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StartseiteSportgespräch"Mit 93,90 Metern ist man definitv Olympiasieger"23.02.2020

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler"Mit 93,90 Metern ist man definitv Olympiasieger"

"Seifige" Speere wegen der Luftfeuchte erwartet er bei den Olympischen Spielen in Tokio und perfekte Organisation, sagte Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler im Dlf. Er selbst fahre relativ entspannt zu den Spielen: "Ich muss nicht Olympiasieger werden, ich hab das schon erreicht."

Thomas Röhler im Gespräch mit Matthias Friebe

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Der deutsche Speerwerfer Thomas Roehler holt Gold bei den Olympischen Spielen in Rio. Hier feiert er seinen Erfolg im Stadion, die deutsche Fahne um die Schultern. (dpa /Michael Kappeler )
Der deutsche Speerwerfer Thomas Röhler gewinnt bei den Olympischen Spielen in Rio die Goldmedaille (dpa /Michael Kappeler )
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93,90 Meter ist seine Bestmarke und mit dieser sei man im olympischen Finale von Tokio "definitiv Olympiasieger", da legte sich Olympiasieger Thomas Röhler im Dlf-Sportgespräch fest. Allerdings reichten wahrscheinlich aber auch "um die 90 Meter - plus minus zwei Meter". Meist seien es nur Nuancen "ein Stück mehr Winkel, ein Stück mehr Geschwindigkeit. Und schon fliegt der Speer ja bis zu drei, vier Meter weiter." Außenstehende könnten das kaum beurteilen, ob der Speer 85 oder 87 Meter weit fliegen werde. Profiathleten spürten das schon beim Abwurf, erklärte Röhler. 

"Wenn du abwirft, hast du ein Gefühl, wenn du merkst sofort: Okay, das wird knapp. Das wird vielleicht nicht reichen." So war es bei der verpatzten WM in Doha, als Röhler den Endkampf verpasste. Das habe er mittlerweile "komplett verdaut", sagte Röhler. "Wir haben daraus gelernt, ein Stück weit. Andererseits haben wir auch ganz schnell betont - mein Trainer und ich: Das ist ein Tag in sehr langen Karriere gewesen. Sehr kleine Fehler sind Ergebnis entscheidend im Speerwurf. Und mich hat es in dem Fall erwischt."

Unbekannte Gegner keine Seltenheit

Nun stehen die Olympischen Spiele in Tokio an und mit guten Ergebnissen im Rücken sei es für ihn eine sehr angenehme Ausgangslage. "Ich habe nicht mehr diesen Muss-Effekt. Ich muss nicht Olympiasieger werden, ich hab das schon erreicht." Er freue sich sehr auf die Umsetzung der Japaner, die das in vorangegangenen Wettbewerben stets perfekt organisiert hätten. "Die Japaner können organisieren. Da freue ich mich drauf. Das wird spannend."

Spannend wird auch die Form der Konkurrenz sein, denn "es gibt noch Ecken der Welt, wo Wettkämpfe geworfen werden, von denen wir in Europa nie was erfahren, dass die stattgefunden haben. Und das sind dann die, die sich qualifizieren, plötzlich in der Qualifikation gut aussehen." Da helfe dann auch mal der Algorithmus der Sozialen Medien, der ihm Videos anderer Athleten zur Verfügung stelle. "Wenn ich Speerwerfer bin, bekomme ich auch viel Speerwerfen angezeigt."

Der Weg nach Tokio ist noch lang. "Wir werden mit der Nationalmannschaft bald zwei Wochen intensiv in der Türkei vorbereiten. Ein Trainingszentrum, was wir schon häufig und gerne nutzen. Gute Wurf-Bedingungen, wenig Wind, ne gute Bahn, guter Rasen." Dann erstmal Pause zu Hause, danach nach Doha zur Diamond League. "Schon Mitte April, um von dort direkt noch mal ins Trainingslager zu fahren. Und dann beginnt unsere Qualifikation. Ja, dann fangen wir erst mal daran zu arbeiten und uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, ist eine enge Geschichte."

Wenig Mitbestimmungsrecht in Athletenkommission

Thomas Röhler ist seit ungefähr zweieinhalb Jahren der erste deutsche Sportler Athletenkommission des Leichtathletik-Weltverbands. Das helfe allerdings sehr wenig, wenn man nur eine Stimme in einer Versammlung habe, die sich aus knapp 200 Stimmen zusammensetzt. "Die Athleten sind die, die das Unterhaltungsprodukt Leichtathletik, das Spektakel Wettkampf ermöglichen - aber in der Mitbestimmung nur eine Stimme haben." Das sei zu wenig. "Das ist an vielen Stellen unbefriedigend, weil extrem viel Arbeit drinsteckt und sehr viel innovative Power im Team ist, die im Endeffekt nicht auf die Bahn kommt." 

Tatsächlich sei er im Austausch mit Sebastian Coe, dem Präsidenten des Weltleichtathletik-Verbands. "Der sagt auch: Wie siehst du das? Dann sage ich ihm meine Meinung. Dann sind aber noch weitere 199 Stimmen in dem Council." Die Strukturen seien sehr träge, wie ein langsames Zahnrad. Dennoch seien Schnellschüsse und einfache Wege nicht immer richtig. "Viele Veränderungen gefährden auch eine Sportart. Als Olympiasieger weiß ich, dass der einfache Weg definitiv nicht zu Olympiagold führt." 

Dass große Erfolge zu mehr Aufmerksamkeit für eine Sportart führen, beweist im Moment der erst 20-Jährige Armand "Mondo" Duplantis. Der US-amerikanisch-schwedische Stabhochspringer sei eine große Chance für die Leichtathletik, sagte Röhler, der Duplantis für einen sehr sympathischen Sportler und neuen und spannenden Charakter hält - noch dazu "in einer Disziplin, die definitiv komplizierter ist als hundert Meter Geradeauslaufen." Duplantis könne die Aufmerksamkeit nicht nur der Stabhochsprung-Fans wieder auf die Leichtathletik lenken.

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