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StartseiteTag für Tag"Migranten wollen mitspielen" 20.06.2019

Soziologe El-Mafaalani"Migranten wollen mitspielen"

Migration und Integration sind traditionell wichtige Themen für Kirchentage. Hauptredner auf dem 37. Evangelischen Kirchentag in Dortmund dazu ist Aladin El-Mafaalani, Bestsellerautor und Abteilungsleiter im NRW-Integrationsministerium. Er appelliert an die Mehrheitsgesellschaft und an die Zuwanderer.

Rainer Brandes im Gespräch mit Christiane Florin

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Der Soziologe Aladin El-Mafaalani auf der Frankfurter Buchmesse 2018 (Imago/Manfred Segerer)
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani ist Autor des Buchs "Das Integrationsparadox" und arbeitet derzeit im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (Imago/Manfred Segerer)
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Rund 100 der 2000 Veranstaltungen des Kirchentages befassen sich mit dem Thema Migration. Hauptredner ist der Soziologe Aladin El-Mafaalani, noch Abteilungsleiter im NRW-Integrationsministerium, demnächst  Lehrstuhlinhaber an der Uni Osnabrück. Er sagt:

"Die Migranten kommen und wollen mitspielen und nicht so sehr sich anpassen, sondern hauptsächlich mitspielen. Und die Gesellschaft selber hat – das haben die meisten Gesellschaften, also auch nordamerikanische – ein bisschen das Bedürfnis, dass die Migranten sich anpassen. Und dann können sie auch mitspielen. Das Problem ist, dass beide in gewisser Weise von dieser Position abrücken müssen."

37. Evangelischer Kirchentag in Dortmund
"Dazu gehören - aber wozu?"
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Westfalenhalle Dortmund

Einer Leitkultur, die von der Mehrheit festgelegt wird, erteilt El-Mafaalani eine Absage:

"Ich glaube, das Wichtigste, was man heute gut reflektieren kann, was also nicht nur auf einer Meinung, einer Behauptung oder einer Definition basiert, sondern darauf, was wir weltweit sehen, dort wo Einwanderung über längere Zeiträume stattfindet, dass nämlich die Integration von einigen auf längere Zeit Auswirkungen für alle hat. Und mindestens in der Hinsicht ist Integration keine Einbahnstraße."

Ausweitung der Kooperation

Die Rolle der Islamverbände sieht der Experte differenziert. Einerseits ist in Nordrhein-Westfalen die Zusammenarbeit der Landesregierung mit der Ditib für den islamischen Religionsunterricht unterbrochen, weil die Einflussnahme des türkischen Staates auf die Ditib zu stark sein soll. Andererseits  sind die Ditib-Moscheegemeinden Heimat für sehr viele türkischstämmige Bürger. El-Mafaalani hat für das Ministerium eine "Koordinierungsstelle Muslimisches Engagement in NRW" entwickelt. Diese soll einen Ausweg aus dem Dilemma finden, dass Dialog mit Islam meist nur über die großen Verbände stattfindet, die aber nur einen Teil der Muslime vertreten. El-Mafaalani kündigt an: 

"Wir weiten den Dialog aus. Wir arbeiten mit allen zusammen, die sich bei uns melden und mit uns zusammenarbeiten möchten. Also, wir haben nicht entschieden, wer dabei ist und wer nicht dabei ist, sondern wir haben gesagt, es gibt zwei Regeln: Es muss eine juristische Person sein, es muss eine Rechtsform haben, und das andere ist, es muss in NRW stattfinden. Wer diese Bedingungen erfüllt und das Gefühl hat, dass sich da Muslime organisieren, die sich in oder für Nordrhein-Westfalen engagieren, ist mit im Boot erstmal. Und dann schauen wir, wohin die Reise geht."

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