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Soziale MedienRolle professioneller Publizisten bei rechten Hass-Kampagnen rückt in den Fokus

Symbolfoto: Gestellte Aufnahme zum Thema mobbing in sozialen Netzwerken. (www.imago-images.de)
Die „Fußtruppen“ oder „Horden an Hasstwitterern“ seien anonym unterwegs, da sie genau wüssten, dass ihr Verhalten problematisch sei, sagt Autor Mario Sixtus. (www.imago-images.de)

Die Bedeutung von professionellen Publizisten und Intellektuellen des konservativen Politikspektrums für Hass und Hetze aus dem rechtsradikalen Milieu wird weiter diskutiert.

Der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena, Matthias Quent, sagte der Deutschen Welle, Dinge, die vorher eindeutig rechtsradikalen Akteuren wie etwa der Identitären Bewegung zuzuordnen gewesen und eher im Verborgenen passiert seien, seien heute viel stärker mit einer rechtskonservativen Öffentlichkeit verzahnt: "Es gibt die Tendenz, dass jemand, der öffentlich renommiert ist, vorangeht, unerwünschte Personen im Grunde markiert und zum Abschuss freigibt, und sich dann Rechtsradikale darauf stürzen."

Der Autor und Filmemacher Mario Sixtus will ein Muster ausgemacht haben, wie die Mechanismen funktionieren. Es gebe ein paar "Knotenpunkte im Netz" von bekannten Leuten aus dem rechten Spektrum, erläuterte er im Kulturmagazin "Fazit" von Deutschlandfunk Kultur [Audio]. Diese Leute gingen nach einem ähnlichen Muster vor: Sie suchten sich ein Opfer und erklärten, warum sie diese Person "doof" finden, wo sie sich aufhalte und arbeite. Das führe dann dazu, dass sich auf dem Twitteraccount des Opfers eine Blase von Leuten aus dem rechten Spektrum bilde, die sich zu Wort melden. In einer zweiten Phase würden dann Arbeitgeber des Opfers kontaktiert, Verwandte oder Adressen zum Veröffentlichen herausgesucht.

Nicht "Hass im Internet", sondern "Hass aus dem Internet"

Für Sixtus geht es dabei um Machtspiele. Die "Fußtruppen" oder "Horden an Hasstwitterern", wie er sagt, seien anonym unterwegs, da sie genau wüssten, dass ihr Verhalten problematisch sei. Die Köpfe indes, die diese Truppen durch die Gegend lenkten, zeigten sich dagegen sehr gern. Sie seien sogar "sehr stolz" darauf, was sie alles könnten und "dass sie diese ganzen Arschloch-Horden durch die Gegend schicken können".

Das Vorgehen werde oft als Trollerei abgetan, führte Sixtus aus, aber das sei für die Betroffenen eben nicht mehr lustig. "Hass im Internet" sei eigentlich eine falsche Wortwahl. Es müsse vielmehr "Hass aus dem Internet" heißen. Vor Jahren sei dieses Phänomen noch verniedlicht worden. Man solle dem nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, habe es geheißen: "Dann gehst du halt mal einen Tag offline". Für Sixtus, der selbst sehr aktiv auf Twitter ist, sind solche Tipps eine unangemessene Verharmlosung.

"Brutalo-Blogger"

Ähnlich äußerte sich der Kolumnist Stephan Anpalagan. Wenn reichweitenstarke Meinungs-Multiplikatoren so etwas schreiben, dann nehmen sie bewusst in Kauf, dass etwas passieren könne, sagte er: "Sie wissen um das teilweise aggressive oder sogar gewaltbereite Publikum in ihrer Followerschaft." Die Leiterin des Hauptstadt-Studios beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Melanie Amann sprach von "Brutalo-Bloggern". Der frühere Generalsekretär der CDU, Polenz, plädierte in einem konreten Fall für Abmahnung. Zuvor hatte die Autorin Maragarete Stokowski im Interview mit dem DLF-Medienmagazin "Medias res" auf die Rolle professioneller Publizisten bei rechtem Hass und rechter Hetze hingewiesen.

Derzeit wird insbesondere der Kolumnist bei der Zeitung "Die Welt", Rainer Meyer, kritisiert, der unter dem Pseudonym "Don Alphonso" schreibt. Er selbst spricht von Denunziation. "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte, obwohl er jüngst wegen des Hasses und der Hetze seinen Rückzug von der Plattform verkündet hatte, die Worte: "alle anständigen gegen einen". Sixtus warf Poschardt deswegen Bigotterie vor.

Der Hass von linken Aktivisten werde ausgeblendet

Der Journalist Frank Lübberding stellte sich explizit hinter Meyer: Don Alphonso habe sich weder radikalisiert, noch habe er jemanden bedroht. "Das ist wirklich hanebüchen, was hier gerade stattfindet. Aber immerhin wird das in Zukunft als Fallbeispiel für die Funktionslogik sozialer Netzwerke dienen können." Andere in der Debatte kritisieren, dass der Hass von linken Aktivisten in den Diskussionen ausgeblendet würde.

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