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StartseiteWirtschaft am MittagSorgenfalten bei der griechischen Tourismuswirtschaft27.06.2013

Sorgenfalten bei der griechischen Tourismuswirtschaft

Trotz guter Buchungslage sind Hotel- und Restaurantbesitzer unzufrieden

Tourismus ist zurzeit die wichtigste Säule der griechischen Wirtschaft. Und die Buchungszahlen sind in diesem Jahr hoch. Aber das heißt noch lange nicht, dass es der Branche deshalb gut geht.

Von Marianthi Milona

Eine Touristin mit Schirm besucht den Parthenon auf der Akropolis in Athen: Die Branche ist nicht zufrieden. (picture alliance / dpa - Orestis Panagiotou)
Eine Touristin mit Schirm besucht den Parthenon auf der Akropolis in Athen: Die Branche ist nicht zufrieden. (picture alliance / dpa - Orestis Panagiotou)

"Meine Preise sind seit dem Jahr 2000 unverändert geblieben. Und auch die anderen Hotels hier haben zumindest die letzten Jahre ihre Zimmerpreise nicht angehoben. Zum Glück brauchen wir im Gegensatz zu den Restaurants nur 6,5 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Wir sind die einzige Sparte der Tourismusbranche, die von der Regierung nicht angerührt worden ist. Und das ist gut so. Stell dir mal vor, wir hätten auch 23 Prozent nehmen müssen. Wir hätten alle dichtgemacht."

Sagt Tryphon Karastergiou, Hotelbesitzer in einem nordgriechischen Badeort. Und er gehört in diesem Jahr zu den Glücklichen im griechischen Tourismusbereich, denn im Vergleich zum Vorjahr konnte er die Zahl der Buchungen sogar um 20 Prozent steigern. Anders sieht die Situation bei den griechischen Restaurantbesitzern aus. Sie müssen zu Saisonbeginn immer noch Speisen mit 23 Prozent Mehrwertsteuer anbieten. Die von der Regierung Samaras lang versprochene Mehrwertsteuersenkung lässt noch immer auf sich warten. Diese Hinhaltetaktik bringt die Restaurantbesitzer auf die Palme, wie Nikos Giuros erklärt.

"Die Mehrwertsteuer muss unbedingt auf 13 Prozent gesenkt werden. In jedem Fall. Nur dann können wir die Endverbraucherpreise spürbar senken und die Steuerhinterziehung bekämpfen. Weil die Geschäftsleute dann auch wirklich bereit sind, ihre Steuern zu zahlen. Und die Restaurants werden sich dadurch auch deutlich füllen."

Wer bei Nikos zum Essen kommt, der zahlt für zwei Personen 40 bis 50 Euro, inklusive Vorspeisen und Getränke. Das aber leisten sich vorwiegend nur gutbetuchte Osteuropäer. Nicht unbedingt gern gesehene Gäste, so Nikos.

"Der Unterschied liegt in der Qualität. Die Osteuropäer verhalten sich anders als die Westeuropäer. Die Gäste aus dem Balkan sind neureiche Geschäftsleute. Sie wollen ausgehen und ihr Geld ausgeben. Sie sind sehr launisch. Auf den Westeuropäer ist immer Verlass. Der gibt sich in der Regel so, wie er wirklich ist. Er zeigt nie, was er hat. Das ist uns oft viel lieber."

Der deutsche Urlauber und Griechenlandfan Peter Weikenmeier war in diesem Jahr in Nordgriechenland unterwegs. Und er hat deutlich den starken Zulauf an osteuropäischen Gästen bemerkt.

"Es sind viele aus den osteuropäischen Ländern. Viele Bulgaren haben wir getroffen. Russen. Wir haben auch Chinesen getroffen, aber nur wenig Deutsche. Das Hauptkontingent war - so mein Eindruck - aus Osteuropa."

Die Griechin Statha Adamopoulou ist Eigentümerin eines Souvenirgeschäftes. Sie glaubt, dass Griechenland nur so gute Buchungsprognosen für 2013 aufweist, weil die Preise in den Tourismusbetrieben deutlich gesenkt worden sind. Ob das zum Saisonende für die Hotel- und Restaurantbesitzer ausreichend sein wird, um über den Winter zu kommen, zweifelt sie an.

"Ich bin der Ansicht, dass die Senkung der Preise niemals zu Riesengewinnen geführt hat. Preissenkungen gehen außerdem oft mit Qualitätsverlusten einher. Etwas, dass mir sehr missfällt. Ich will kein hochwertiges Produkt geringer anbieten müssen, damit es überhaupt jemand kauft."

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