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Sonne, Wind oder Biomasse

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch insgesamt wächst - dank günstiger Rahmenbedingungen - seit Jahren kontinuierlich. Deshalb sprechen Marktbeobachter auch von einer Erfolgsgeschichte. Ob dieser Erfolg auch im vergangenen Jahr fortgesetzt werden konnte, darüber hat heute in Berlin der Bundesverband Erneuerbare Energien informiert.

Von Dieter Nürnberger | 04.01.2007

    Die Rahmendaten sind auf jeden Fall positiv. Der Bundesverband Erneuerbare Energien spricht sogar von einem Rekordjahr 2006. Das heißt, die Energieversorgung aus Wind, Sonne, Bioenergie, Wasser und Erdwärme hat sich im abgelaufenen Jahr stärker erhöht als je zuvor. Die Energiebereitstellung in Deutschland aus diesen Ressourcen wuchs somit auf 200 Milliarden Kilowattstunden, 2005 waren es noch 175 Milliarden Kilowattstunden, und dieses entspräche inzwischen rechnerisch einem Strom-, Wärme- und Kraftstoffverbrauch von rund 10 Millionen Haushalten. Soweit die Rahmendaten - betrachtet man die einzelnen Segmente, dann fällt die Bilanz differenzierter aus. Milan Nitzschke ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien:

    "Das ist einmal das Plus im Bereich der Windenergie in der Größenordnung von 10 Prozent, obwohl 2006 sicherlich nicht ein windstarkes Jahr war. Der Bereich der Photovoltaik ist um rund 60 Prozent gewachsen. Wir haben ein erhebliches Wachstum auch im Bereich der festen Biomasse. Es sind mehrere, auch große, Holzkraftwerke an das Netz gegangen. Im Bereich Biogas gibt es einen Zuwachs um 50 Prozent, das resultiert vor allem aus der Anwendung nachwachsender Rohstoffe im Biogasbereich."

    Diese heute vorgestellten Zahlen verdeutlichen auch die Potentiale der regenerativen Energien für die CO-2-Einsparung in Deutschland - also die wesentlichen positiven Umwelteffekte. Durch die Nutzung Erneuerbarer Energien lassen sich die klimaschädlichen Schadstoffemissionen reduzieren. Auch hier konnte man die Zahlen steigern. 2006 wurden die CO-2-Emissionen in Deutschland um 99 Millionen Tonnen verringert - durch diese Energien. Und der Bundesverband weist darauf hin, dass die erneuerbaren Energien somit einen großen Anteil an der Gesamtreduktion haben. Zum Vergleich nennt man den Emissionshandel mit Verschmutzungsrechten - der betrifft im Wesentlichen die Industrie - hier seien für die Jahre 2005 bis 2007 Reduktionen von lediglich 2 Millionen Tonnen CO-2 zu erwarten. Zum einen also ein sehr positiver Rückblick 2006 für die Branche, und auch der Ausblick 2007 und darüber hinaus, fällt positiv aus, allerdings seien da noch Vorbedingungen notwendig, sagt der Präsident des Verbandes Johannes Lackmann:

    "Der Bereich Wasserkraft lässt sich noch ausbauen, wenn bürokratische Hemmnisse abgebaut werden. Im Bereich Windenergie gibt es erhebliche Schikanen bei der Planung. Auch beim Repowering: Obwohl in bereits vorhandenen Planungsgebieten alte Windkraftanlagen ersetzt werden sollen, wird oft versucht, dies zu verhindern. Wir können in diesen Gebieten ein Mehrfaches an Windstrom gegenüber der älteren Technik erzeugen, wenn wir neueste Technik einsetzen würden. Die wesentlichen Steigerungsraten im Strombereich liegen nun einmal bei der Windenergie und auch der Bioenergie."

    Und im Vergleich zur Stromerzeugung hinkt derzeit ja auch die Nutzung der Erneuerbaren im Wärmebereich etwas hinterher. Gerade dieses Segment lohne jedoch den Aufwand, sagt Lackmann:

    "Hier ist bisher am wenigsten passiert. Sowohl im Effizienzbereich, das heißt Bedarfsvermeidung, wie auch in der Produktion. Obwohl wir gerade hier die größte Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten haben. Stichworte sind hier Russland und "Gazprom". Wir haben den Bedarf, uns unabhängiger zu machen. Hier ist auch die Bundesregierung besonders gefordert. Es gibt Fördermaßnahmen wie ein Wärmegesetz - das verursacht auch nur ein Bruchteil der Kosten, die beispielsweise durch den Emissionshandel anfallen. Es könnte aber deutliche Einsparungssummen im CO-2-Bereich auf den Weg bringen."

    Unterm Strich also sehr positive Zahlen für den Bundesverband Erneuerbare Energien. Aber eben auch die Forderung an die Bundesregierung in der Förderung der Technologien nicht nachzulassen. Auch deswegen, weil die Kosten, die verursacht würden - durch das Erneuerbare Energiengesetz beispielsweise - sehr schnell wieder rein kämen, durch Kostenersparnisse beim Import von Öl beispielsweise oder auch durch die Reduzierung von CO-2. Man hat nun einen Anteil am Endenergieverbrauch in Deutschland von 7,7 Prozent - und den möchte man auch weiterhin steigern.