Dänemark
Sozialdemokraten bei Parlamentswahlen stärkste Kraft - Mitte-Links-Block verpasst Mehrheit - Regierungsbildung offen

Dänemark steht nach den Parlamentswahlen vor einer schwierigen Regierungsbildung. Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Frederiksen wurden zwar mit knapp 22 Prozent der Stimmen erneut stärkste Partei, schnitten aber historisch schlecht ab.

    Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Wahltag in Aalborg. Sie trifft Anhängerinnen und hat einen Strauß Rosen in der Hand.
    Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Wahltag in Aalborg (picture alliance / Ritzau Scanpix / Henning Bagger)
    Frederiksens bisherige Koalition mit Rechtsliberalen und Moderaten verfehlte die Mehrheit im Parlament deutlich. Sie erreichte offiziellen Ergebnissen zufolge 84 von insgesamt 179 Sitzen im Folketing, dem dänischen Parlament. Das rechte Bündnis kam demnach auf 77 Sitze, während die Mitte-Partei Moderaterne des derzeitigen Außenministers Rasmussen 14 Sitze erzielte und zur "Königsmacherin" werden dürfte. Für eine Mehrheit sind 90 Sitze nötig.
    Die übrigen vier Sitze werden von jeweils zwei Vertretern der im Atlantik gelegenen Autonomiegebiete Färöer-Inseln und Grönland besetzt. Auf den Faröer-Inseln erhielten das linke und das rechte Bündnis jeweils einen Sitz. In Grönland ging einer der Parlamentssitze an die Ministerin für Handel, Bodenschätze, Energie, Justiz und Gleichstellung, Nathanielsen von den Sozialdemokraten. Den anderen Sitz für Grönland im dänischen Parlament sicherte sich der Kandidat der nationalistischen Partei Naleraq, Höegh-Dam.

    Frederiksen peilt dritte Amtszeit an

    Trotz des schlechten Ergebnisses warf Frederiksen ihren Hut für eine dritte Amtszeit in den Ring. "Wir haben bisher unter sehr schwierigen Bedingungen die Regierungsverantwortung gehabt", sagte sie in Anspielung auf die unsichere Weltlage mit zahlreichen Krisen- und Konfliktherden. Unter diesen Voraussetzungen sei das Wahlergebnis der Sozialdemokraten "okay". Dänemark brauche jetzt eine stabile Regierung.
    Den dänischen Parteien dürften komplizierte Koalitionsverhandlungen bevorstehen. Rasmussen erklärte, er wolle eine über beide Bündnisse hinausreichende Koalition sehen. "Wir dürfen nicht gespalten sein", erklärte er. "Wir müssen zusammenarbeiten." Die liberale Venstre-Partei schloss es jedoch aus, erneut eine Regierung mit den Sozialdemokraten zu bilden.

    Politikwissenschaftler Jochem: "Konflikt um Grönland spielte im Wahkampf fast keine Rolle"

    Frederiksen ist seit 2019 Regierungschefin. Ihr kam bei der Wahl, die auch unter dem Eindruck der Drohungen von US-Präsident Trump gegen das dänische Autonomiegebiet Grönland stattfand, ihr Image als erfahrene Staatenlenkerin zugute. Der Politikwissenschaftler Jochem sagte im Deutschlandfunk, der Grönland-Konflikt habe letztlich im Wahlkampf aber kaum eine Rolle gespielt.
    "Es ging um vor allem um Innenpolitik. Die Themen Klima, Bildung und Soziales haben dominiert", betonte der Skandinavien-Experte der Universität Konstanz. Die Sozialdemokraten wollten etwa die 1997 abgeschaffte Vermögenssteuer wieder einführen.
    Diese Nachricht wurde am 25.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.