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StartseiteKultur heuteKulturschaffende künftig besser unterstützen26.02.2021

Soziale AbsicherungKulturschaffende künftig besser unterstützen

Kulturschaffende brauchen eine bessere soziale Absicherung, auch über die Coronapandemie hinaus, fordert eine Initiative. Offenbar wurde sie gehört. Die Kulturministerkonferenz der Länder arbeitet aktuell an der Frage, wie das umgesetzt werden könnte.

Von Vivien Leue

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Die Veranstaltungsbranche, Kulturbranche, Kunstbranche und Musikbranche sind massiv von der Corona-Pandemie betroffen, der erneute Lockdown seit heute den 02.11.2020 trifft diese Branchen erneut massiv, Mikrofonstaender mit Mikrofon und Hocker in einem Lichtkegel, der Rest ist schwarz Symbolbild zum Thema Veranstaltungsbranche, Kulturbranche, Kunstbranche und Musikbranche Lockdown am 02.11.2020 in Siegen/Deutschland. *** The event industry, culture industry, art industry and music industry are massively affected by the Corona Pandemic, the renewed lockdown since today 02 11 2020 hits these industries again massively, microphone stands with microphone and stool in a cone of light, the rest is black symbolic image on the topic of event (IMAGO / Rene Traut)
Während des Lockdowns bleiben die Bühnen geschlossen (IMAGO / Rene Traut)
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"Eigentlich ist das Jahr für die Künstlerinnen und Künstler gelaufen - einkommenstechnisch", sagt Sabine Lipan, sie ist Schriftstellerin. Seit vergangenem Frühjahr sind ihr unzählige Engagements weggebrochen: Lesungen, Workshops, Auftritte bei Messen. Auch für dieses Jahr sieht sie schwarz. Wenigstens gibt es mittlerweile ein paar kleine Hilfsprogramme, sagt sie.

"Für NRW kann ich sagen, dass wir im letzten Jahr ein hervorragendes Stipendienprogramm in diesem Land hatten, was sehr umfangreich angenommen wurde und was erfreulicherweise ganz frisch neu aufgelegt wird in diesem Jahr."

15.000 Stipendien zu je 7.000 Euro wurden seit vergangenem August vergeben, insgesamt 105 Millionen Euro ausgezahlt. Ab April soll es nun tatsächlich eine zweite Runde geben, sagt die zuständige NRW-Kultur-Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Dabei ist ihr wichtig: "Diese Stipendien sind durchaus auch kombinierbar mit anderen Einnahmen."

Blick in den Saal des Opernhaus im Staatstheater Nürnberg - die Ränge sind leer. (picture alliance/dpa | Daniel Karmann) (picture alliance/dpa | Daniel Karmann)Kultur in der Coronakrise - "Die Branche stirbt"
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Vorschlag: Kurzarbeitergeld für Solo-Selbständige

In Bayern gibt es Finanzhilfen von bis zu 1.180 Euro monatlich, in Baden-Württemberg, Berlin oder Rheinland-Pfalz kleinere Stipendienprogramme. Vom Bund erhalten Solo-Selbständige im Rahmen der Überbrückungshilfe Drei bis zu 7.500 Euro – für ein halbes Jahr.

Viel ist das nicht – wenn auch mehr als zu Beginn der Pandemie, als es nur Zuschüsse zu den Betriebskosten gab, die bei Künstlerinnen häufig kaum anfallen. Dennoch braucht es jetzt langfristigere Perspektiven, fordert Sabine Lipan von der Kulturinitiative 21:

"Es ist ja niemand von uns selbstverschuldet an diesen Umsatzverlusten. Genau wie bei anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch ist es auch bei Künstlern so, dass sie auf Grund der Situation kein Geld verdienen können."

Eine Art Kurzarbeitergeld für Solo-Selbständige könnte sie sich vorstellen. "Von daher ist unsere Forderung, bis zum Ende des Jahres Minimum, Option für länger, je nach Corona-Situation, ein Fixum in Höhe dieses Pfändungsfreibetrags. Besser wäre es natürlich einkommensabhängig, aber wir wollten es einfach fordern: 1180 Euro pro Monat."

Kulturinitiative 21 fordert bessere soziale Absicherung

Die Kulturinitiative 21 besteht aus Künstlerinnen verschiedener Branchen. Sie schreiben Briefe, klopfen an Türen und machen Lärm für ihre Forderungen – eine bessere Unterstützung der Kulturbranche. Offenbar wurden sie gehört, denn die Kulturministerkonferenz der Länder arbeitet aktuell tatsächlich an der Frage, wie Künstler langfristig sozial besser abgesichert werden können, erklärt NRWs Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen:

"Wie finden wir ein Modell, ich sage es jetzt mal, bei Arbeitslosigkeit, bei Beschäftigungsverboten, was ja im Moment unser Problem ist, damit es da auch eine geregelte Situation gibt und nicht einen solchen Schock-Zustand."

Es könnte etwas entstehen, das ähnlich funktioniert wie die Künstlersozialkasse – aber die Ideenfindung steht noch ganz am Anfang. Pfeiffer-Poesngen:

"Das hilft uns nicht in diesem Jahr, das ist uns ganz klar. Aber ich finde, wir dürfen nicht nochmal in diese extreme Situation geraten, dass quasi auf einen Tag auf den anderen die Engagements, sprich der Kalender jedes Künstlers, jeder Künstlerin leerlief und dadurch auch keine Einnahmen da waren."

Vielen droht der Rauswurf aus der KSK

"Eine Versicherung für Umsatzverluste, das ist eigentlich das, was für Soloselbständige geschaffen werden muss", schlägt die Schriftstellerin Sabine Lipan von der Kulturinitiative 21 vor. Außerdem müsse die Künstlersozialkasse, kurz KSK, an angepasst werden – denn aktuell stünden viele kurz davor, aus der KSK rauszufliegen, weil sie durch einen Nebenjob, zum Beispiel im Supermarkt, momentan mehr verdienen als in ihrem Künstler-Beruf.

"Das letzte Jahr und dieses Jahr zeigt Probleme auf, die einfach vorhanden sind und man muss sie in Angriff nehmen, um sie einfach für die Zukunft zu lösen, weil das wird nicht das letzte Mal sein, das wir diese Probleme haben."

Die Kulturministerkonferenz will bei ihrem Frühjahrstreffen ein paar dieser Probleme angehen – und erste Ideen für eine langfristige soziale Absicherung von Künstlerinnen und Künstlern diskutieren.

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