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Spatenstich für ein ehrgeiziges Projekt

Die Bauarbeiten für ein gewaltiges Erweiterungsprojekt der Uni RWTH Aachen haben begonnen: Auf rund 800.000 Quadratmetern wird in den kommenden Jahren eine der größten Forschungslandschaften Europas entstehen.

Von Ingo Wagner |
    Ein eiskalter Wind fegte über das Areal, der schmelzende Schnee hatte die weite Fläche in braunen Matsch verwandelt. Aber das konnte die gute Laune der versammelten Prominenz im Festzelt heute Vormittag, darunter auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, nicht trüben. Denn endlich nach so vielen Jahren können die Bauarbeiten für den neuen Campus beginnen. Vorarbeiten sind allerdings schon länger im Gange, sagt Professor Günther Schuh, Prorektor der RWTH Aachen und Geschäftsführer der eigens für dieses Großprojekt gegründeten Campus GmbH.

    "Die Arbeit, die auf der Campusfläche passiert, die kann man zum Teil schon sehen, das sind die ersten Rodungsarbeiten um die Haupttrasse, die Wissenschaftsallee, wie wir sie nennen."'"

    Gerade solche Rodungen und andere mögliche Gefahren für die Natur hatten im Vorfeld Umweltschützer auf den Plan gerufen und heftige Diskussionen ausgelöst. Immer wieder wurde gefordert, die Pläne für das geplante gewaltige Campusareal zu überdenken. Diese Befürchtungen hatten schließlich auch Änderungen in der Planung zur Folge. Günther Schuh hat grundsätzlich Verständnis für die Sorgen der Umweltschützer:

    ""Ich kann die nachvollziehen, wir sind auch darauf im maximalen Umfang eingegangen. Wir haben über 100.000 Quadratmeter hervorragend geeignete Fläche aufgegeben, um in der Natur den Schaden so klein wie möglich zu halten. Das trotzdem etwas Natur bebaut und verbaut wird lässt sich bei solchen Projekten nicht vermeiden. Hier ist versucht worden, einen maximalen Kompromiss zu erzeugen, dieser Kompromiss hat uns auch an die Grenze der wirtschaftlichen Machbarkeit gebracht. Mehr wäre nicht gegangen. Dann hätte man das ganze Projekt opfern müssen."

    Und so sieht das Projekt aus: Langfristig sollen sich bis zu 250 nationale und internationale Unternehmen mit ihren Entwicklungsabteilungen auf dem Campus ansiedeln, darunter namhafte Firmen wie E.ON oder Phillips. Insgesamt erhofft man sich davon langfristig die Schaffung von bis zu 10.000 neuen Arbeitsplätzen. Die Nähe zur Wirtschaft auf dem neuen Wissenschaftsgelände ist eines der eigentlichen Ziele des Großprojektes, so RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg.

    "Das grundlegend Neue ist wirklich die Entwicklungsabteilungen der Industrie auf den Campus zu bringen. (212) Wir glauben, dass die Wissenschaftler inspiriert werden von den ungelösten Ideen, die die Wirtschaft hat und ich glaube, dass die Wirtschaft inspiriert wird von den neuen Ideen, die die Wissenschaft hat. Das wollen wir zusammenbringen."

    Und so rücken auch die Studierenden näher an die Wirtschaft heran. Auf dem Campus werden sie bereits während ihrer Ausbildung mit Unternehmen zu tun haben, die Projekte im Bereich der Medizintechnik, der erneuerbaren Energien oder Elektro-Autos verfolgen. Das wird laut Rektor Schmachtenberg ihre beruflichen Chancen erhöhen. Aber die Investitionen in das gewaltige Projekt sollen auch der Lehre an der Hochschule zugute kommen. Professor Schuh:

    "Was einer Hochschule immer fehlt, auch unserer, sind Räumlichkeiten für eine gute Lehre. Die fehlen uns in der Menge und in der Qualität, also der Ausstattung der Hörsäle und Labore. In jedem dieser Cluster, die wir jetzt realisieren, verpflichten sich die Firmen sich an Hörsälen, Seminarräumen und Laboren zu beteiligen, die werden da mit eingerichtet."

    Und die stehen dann zu 20 Prozent den Unternehmen und zu achtzig Prozent den Studenten zur Verfügung. Die enorme Summe von zwei Milliarden Euro, die nach Schätzungen von Experten für den neuen Campus insgesamt aufgebracht werden muss, wird übrigens nicht vom Bund oder Land gezahlt, sagt Rektor Ernst Schmachtenberg.

    "Das ganz Besondere hier an der Konstruktion des Campus ist ja, dass es nicht staatliches Geld ist, was investiert wird, sondern, dass es private Investoren gibt, die erkannt haben, dass Wissenschaft ein attraktiver Markt ist und die investieren in dieses Gebiet hinein."

    Die Hochschule hat zunächst die Genehmigung, die ersten sechs sogenannten Cluster auf dem Campus zu bauen. Laut Ernst Schmachtenberg wird das erste Gebäude voraussichtlich Mitte des kommenden Jahres fertig sein. Dann werden die ersten Wissenschaftler auf einem Campus ihre Arbeit aufnehmen können, der sich vorgenommen hat, einer der größten Europas zu werden.