
Nach Angaben seiner Familie starb er im Alter von 104 Jahren. Morin galt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen der Gegenwart. Er war emeritierter Direktor des Forschungs- und Wissenschaftszentrums CNRS und der Hochschule für Sozialwissenschaften EHESS in Paris.
Gegen den "Reduktionismus"
In seinem sechsbändigen Hauptwerk wird eine zukunftsorientierte Philosophie entwickelt. Morin spannt darin einen Bogen von der Natur über das Menschsein bis zur Ethik und Politik. Er wandte sich unter anderem gegen das Paradigma einer Vereinfachung in den Naturwissenschaften - auch Reduktionismus genannt. Der Soziologe lehnte es ab, etwas als wahr oder falsch zu bezeichnen, wenn es tatsächlich nur teilweise wahr oder teilweise falsch sei.
Buch über die deutsche Nachkriegszeit
Bekannt wurde der Philosoph und Soziologe auch in Deutschland mit dem Buch "Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland", in dem er die Nachkriegszeit, den damaligen Hunger und den Neubeginn der deutschen Gesellschaft unmittelbar nach 1945 beschreibt. Zuletzt erschien eine Veröffentlichung von Morin im Jahr 2023 über die Kriege seit 1940 bis hin zur Invasion der Ukraine.
Kampf in der Resistance
Morin entstammte einer sephardisch-jüdischen Familie aus Thessaloniki. In der französischen Resistance übernahm er während der Besetzung Frankreichs durch deutsche und italienische Truppen im Zweiten Weltkrieg eine aktive Rolle. In dieser Zeit legte er seinen jüdischen Familiennamen ab und wählte den Decknamen Morin.
Diese Nachricht wurde am 30.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
