können solarthermische Kraftwerke mit der Abwärme bei der Stromproduktion Meerwasser entsalzen und Kälte für Kühlanlagen erzeugen. Dadurch wäre es künftig möglich, Wüstenstädte über Leitungen mit Trinkwasser zu versorgen, erläutert Gerhard Timm.

"Die eigentlichen Kraftwerke, die Strom erzeugen, sind ganz konventionelle Turbinenkraftwerke, die es schon tausendfach auf der Welt gibt. Relevant ist der vordere Teil, dass der Strom eben mit Hilfe der Sonnenenergie erzeugt wird und nicht durch fossile Energien wie Kohle oder Gas oder Öl. Das ist inzwischen erprobt. Das älteste solarthermische Kraftwerk steht in Nevada in den USA. Das produziert seit 1985 auf diese Weise Strom. Neuere Anlagen gibt es in Spanien."

Solarthermische Kraftwerke funktionieren im Prinzip also wie alle anderen Wärmekraftwerke. Im Vergleich zu photovoltaischen Solaranlagen haben sie jedoch den Vorteil, Energie auch speichern zu können.

"Man kann diese Hitze speichern, damit auch einen Nachtbetrieb sicher stellen. Und wenn man mehr speichert, kann man auch mal den einen oder anderen Tag, an dem die Sonne nicht scheint, überdauern. Soweit das nicht geht, kann man diese Kraftwerke aber auch jederzeit mit Biomasse oder Öl, oder Erdgas oder Kohle notmäßig bedienen, sodass durch Solarthermie auch in Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint, eine Grundversorgung mit Elektrizität sicher gestellt werden kann."

Theoretisch könnte eine Energieversorgung aus der Sahara sogar sämtliche Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland überflüssig machen. Wenn diese Kraftwerke für die Umweltschäden aufkommen müssten, die sie verursachen, dann könnte die Solarenergie nach Ansicht ihrer Befürworter schon heute zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden.

Obwohl derzeit noch eine Förderung vergleichbar dem Erneuerbaren Energie Gesetz in Deutschland nötig ist: Solarthermie Kraftwerke in der Sahara könnten ein entscheidendes Element auf dem Weg zu sauberer Energiegewinnung werden. Professor Dirk Uwe Sauer von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen hat ausgerechnet: Strom aus der Sahara ist selbst bei einem Transportweg von 3000 Kilometern nicht teuerer als Strom aus Photovoltaik-Anlagen in Deutschland.

"Die Speicherung von thermischer Energie ist wesentlich effizienter und billiger als elektrische Energie speichern. Von daher sind solarthermische Kraftwerke ausgerüstet mit einem thermischen Speicher erst mal sehr wirtschaftlich im Vergleich zu: wenn man erst Strom macht und dann in die Speicherung geht."

Nach den Plänen der DESERTEC-Experten sollen demnächst kleinere Pilotprojekte die Theorie in die Praxis testen. Sofern sie erfolgreich verlaufen, könnten künftig überall entlang der sonnengedörrten Küstenregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens solarthermische Kraftwerke saubere Energie und Trinkwasser produzieren.

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