Mittwoch, 25. Mai 2022

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Sommermärchen-Affäre
"Privatgeschäft von Beckenbauer?"

Die Notiz einer Bankangestellten könnte bei der Auflösung der mysteriösen Geldflüsse rund um die Affäre bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland helfen. Im Zentrum des Verdachts steht WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer. "Es stellt sich die Frage, ob er ins Fernsehrechtegeschäft investiert hat", sagte SZ-Journalist Thomas Kistner im Dlf.

Thomas Kistner im Gespräch mit Marina Schweizer | 11.11.2017

Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM, während des Eröffnungsspiels in München am 09.06.2006. Im Hintergrund ist das Spielfeld zu sehen, am linken Bildrand erkennt man Franz Beckenbauer im Profil.
Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 (picture alliance / dpa / Guido Bergmann)
Der neue Verdacht bezieht sich auf die Notiz aus der Bank des Ex-adidas-Chef Louis Dreyfus, der Beckenbauer 2002 ein mysteriöses Darlehen in Höhe von zehn Millionen Franken gewährt hatte, berichtete Thomas Kistner, von der Süddeutschen Zeitung im Deutschlandfunk.
In der Notiz wird offensichtlich, dass Dreyfus das Darlehen an einen Geschäftsfreund gewährt hat, um Fernsehrechte aus der involventen Kirch-Gruppe erwerben zu können. Als Namenszusatz des Kontos wird das Kürzel "F.B." vermerkt. Was den Schluss zu Franz Beckenbauer nahelegt.
Journalist Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung.
Journalist Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung. (imago stock & people)
Tilgte das WM-OK einen Privat-Kredit von Beckenbauer?
"Damit stellt sich nur die Frage, ob der deutsche Fußball-Kaiser diskret ins Fernsehrechtegeschäft investiert hat und noch spannender wäre dann die Frage, ob sein Privat-Darlehen dafür vom deutschen WM-Organisationskomitee getilgt worden ist", sagte Kistner.
Diesem Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach. Demnach hätte das WM-OK im Jahr 2005 einen Privatkredit Beckenbausers getilgt.
Fest steht bislang, dass Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan 6,7 Millionen Euro 2002 nach Katar überwiesen haben.
Ermittler könnten in Katar nachhaken
Für den Ursprungsverdacht, dass die Deutschen die Stimmen von korrupten FIFA-Funktionären gekauft haben könnten, gäbe es genug andere Indizien, sagte Kistner.
Anzunehmen sei auch, dass die Ermittler aus der Schweiz per Rechtshilfegesuch in Katar nachhaken, wo die zehn Millionen Euro geblieben sind.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.