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StartseiteKalenderblattSpaß an der Liebe20.03.2007

Spaß an der Liebe

Der römische Dichter Ovid war Zeitgenossen suspekt

In der Weltliteratur gilt Ovid als einer der größten Dichter der Liebe. Geboren wurde er als Publius Ovidius Naso am 20. März 43 vor Christus in Sulmona östlich von Rom. Der Gedichtband "Amores" machte ihn schlagartig bekannt.

Von Christian Linder

Ovid  machte kein Hehl daraus, dass er oft nur verliebt war in die Liebe. (Stock.XCHNG Michelle Seixas)
Ovid machte kein Hehl daraus, dass er oft nur verliebt war in die Liebe. (Stock.XCHNG Michelle Seixas)

"Die Tat ist vergangen, die Denkmäler bleiben."

Diese lässig hingeworfene Feststellung Ovids beschreibt sein eigenes Leben. Aber welcher Tat Ovid sich schuldig gemacht hat, dass ihn Kaiser Augustus im Jahr 8 nach Christi aus Rom ins Exil nach Tomis, dem heutigen Constanta am Schwarzen Meer verbannte, ist bis heute ungeklärt. Ovid selber deutete nur vage an, er habe etwas gesehen, was er nicht habe sehen dürfen. Möglicherweise, geht das Gerücht, war Ovid Augenzeuge eines Ehebruchs von Kaiser Augustus' Enkelin. Und da Augustus, der in die Geschichte als Beender des Bürgerkriegs eingehen wollte, in Rom ein auch moralisches strenges Regiment führte, war ihm die Affäre in seiner eigenen Familie, vermutet man, so peinlich, dass er den Augenzeugen weit weg wissen wollte. Zumal Augustus Ovids Literatur sowieso suspekt war, weil sie mit dem Leben und vor allem mit der Liebe nur spielte und Augustus dahinter Amoralität witterte. Aber obwohl der Kaiser nicht nur die Person verbannte, sondern auch die Bücher aus den Bibliotheken entfernen ließ, Ovids Literatur ist geblieben, nicht nur als Denkmal, sondern als Gebrauchsware bis heute.

"Um Himmels Willen, mach' nie Dauerwellen ins Haar, rasier' nicht die Beine, lässige Schönheit, das steht den Männern. Selbst Adonis war nur ein Waldschrat und wurde doch von allen vergöttert. Sauber der Körper und braun, als seist du sehr sportlich. Das Styling der Kleider ist wichtig."

Ovids Liebesgedichte in den Büchern "Amores" und "Ars amatoria", "Liebeskunst", jüngst neu gelesen und interpretiert von Konrad Beikircher, waren fulminante Auftritte eines sehr jungen Mannes aus Sulmo, dem heutigen Sulmona, knapp 140 Kilometer von Rom gelegen. Geboren am 20. März 43 vor Christus als Publius Ovidius Naso, sollte der Sohn einer wohlhabenden Landadel-Familie auf Wunsch des Vaters Jurist oder Politiker werden. Nach einer Rhetorik-Ausbildung in Rom und Bildungsreisen unter anderem nach Griechenland arbeitete er später auch in Rom als Einzelrichter in Zivilsachen, aber dann warf er die lästigen Brocken hin und wurde, was man heute einen freien Schriftsteller nennt. Das Erbe seines inzwischen verstorbenen Vaters ermöglichte ihm ein sorgenfreies Leben und ein Haus in der Nähe des Kapitols. Zu schreiben begonnen hatte Publius Ovidius Naso, der sich nach seinem zweiten Vornamen abgekürzt Ovid nannte, schon sehr früh. Die ersten Liebesgedichte habe er verfasst, als er sich noch nicht ein-, zweimal rasiert habe, erzählte er einmal. Der Autor machte kein Hehl daraus, dass er oft nur verliebt war in die Liebe und nicht nur eine, sondern alle Frauen liebe.

"Auch wenn es dich empört: Das unerlaubte Vergnügen macht Spaß ... Hundert Gründe gibt es, weshalb ich immer verliebt bin ... Keusch ist, die niemand versucht hat ... So viele Sterne der Himmel, so viele Mädchen hat dein Rom ... Wie viel Muscheln am Strand, so viel Schmerzen bietet die Liebe."

Die Kunst der Verführung hat Ovid im Versmaß eines elegischen Distichon besungen. Der Ton blieb bewusst immer leicht, denn mit ihm versuchte er sich abzusetzen von der Tradition der zeitgenössischen, allerdings eine Generation älteren Autoren wie Horaz oder Properz, auch noch Vergils, damit er deren Werke für sich selber auch nicht zu erdrückend empfand.

Gleichwohl wollte sich Ovid auf ähnliche Höhen hinaufschreiben, und das gelang ihm in dem Buch "Metamorphosen". Darin findet sich eine Beschreibung der Geburt der Welt aus der mythischen Verwandlung heraus:

"Vor dem Meer und der Erd' und dem allumschließenden Himmel, / war im ganzen Bezirk der Natur ein einziger Anblick, / Chaos genannt, ein roher und ungeordneter Klumpen: /nichts mehr, als untätige Last, nur zusammengewirrte / und misshellige Samen der nicht einträchtigen Dinge. Niemals kreisete jetzt ein welterleuchtender Titan, / Noch erneuere Phöbe des Monds anwachsende Hörner."

Dem dunklen Ton, der sich durch seine späten Texte zieht, entspricht die Dunkelheit, die über seinen letzten Lebensjahren liegt. Selbst sein Todesjahr ist nicht sicher bekannt, er soll 17 nach Christus gestorben sein, nach anderen Quellen ein Jahr darauf. Wenigstens für seine Grabinschrift hatte Publius Ovidius Naso, der sich Ovid nannte, gesorgt:

"Ich, der ich hier liege, Naso, der Dichter, Spieler zärtlicher Liebesgeschichten, bin an meinem eigenen Talent zugrunde gegangen. Aber für dich, der du vorbeigehst, wenn du je geliebt hast, soll es dir nicht schwer fallen zu sagen: Mögen die Gebeine des Naso weich ruhen!"

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