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Sonnenschutz und schmutzabweisende Textilien

Was halten Verbraucher von Nanotechnologien? Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat ein Modellprojekt dazu gestartet, und zwar gemeinsam mit dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Die Einschätzungen der befragten Verbaucher zur neuen Technologie standen heute Vormittag im Mittelpunkt einer Pressekonferenz in Berlin.

Von Philip Banse | 20.11.2006

    Die Verbraucherkonferenz ist ja in Deutschland eine recht neue Idee. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat ja die Aufgabe, die Gesellschaft über Risiken aller Art aufzuklären, zum Bespiel auch die der Nanotechnologie. Um von Anfang an Verbraucher enger mit einzubeziehen, hat die Behörde diese Verbraucherkonferenz einberufen. Es wurden Menschen zufällig ausgewählt, angeschrieben und eingeladen. 16 haben am Ende mitgemacht. Darunter selbstständige EDV-Verkäufer, Arbeitslose, Chemie-Studenten, pensionierte Polizisten. Diese 16 Verbraucher haben Fragen ausgearbeitet, Experten gehört und sich eine Meinung zu den Risiken der Nanotechnologie gebildet. Einer der 16 Konferenzteilnehmer ist der Rentner Klaus Mytzka, Kfz-Meister, bis vor kurzem Inhaber eines Autohauses in Brandenburg. Er sieht wie seine 15 Kollegen Vorteile vor allem bei Textilien:

    " Die größten Vorteile sehe ich eigentlich darin, dass Spezialisten - zum Beispiel in der Medizin - Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, Krankheiten wie Krebs zu behandeln, auf eine Weise, die vorher gar nicht möglich war. Ein weiterer Bereich ist auch Bekleidung. Eine Beschichtung mit Nanoteilchen gegen Schmutz und Feuchtigkeit das ist zu akzeptieren und auch viel versprechend."

    Doch sei offen, was mit Nanopartikeln passiert, die beim Waschen von Oberflächen abgerieben werden und in die Umwelt entweichen. So ist das Votum der 16 Verbraucher dominiert von den Risiken der Nanotechnologie. Kfz-Meister Mytzka nennt als Beispiel die Kosmetik:

    " Die Nanopartikel, um die es geht, die sind ja so winzig, dass sie durch einen Kratzer in die Haut, in die Blutbahn gelange, und bei Fischen zum Beispiel lagern sich diese kleinen Teilchen im Gehirn ab. Also das muss nicht sein, ich muss keine Hautcreme im Gehirn abgelagert haben."

    Obwohl wir heute schon in Kosmetika, Kleidungsstücken und Farben mit Nanopartikeln zu tun haben, seien noch sehr viele Fragen offen. Der Rentner Klaus Mytzka mit der zentralen Forderung der 16 Verbraucher und Verbraucherinnen:

    " Unsere Forderung ist, dass wir auf jeden Fall informiert werden wollen, wo Nanoteilchen drin sind, also eine Kennzeichnungspflicht. So dass jeder einzelne die Möglichkeit hat, das zu nutzen oder nicht. "

    Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter für Lebensmittelsicherheit im Bundesverbraucherschutzministerium, signalisierte Zustimmung:

    " Das ist noch zu früh das zu sagen. Ich meine, wenn wir heute Produkte kennzeichnen, müssen wir das mindestens europäisch tun. Wir müssen im Lebensmittelbereich auch auf die internationale Ebene gehen. Ich glaube, dass Kennzeichnung ein wichtiger Aspekt ist, um mit Risiken als Verbraucher umgehen zu können."

    Die 16 Verbraucher kritisieren, dass es bisher keine Grenzwerte gibt, ab wann Nanopartikel bedenklich sind. Darüber hinaus gebe es kaum Messverfahren, um die Konzentration der nur wenige Atome großen Teilchen zu festzustellen. Das wiederum könnte daran liegen, dass bisher gar nicht offiziell festgelegt ist, was ein Nanopartikel genau ist. Nur ein Bruchteil der staatlichen Fördermittel für die Nanotechnologie werde für die Risikoabschätzung ausgegeben, so die Teilnehmer der Verbraucher-Konferenz, das sei sehr bedauerlich. Als besonders sensiblen Bereich schätzen die 16 Verbraucher-Experten die Lebensmittel ein. Die Konferenzteilnehmer sahen einen Mehrwert der Nanotechnologie, wenn es möglich wird, so festzustellen, ob Nahrungsmittel während des gesamten Transports immer gekühlt waren oder ob Fleisch verdorben ist oder nicht. Sie bedauerten jedoch, dass sich kein Vertreter der Lebensmittelbranche ihren Fragen gestellt habe. So seien Fragen auch nach Nanopartikeln in Babynahrung unbeantwortet geblieben. Gefordert wird ein Zulassungsverfahren für Stoffe im Nano-Bereich. Bereits zugelassene Stoffe müssen erneut überprüft werden, wenn sie in Nano-Größe eingesetzt werden. Viele der heute eingesetzten Stoffe kämen in der Umwelt vor, deswegen ergäben sich derzeit keine größeren ökologischen Probleme. Die könnten bei neuen Stoffen entstehen, die in der Natur unvorsehbar reagieren. Hier wird weitere Forschung gefordert. Viele der 16 Verbraucher sind jedoch skeptisch, ob ihre Forderungen Gehör finden.