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StartseiteSport am WochenendeEine ethisch-moralische Bankrotterklärung13.06.2021

Spielfortsetzung nach Eriksen-VorfallEine ethisch-moralische Bankrotterklärung

Laut Trainer Kasper Hjulmand zeigte die UEFA den Spieler der dänischen Nationalmannschaft nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen zwei Möglichkeiten auf: entweder sofort weiterzuspielen oder am Folgetag. Beide Möglichkeiten seien barbarisch und ließen jegliche Empathie vermissen, kommentiert Klaas Reese.

Ein Kommentar von Klaas Reese

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 Yussuf Poulsen, Simon Kjaer, Thomas Delaney, Andreas Christensen og Jonas Wind mens Christian Eriksen faar behandling under EM landskampen mellem Danmark-Finland i Parken, Koebenhavn loerdag den 12. juni 2021. , Copenhagen Denmark *** Yussuf Poulsen, Simon Kjaer, Thomas Delaney, Andreas Christensen and Jonas Wind while Christian Eriksen receives treatment during the European Championship international match between Denmark Finland in the Park, Copenhagen Saturday 12 June 2021, Copenhagen Denmark PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: Ritzau/Scanpix LiselottexSabroex COP101 spdk20210612-225515-L (IMAGO / Ritzau Scanpix)
Die dänischen Spieler bilden einen Sichtschutz für Christian Eriksen. (IMAGO / Ritzau Scanpix)
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Zusammenbruch von Christian Eriksen Die UEFA sollte das Reglement grundsätzlich überdenken

Es war erst das dritte Spiel dieser Fußball-Europameisterschaft, doch schon jetzt ist klar, dass der Zusammenbruch des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen dieses Turnier prägen wird.

In den Statistiken wird ein 1:0-Sieg Finnlands stehen, aber dieser sporthistorische Sieg des Turnierneulings verliert all seine Bedeutung durch die schlimmen Umstände seiner Entstehung.

Spieler mussten als Sichtschutz herhalten

Als Fernsehzuschauer war ich geschockt von den Bildern und habe noch einen Tag später Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Und das, obwohl ich zu Christian Eriksen zuvor keine emotionale Bindung hatte. Wie soll es da erst in seinen Mitspielern ausgesehen haben, die alles aus nächster Nähe erlebten? Die um ihren Mitspieler bangten und als menschlicher Sichtschutz herhalten mussten, um voyeuristische Nahaufnahmen von ihrem Teamkameraden zu verhindern. Wie konnte man ernsthaft von diesen Menschen verlangen, dass sie nach einer kurzen Pause direkt wieder Fußball spielen sollten?

Spieler der dänischen Mannschaft stehen zusammen  (imago) (imago)Die UEFA sollte das Reglement grundsätzlich überdenken
Dänemarks Christian Eriksen musste im Spiel gegen Finnland wiederbelebt werden. Ein Wiederaufnahme des Spiels sollte man nicht einmal diskutieren müssen, kommentiert Matthias Friebe.

Heute wird die Geschichte so erzählt, dass es vonseiten der UEFA "keinen Druck" gab, das Spiel wieder anzupfeifen. Es gab aber nach Aussage von Dänemarks Nationaltrainer eben auch nur zwei Optionen: Das Spiel fortzusetzen oder am Folgetag um 12 Uhr zu spielen.

Eine Wahl, die keine ist, denn geschlafen hat in der Nacht nach dem Spiel sicher kaum ein dänischer Spieler. Ob die Unterbrechung in so einer Situation also 30 Minuten oder 17 Stunden lang ist, ist egal. Beide Möglichkeiten sind barbarisch und lassen jegliche Empathie vermissen.

UEFA hätte es besser wissen müssen

Dänemarks Torhüter Kasper Schmeichel nannte die Optionen der UEFA gegenüber der "BBC" dann auch "lächerlich". Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass die UEFA es besser hätte wissen müssen, denn zum Beispiel der Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat gezeigt, dass es schlicht unmenschlich ist, Menschen nach einer solchen Ausnahmesituation so kurzfristig wieder in einen sportlichen Wettkampf zu schicken.

Auch wenn der Spielplan einer EM eng getaktet ist, hier hätte die UEFA anders reagieren müssen. Es ist schlicht ein Skandal, dass der europäische Dachverband als Ausrichter die Entscheidung zur Fortführung des Spiels in die Hände der emotionalisierten Spieler gelegt hat, statt hier in den Regeln ein kategorisches Nein zu implementieren.

UEFA hat gesunden Menschenverstand verloren

Inmitten einer Pandemie hat die UEFA die Durchführung eines Turniers in elf Ländern vor Zuschauern erzwungen. Schon das zeigt, dass sie vom Geld getrieben jeglichen gesunden Menschenverstand verloren hat. Der Umgang mit einem um sein Leben kämpfenden Fußballer ist dann die endgültige Bankrotterklärung des europäischen Fußballverbandes und zeigt einmal mehr, dass den Fußballfunktionären der ethisch-moralische Kompass komplett verloren gegangen ist.

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