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Sonnenenergie

1992 hatte man auf Aeroe zunächst keine hochtrabenden Pläne mit der Gewinnung von Sonnenergie. Aber versuchen wollte es der dänische Ingenieur Flemming Ulbjerg trotzdem:

Von Annette Eversberg |
    Hier auf Aeroe haben wir eine kleine Anlage für das Hallenbad in Marstal errichtet. Wir haben Berechnungen für zwei Anlagengrößen angestellt. Eine 3000 Quadratmeter große Anlage würde etwa 4 Prozent des Ortes decken. Mit einer etwas größeren Anlage könnten wir durch die Speicherung von Wasser in einem Tank auch den Nachtbedarf decken. Dies ergab eine Anlage von ca. 8000 Quadratmetern.

    Heute 2004 ist die Situation in der Gemeinde Marstal auf Aeroe völlig anders geworden. Es wird nicht nur ein Hallenbad beheizt. Die Solaranlage ist ein eigenes Kraftwerk und versorgt unmittelbar und ausschließlich die Gemeinde Marstal mit Heizenergie und warmem Wasser, erläutert Jens Age Jensen vom Betreiber Marstal Fjernvaerme:

    Das sind etwa 1400 Wohnungen mit Hotels und so. Und von diesen 1400 Wohnungen können wir jetzt mit dieser Sonnenanlage hier etwa 30 Prozent des Jahresbedarfs produzieren.

    Eine umweltfreundliche Anlage mit aufbereitetem Altöl aus Autowerkstätten deckt den Rest. Im Sommer, wenn die Sonne richtig scheint, liegt der Versorgungsgrad der Solaranlage jedoch bei 100 Prozent. Und alles das führt für die Haushalte zu einer jährlichen Einsparung von 10 Prozent der Kosten für Heizung und Warmwasser. Der Grund ist die große Fläche der Solaranlage. Statt ursprünglich 8000 Quadratmeter sind es nun 18300 Quadratmeter. Voraussetzung für eine gute Ausbeute ist allerdings die Technik der Anlage in Marstal. 1500 Sonnenkollektoren stehen in einem Winkel von 40 Grad zur Sonne. Die Glaskollektoren enthalten mehrere schwarz beschichtete Streifen aus Kunststoff, die die Sonne aufnehmen. Mehr als früher, erläutert Svend Andersen vom dänischen Kollektorenhersteller Arcon:

    Solarzellen, die in Marstal stehen, können bis zu 200 Grad heiß werden. Heute wird eine chemische Beschichtung eingesetzt, vergleichbar mit einem Schwamm. Mit einer Vielzahl mikroskopischer Poren. Die Umwandlung von Licht in Wärme erfolgt auf dem Boden der Poren. Das reflektierte Licht bleibt in der Platte, und deshalb wird die Platte so warm.

    In jedem schwarzen Kunststoffstreifen befindet sich ein Kupferrohr. Dadurch fließt ein frostresistentes Gemisch aus 40 Prozent Glykol und 60 Prozent Wasser, das dann über zwei Wärmetauscher kaltes Wasser erhitzt. Jens Age Jensen:

    Das Wasser wird durch 10 Kollektoren in einer Reihe durchgepumpt. Und die Geschwindigkeit des Wassers bestimmt die Temperatur. Wenn wir viel Sonne haben, dann läuft die Pumpe schneller, und wenn wir weniger Sonne haben, dann läuft unsere Pumpe langsamer. Dann kriegen wir etwa dieselbe Temperatur die ganze Zeit.

    Der Energieaufwand für die Pumpe konnte um ganze 80 Prozent gesenkt werden und beträgt heute etwa nur 5 Kilowatt auf 1 Megawatt. Die Steuerung ist auf Aeroe erstmals entwickelt worden. Sie verhindert eine Überhitzung der Anlage. Und garantiert den Haushalten, die direkt über Rohre mit der Anlage verbunden sind, eine gleichmäßige Temperatur. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit. Auf Aeroe hat man sich auch mit der Frage der Speicherung der Sonnenenergie beschäftigt. Nach zwei Versuchen gibt es nun eine ganz einfache Lösung: Das warme Wasser wird in eine mit Plastik ausgekleidete Grube gepumpt, die wieder mit Plastik abgedeckt wird. 3 Monate können dort 10.000 Kubikmeter Wasser bei einer Temperatur von 90 Grad gespeichert werden. Und in den Wintermonaten sind es noch immer 35 Grad. Das alles bestimmt den Wirkungsgrad der weltgrößten Solaranlage auf Aeroe, sagt Jens Age Jensen:

    Wenn die Sonne auf unsere Flächen scheint, dann können wir im Moment bis 70 Prozent zusammen von der Sonne aufnehmen und weiterführen zum Verbraucher. Bei der Photovoltaikanlage sind es nur 20 Prozent. Wir haben also mehr als drei mal so viel Energie von der Sonne, wenn wir es als heißes Wasser nehmen und nicht als Elektrizität.