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Spiele-Blockbuster in SerieEndor, Gondor und Luxor

Budgets wie für Hollywood-Filme, fotorealistische Grafik und technische Perfektion: Computerspiele haben sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. Erfolgreiche Spieleserien wie "Assassin's Creed", "Mittelerde" oder "Star Wars Battlefront" werden immer teurer und aufwendiger. Doch leidet darunter die Kreativität?

Von Kai Löffler | 15.11.2017

Screenshot aus Star Wars Battlefront 2 - eine imperiale Soldatin steht mit ihren unbehelmten Kollegen in Bereitschaft
In "Star Wars Battlefront 2" übernimmt der Spieler auch die Rolle einer imperialen Soldatin (Star Wars Battlefront 2 / EA Games)
Einen Monat bevor Luke Skywalker im Kino wieder sein Lichtschwert schwingt, dürfen "Star Wars"-Fans bereits in die "weit entfernte Galaxie" zurückkehren - im Spiel "Battlefront II" liefern sich Rebellen und imperiale Truppen riesige Multiplayer-Schlachten. Außerdem hat das Spiel diesmal eine Geschichte, eine Einzelspieler-Kampagne.
"The Rebellion cannot be allowed to persist"
Darin übernimmt man unter anderem die Rolle bekannter "Star Wars"-Charaktere - zuerst aber spielt man die imperiale Elite-Soldatin Iden Versio, die auf Endor den Sieg der Rebellen erlebt. Mit dem Tod des Imperators und der Zerstörung des zweiten Todessterns ist für das Imperium der Krieg noch lange nicht vorbei. Die Geschichte beginnt mit dem letzten Befehl des Imperators und füllt eine große Lücke in der "Star Wars"-Saga: Sie verbindet das Ende des Kinofilms "Die Rückkehr der Jedi Ritter" mit dem Anfang von "Das Erwachen der Macht". "Battlefront 2" erzeugt echte "Star Wars"-Atmosphäre.
Viel Action und Respekt für das Szenario
Von Endor nach Gondor: "Mittelerde - Schatten des Krieges" ist die Fortsetzung des Spiels "Mordors Schatten", in dem ein Waldläufer und der Geist eines Elben gemeinsam in der Welt von "Herr der Ringe" Orks in Angst und Schrecken versetzen.
Wie der Vorgänger leiht sich das Spiel großzügig Figuren aus J.R.R. Tolkiens Erzählungen und Peter Jacksons Filmen: Gollum, die Spinne Kankra und Saurons rechte Hand, der Hexenkönig von Angmar, fügen sich, mal mehr, mal weniger organisch, in die Geschichte ein.
"Nein. Die dunkle Herrin wacht über Gollum. Gollum wacht über den leuchtenden Herrn!"
Wie im Vorgänger werden Orks nach gewonnenem Zweikampf mächtiger und prahlen bei der nächsten Begegnung - wie ein Wrestler im Ring -, den Spieler schon einmal besiegt zu haben.
"Von nun an nennt man mich den Tak-Schlächter"
Anstatt Orks zu töten, kann der Spieler sie aber auch seinem Willen unterwerfen und so nach und nach eine Armee aus Saurons Horden rekrutieren. Trotz einiger Änderungen zeigt das Spiel viel Respekt für Tolkiens Mythologie.
"Ich werde dich finden."
Pyramiden erklimmen mit Audio-Guide
Die Neuerscheinung "Assassin's Creed Origins" basiert dagegen nicht auf einer Film- oder Buchserie. Die Geschichte über eine jahrhundertealte Rivalität zwischen Assassinen und Templern - und ihre Vorläufer - mischt historische Fiktion mit Science Fiction.
"Meine Mods funktionieren. Seine Erinnerungen sind vollkommen klar."
Das neuste "Assassin's Creed" entführt den Spieler ins alte Ägypten; hier besucht er die Bibliothek von Alexandria, fährt Wagenrennen wie Ben Hur und klettert auf die Pyramiden von Gizeh. Die riesige, detaillierte Welt ist nicht nur grafisch atemberaubend, sondern auch historisch sehr akurat. Deshalb kann man ab Anfang nächsten Jahres eine kostenlose Erweiterung herunterladen, einen Audio-Guide, der den Besuch der historischen Stätten mit Fakten über das alte Ägypten und seine Bewohner begleitet.
"Sehr gut, mein Freund! Unser Held kehrt zurück. Du bringst Freude nach Siwa."
Wundertüte mit Waffen
Die drei Spiele haben viel gemeinsam: alle drei bauen auf eine Kombination aus Schießen, Nahkampf, Rennen, Schleichen und Aufleveln. In allen drei Fällen trifft der Spieler bekannte Figuren - mal historisch, mal fiktiv. Und alle drei Spiele bauen auf ihren Vorgängern auf, indem sie das Rad nicht neu erfinden, sondern deren Spielprinzip erweitern und variieren. Sehr unangenehm sind die Mikro-Transaktionen, mit denen die Hersteller aller drei Titel - vor allem aber "Star Wars" - zusätzlich am Spieler verdienen wollen. Im Spiel kann man eine Art Wundertüte mit Waffen und anderen Gegenständen erwerben - für echtes Geld.
Die Spiele-Industrie setzt mittlerweile deutlich mehr um als Hollywood und neue Spiele kosten im Handel fast zehnmal so viel wie eine Kinokarte. Da wundert es nicht, dass Gamer für ihr Geld einiges erwarten: Viele Stunden Spielzeit, neueste Grafik, eine fesselnde Geschichte sollte es haben und dabei weder zu leicht noch zu schwer sein.
Dieses Versprechen erfüllen alle drei Titel. Und doch kann Kunst noch mehr - das zeigen Spiele wie "The Last of Us" und die kürzlich erschienenen "Last Day of June" und "Hellblade". Sie beweisen, dass Games zu einer profunden Erfahrung werden können, die den Spieler auch Wochen später nicht loslässt.